Remise: Viel mehr als nur eine Garage für Straßenbahnen

Im Straßenbahn-Betriebsbahnhof Brigittenau passiert so einiges. Wir waren vor Ort und zeigen euch, welche Geheimnisse sich hinter den Mauern der Remise Brigittenau verbergen.

Steht man vor dem Straßenbahn-Betriebsbahnhof Brigittenau, kurz Remise Brigittenau genannt, fallen einem sofort die vielen Baustellenfahrzeuge und BauarbeiterInnen auf. Es wird hier nämlich gerade fleißig renoviert. Im Zuge des Projektes Remise 2.0 wird der Bahnhof bis Ende 2021 in neuem Glanz erstrahlen. Neben der Dachkonstruktion, die in den vergangenen Monaten komplett abgetragen wurde, wird auch die Halle erneuert. Die Architektur der Halle sticht einem sofort ins Auge, denn die Mauern der Remise stammen aus den 1900er Jahren und stehen sogar unter Denkmalschutz!

Die Remise in Brigittenau

Die Remise schläft nie

In der Remise gibt es keine ruhige Minute, denn die MitarbeiterInnen arbeiten in Schichtdiensten rund um die Uhr, und das an 365 Tagen im Jahr. Sie sind dafür verantwortlich, dass zu jeder Zeit die richtigen Fahrzeuge auf den richtigen Linien unterwegs sind. Damit eure Fahrt auch immer sicher und entspannt abläuft, achten die MitarbeiterInnen besonders auf Sicherheit, Sauberkeit und Verfügbarkeit. So ist ein reibungsloser Ablauf gesichert. Auch in der Nacht ist in der Remise einiges los. Während die restliche Stadt schläft werden die Fahrzeuge hier gereinigt und repariert. Diese Reinigung erfolgt mit einer ganz besonderen Waschanlage.

Eine Waschanlage für Bims?

Die Straßenbahnen sind tagtäglich und bei jeder Witterung unterwegs. Das hinterlässt natürlich auch seine (Schmutz)Spuren. Doch wie bringt man ein so großes Fahrzeug wie die Bim eigentlich wieder zum Strahlen und Glänzen? Ein Wasserschlauch reicht hier wohl kaum aus. Deshalb gibt es in der Remise eine eigens für die Reinigung der Straßenbahnen gebaute Waschanlage.

Der Waschprozess an sich ist dem einer Autowaschanlage relativ ähnlich. Durch die Größe der zu reinigenden Fahrzeuge, den unterschiedlichen Zugtypen und dem Erfordernis einer Oberleitung ist die Anpassung und Einstellung der Waschanlage jedoch wesentlich aufwändiger. Die Straßenbahnen bekommen regelmäßig eine Dusche in der Waschanlage und werden mit drehenden Bürsten gereinigt – im Durchschnitt einmal im Monat. Ein Waschvorgang dauert knapp 45 Minuten.

In einer Remise sind übrigens nicht nur die Fahrzeuge schonend für unseren Planeten, sondern auch ihre Waschstraße. „Die Straßenbahnwaschanlage ist sehr umweltfreundlich, das Wasser kommt aus einer Wiederaufbereitungsanlage und Waschmittel wird nur in geringer Form eingesetzt. Der grüne Daumen ist uns hier sehr wichtig“, so Wolfgang Uitz, Oberwerkmeister der Remise in Favoriten

Was macht eigentlich der Sand auf den Bim-Gleisen?

Überquert man ein Straßenbahngleis, kann es schon vorkommen, dass man Sand zwischen den Gleisen entdeckt. Was hat es damit eigentlich auf sich?

Dieser Sand sorgt für Sicherheit während der Fahrt. Denn wenn es nebelig ist oder die Gleise durch Laub verschmutzt sind, ist es für die Räder oft schwer, einen festen Halt auf den Schienen zu finden. Genau hier kommt der Sand ins Spiel. Einmal auf die Schienen gestreut sorgt er für mehr Reibung und Gripp. Früher musste der/die FahrerIn dazu noch einen Hebel betätigen. Heutzutage genügt dafür ein einfacher Knopfdruck und schon wird der Sand automatisch vor die Räder gesprüht. Besonders wichtig ist dieser Vorgang bei Notbremsungen, damit die Bim so schnell wie möglich zum Stehen kommt.

Auch im Betriebsbahnhof Brigittenau kann dieser Sand nachgefüllt werden. Die neuen Straßenbahn-Modelle verbrauchen im Vergleich zu den älteren Fahrzeugen wesentlich weniger Sand, da dieser durch die im Fahrzeug befindliche Sandungsanlage punktgenau und geschwindigkeitsabhängig zwischen Rad und Schiene eingebracht werden kann.

Ein Makeover für unsere Betriebsbahnhöfe

Im Zuge des Projektes Remise 2.0 werden neun Straßenbahn-Betriebsbahnhöfe renoviert. Die Bauarbeiten an den Betriebsbahnhöfen Speising und Gürtel sind bereits abgeschlossen, der Betriebsbahnhof Simmering befindet sich bis Jahresende 2020 in der Endphase des Umbaues. Die Remise Brigittenau soll bis Ende 2021 fertig werden, ebenso die Remise Ottakring. Im Anschluss daran folgen die Betriebsbahnhöfe Hernals, Rudolfsheim, Favoriten und Floridsdorf. 

Der Hauptgrund für den Umbau unserer Remisen sind die neuen barrierefreien Straßenbahnen, die nach und nach die alten Wägen ersetzen. Ein großer Teil ihrer Technik ist nicht mehr, wie bei Hochflurfahrzeugen eher üblich, unten im Fahrzeug verbaut, sondern oben im Dachbereich. Daher benötigen sie ganz besondere Wartungsanlagen. Mit diesen neuen Anlagen sollen Service und Reparaturen leichter durchgeführt werden können. Auch die Wasch- und Sandbefüllungsanlagen für die Straßenbahnen werden modernisiert.

Du willst noch mehr spannende Infos zu unseren Straßenbahnen haben? Dann schau hier vorbei um zu erfahren, wie eine alte Bim verschrottet wird, oder lies hier alles über unsere Gleise. Besonders Begeisterte können natürlich auch Teil der Wiener Linien Familie werden – so wie Peter Bures, der im Straßenbahnfahren seine Berufung gefunden hat.

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