Wie werden eigentlich Schienenfahrzeuge gewartet?

Was Menschen als Vorsorgeuntersuchung empfohlen wird, ist für die Fahrzeuge der Wiener Linien gesetzlich vorgeschrieben. Durch regelmäßige Wartungen bleiben unsere Fahrzeuge fit & sicher für den Fahrbetrieb.

Die Hauptwerkstätte der Wiener Linien in Simmering gleicht einem riesigen Wimmelbild: an jeder Ecke sind tausende Einzelheiten zu beobachten und bei jedem Blick werden neue Details ersichtlich. Hier wird ein alter E1 nach einem Zusammenstoß von einem Team repariert, dort schraubt und schweißt eine Truppe an einem ULF, der auf einer Hebebühne steht. Ein Stück weiter blinkt es, für die finalen Checks bei der Straßenbahn. Eine U6-Garnitur wird neu lackiert und eine Straßenbahn wird auf einer riesigen Platte quer durch die riesige Halle geschoben.

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Fahrzeuge werden auf Herz & Nieren geprüft

So wie jeder Pkw müssen auch die Busse, Straßenbahnen und U-Bahn Züge der Wiener Linien regelmäßig untersucht werden. Dies stellt sicher, dass der Fahrbetrieb möglichst störungsfrei funktioniert und dass die Fahrzeuge eine hohe Lebensdauer haben. Dadurch leben Schienenfahrzeuge durchschnittlich 30 bis 40 Jahre. Busse kommen einmal im Jahr zur Hauptuntersuchung in die Busgaragen. Straßenbahnen werden spätestens alle acht Jahre beziehungsweise nach 500.000 Fahrkilometern, U-Bahn-Züge alle acht Jahre beziehungsweise nach 750.000 Fahrkilometern einer großen Wartung unterzogen. An der Inspektion einer Straßenbahn sind zum Beispiel je nach Bedarf zwischen 25 und 40 Fachkräfte verschiedener Professionen beteiligt. Bei Bedarf können gleichzeitig bis zu 200 Fahrzeuge betreut werden. In der Hauptwerkstätte sind bis zu 15.000 Ersatzteile für Schienenfahrzeuge vorrätig. Auch andere Verkehrsbetriebe kaufen – weil nicht mehr alle Ersatzteile am freien Markt verfügbar sind – in der Hauptwerkstätte der Wiener Linien ein. Stephanie Schneider ist Werkmeisterin in der Hauptwerkstätte bei den Wiener Linien. Dort leitet sie ein Team von 25 MitarbeiterInnen. „Ich bin bei jeder Öffi-Fahrt stolz, dass mein Team die Fahrzeuge fit für die Schiene gemacht hat. Unsere Arbeit ist so wichtig, damit alle Fahrgäste immer sicher an ihr Ziel kommen!“

Stephanie Schneider ist Werkmeisterin

In der Hauptwerkstätte geht es ums Eingemachte

Kernstück der Hauptwerkstätte ist die rund 80.000 Quadratmeter große Werkshalle. Auf der Gesamtfläche der Hauptwerkstätte von 270 Hektar hätten sogar ganze 37 Fußballfelder Platz. Die regelmäßigen Wartungen von Schienen- und Kraftfahrzeugen der Wiener Linien werden hier ebenso durchgeführt wie aufwendige Reparaturen, die in den Remisen nicht möglich sind. Kein Wunder, dass viele der rund 600 MitarbeiterInnen auf dem riesigen Areal mit dem Fahrrad unterwegs sind. Zu den wichtigsten Aufgaben der Hauptwerkstätte zählt die Hauptuntersuchung, auch „Wiederkehrende Überprüfung“ genannt. Dabei wird das Fahrzeug quasi bis auf die letzte Schraube auseinander gebaut und alle Teile genau untersucht und bei Bedarf ausgetauscht. Die Hauptuntersuchung kann je nach Fahrzeug bis zu mehrere Wochen dauern. Die SpezialistInnen der Hauptwerkstätte müssen auch im „elektronischen Dschungel“ den Überblick bewahren. In einem modernen Schienenfahrzeug sind mehr als 100 km Kabel verlegt.

