Wie werden eigentlich Schienenfahrzeuge gewartet?

Was Menschen als Vorsorgeuntersuchung empfohlen wird, ist für die Fahrzeuge der Wiener Linien gesetzlich vorgeschrieben. Durch regelmäßige Wartungen bleiben unsere Fahrzeuge fit & sicher für den Fahrbetrieb.

Die Hauptwerkstätte der Wiener Linien in Simmering gleicht einem riesigen Wimmelbild: an jeder Ecke sind tausende Einzelheiten zu beobachten und bei jedem Blick werden neue Details ersichtlich. Hier wird ein alter E1 nach einem Zusammenstoß von einem Team repariert, dort schraubt und schweißt eine Truppe an einem ULF, der auf einer Hebebühne steht. Ein Stück weiter blinkt es, für die finalen Checks bei der Straßenbahn. Eine U6-Garnitur wird neu lackiert und eine Straßenbahn wird auf einer riesigen Platte quer durch die riesige Halle geschoben.

„Bei uns geht es ums Eingemachte."

Zwischen 4.000 bis 8.000 Schritte täglich legt Rudolf Hauenschild im Durchschnitt an seinem Arbeitsplatz zurück. „Bei den Mechanikern sind es noch einmal deutlich mehr“, erzählt der Leiter der Hauptwerkstätte der Wiener Linien in Simmering. Kein Wunder, dass viele der rund 600 Mitarbeiter auf dem riesigen Areal mit dem Fahrrad unterwegs sind. Kernstück der Hauptwerkstätte ist die rund 80.000 Quadratmeter große Werkshalle. Auf der Gesamtfläche der Hauptwerkstätte von 270 Hektar hätten sogar ganze 37 Fußballfelder Platz. Die regelmäßigen Wartungen von Schienen- und Kraftfahrzeugen der Wiener Linien werden hier ebenso durchgeführt wie aufwendige Reparaturen, die in den Remisen nicht möglich sind. „Zu uns kommen die Fahrzeuge, wenn es ums Eingemachte geht“, beschreibt Hauenschild. Zu den wichtigsten Aufgaben der Hauptwerkstätte zählt die Hauptuntersuchung, auch „Wiederkehrende Überprüfung“ genannt. Dabei wird das Fahrzeug quasi bis auf die letzte Schraube auseinander gebaut und alle Teile genau untersucht und bei Bedarf ausgetauscht. Die Hauptuntersuchung kann je nach Fahrzeug bis zu mehrere Wochen dauern.

Fahrzeuge werden auf Herz & Nieren geprüft

So wie jeder Pkw müssen auch die Busse, Bims und U-Bahn Züge der Wiener Linien regelmäßig untersucht werden. Das sichert einen möglichst störungsfreien Fahrbetrieb und gewährleistet die hohe Lebensdauer der Fahrzeuge. Schienenfahrzeuge leben dadurch durchschnittlich 30 bis 40 Jahre. Busse kommen einmal im Jahr zur Hauptuntersuchung in die Busgaragen. Straßenbahnen werden spätestens alle acht Jahre beziehungsweise nach 500.000 Fahrkilometern, U-Bahn-Züge alle acht Jahre beziehungsweise nach 750.000 Fahrkilometern einer großen Wartung unterzogen.

Tägliche Überprüfung in den Garagen & Remisen

Bei Bims wird im Rahmen der Hauptuntersuchung zunächst eine Schadenserhebung durchgeführt, anschließend werden die Fahrwerke ausgebaut. Einheiten wie Antrieb oder Getriebe kommen dann in die Detailwerkstätten. Verschleißteile werden bei Bedarf ausgetauscht oder neu gefertigt. Zusätzlich zu den besonders aufwendigen Arbeiten werden alle Fahrzeuge permanent überprüft und gewartet – das geschieht vor allem in den Garagen und Remisen.

„Wir bringen sie auf den neuesten Stand der Technik.“

Bei älteren Fahrzeugen stehen zudem Modernisierungsarbeiten auf dem Programm: „Wir bringen sie auf den neuesten Stand der Technik“, erklärt der Leiter der Hauptwerkstätte. Anschließend werden die Fahrzeuge wieder zusammengebaut. Bevor sie zurück in den Fahrbetrieb dürfen, werden auf dem Areal umfangreiche Qualitätskontrollen und Probefahrten durchgeführt. „Ich wage zu behaupten, dass die Fahrzeuge nach der ‚Wiederkehrenden Überprüfung‘ sogar in einer noch besseren Verfassung sind, als sie es im Originalzustand waren, da wir immer wieder technische Updates durchführen, um am neuesten Stand der Technik zu bleiben“, berichtet Hauenschild stolz.

Ein großer Unterschied zwischen alten und neuen Bims: Moderne Niederflurfahrzeuge haben unter dem Boden kaum Platz für technische Einbauten. Diese sind daher am Fahrzeugdach untergebracht.

Ausbildung: 200 Lehrlinge sichern Zukunft

Der gute Zustand der Fahrzeuge ist nicht zuletzt der Qualitätsarbeit zu verdanken, welche die Mitarbeiter der Hauptwerkstätte leisten. Einen hohen Stellenwert hat daher auch die Lehrlingsausbildung in der Hauptwerkstätte. Mehr als 200 Lehrlinge werden hier in zahlreichen Berufen ausgebildet. Sie stellen sicher, dass der Bedarf an qualifizierten Fachkräften auch in Zukunft abgedeckt werden kann. „Da es auf dem Arbeitsmarkt äußerst schwierig ist, qualifiziertes Personal zu finden, hat die Lehrlingsausbildung bei uns einen besonders hohen Stellenwert“, erklärt Rudolf Hauenschild, Leiter der Hauptwerkstätte der Wiener Linien.

Quelle: VORMagazin. Text: Andreas Cavar. Video & Bilder: Wiener Linien

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Kommentare (2)

  • Warum KLH Gräte am Dach? Als selbstständiger Separatteil bestünde die Möglichkeit auf keine der
    genannten Probleme eingehen zu müssen. Nicht zu vergessen ein an- und abkoppeln an ein anderes Fahrzeug, mit dieser Möglichkeit könnte bei Ausfall seines Gerätes er schnell mit einen passenden anderen Gerät verbunden werden. Wenn eine außentemperatur von über 40 Grad erreicht wird und eine Abkühlung von 5 Grad erfolgt ist dies ausreichend?

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