Tägliche Überprüfung in den Garagen & Remisen

Bei Straßenbahnen wird im Rahmen der Hauptuntersuchung zunächst eine Schadenserhebung durchgeführt, anschließend werden die Fahrwerke ausgebaut. Einheiten wie Antrieb oder Getriebe kommen dann in die Detailwerkstätten. Verschleißteile werden bei Bedarf ausgetauscht oder neu gefertigt. Zusätzlich zu den besonders aufwendigen Arbeiten werden alle Fahrzeuge permanent überprüft und gewartet – das geschieht vor allem in den Garagen und Remisen.

Die Fahrzeuge werden auf den neuesten Stand der Technik gebracht

Bei älteren Fahrzeugen stehen zudem Modernisierungsarbeiten auf dem Programm: Sie werden auf den neuesten Stand der Technik gebracht und anschließend wieder zusammengebaut. Bevor sie zurück in den Fahrbetrieb dürfen, werden auf dem Areal umfangreiche Qualitätskontrollen und Probefahrten durchgeführt. Zumeist sind die Fahrzeuge nach der wiederkehrenden Überprüfung sogar in einer noch besseren Verfassung, als sie es im Originalzustand waren, da immer wieder technische Updates durchgeführt werden, um am neuesten Stand der Technik zu bleiben. Ein großer Unterschied zwischen alten und neuen Bims: Moderne Niederflurfahrzeuge haben unter dem Boden kaum Platz für technische Einbauten. Diese sind daher am Fahrzeugdach untergebracht. Aktuell wird das Wissen für die neuen Flexity-Bim-Wartungen aufgebaut. Im Zuge dessen kommt frischer Wind in interne Abläufe. Kürzlich wurde zudem das Aufgabengebiet der Hauptwerkstätte erweitert. Ab sofort wird auch der "Gesundheitscheck" für einen Teil des LKW-Fuhrparks der Wiener Netze übernommen.

Ein großer Unterschied zwischen alten und neuen Bims: Moderne Niederflurfahrzeuge haben unter dem Boden kaum Platz für technische Einbauten. Diese sind daher am Fahrzeugdach untergebracht.

Wir suchen laufend neue MitarbeiterInnen

Aufgrund unseres laufenden Infrastrukturausbaus U2xU5 suchen wir viele MitarbeiterInnen in den unterschiedlichsten Bereichen. Aktuell suchen wir z.B. sowohl WerkstättenmitarbeiterInnen als auch WerkmeisterInnen. Im Herbst 2021 heißen wir 89 neue Lehrlinge willkommen – so viele wie noch nie! Dabei werden gleich zwei neue Lehrberufe bei den Wiener Linien angeboten: die Doppellehre Elektrotechnik und Mechatronik sowie Gleisbautechnik. Alle Informationen zu den aktuellen Lehrberufen findest du hier.

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Kommentare (4)

  • Warum KLH Gräte am Dach? Als selbstständiger Separatteil bestünde die Möglichkeit auf keine der
    genannten Probleme eingehen zu müssen. Nicht zu vergessen ein an- und abkoppeln an ein anderes Fahrzeug, mit dieser Möglichkeit könnte bei Ausfall seines Gerätes er schnell mit einen passenden anderen Gerät verbunden werden. Wenn eine außentemperatur von über 40 Grad erreicht wird und eine Abkühlung von 5 Grad erfolgt ist dies ausreichend?

  • Ich habe mal eine Frage: Sind die Dachflächen der riesigen Halle schon mit Solarpaneelen belegt? Dort ließe sich doch jede Menge Grüner Strom gewinnen!

    • Hallo, danke für dein Feedback und die Anregung. In Ottakring haben wir bereits das Dach der U-Bahn-Station mit einer Solaranlage ausgestattet.

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