Wie ist das, eine neue U-Bahn-Station zu bauen?

Eva-Maria Weiss ist am Bau der U5-Station Frankhplatz beteiligt. Sie erzählt, welche Herausforderungen der innerstädtische U-Bahn-Bau mit sich bringt und welche Schätze tief ­unter der Erde Wiens verborgen sind.

Seit den Morgenstunden weht ein kräftiger Wind. Der Boden ist nass und ­rutschig vom einsetzenden Regen. Eva-Maria Weiss ist trotzdem froh, dass sie uns die Bauarbeiten für die U5-Station Frankhplatz zeigen kann.

„Derzeit muss ich sehr viel Büroarbeit erledigen, dabei wäre ich gerne öfter auf der Baustelle unterwegs“, erzählt sie, während ein riesiger ­Bagger an ihr vorbeisaust.

Die Bauingenieurin ist seit zehn Jahren bei den Wiener Linien im U-Bahn-Neubau tätig. Seit 2018 beim Bau­abschnitt Frankhplatz, wo derzeit die erste Station für die neue U5 entsteht.

Eva-Maria Weiss auf der Baustelle Frankhplatz
Eva-Maria behält den Überblick am Frankhplatz

„In erster Linie sind wir für die örtliche Bauaufsicht zuständig. Wir prüfen also zum Beispiel, ob die Baufirma alles so ausführt, wie es in der Ausschreibung steht“, erklärt sie. Zum Tagesgeschäft zählen ­administrative Aufgaben, wie die Termin- und Budgetkontrolle.

Es gilt, die zahlreichen Fachab­teilungen, die an dem Projekt beteiligt sind, zu koordinieren. „Wir sind der Knotenpunkt, wo alles zusammenkommt“, sagt Weiss. „Was mir an diesem Projekt besonders Spaß macht, ist, dass wir den ersten automatischen U-Bahn-Betrieb im Unternehmen umsetzen. Bei so einem komplett neuen Projekt von Beginn an dabei zu sein, ist sehr spannend“, betont die Bauingenieurin.


Funde

Derzeit werden rund um den Frankhplatz hauptsächlich Spezial-­Tiefbauarbeiten durchgeführt. Die sogenannten Bohrpfähle – also tiefe Löcher, die mit Beton gefüllt werden – dienen als Außenwand der künftigen U-Bahn-Station. Im nächsten Schritt wird ein Betondeckel hergestellt und in die Tiefe gegraben.

Ein Bohrpfal wird in die Erde gebohrt
Aktuell werden beim Frankhplatz Bohrpfähle in die Erde gegraben

Anders als bei der U2-­Erweiterung, wo künftig eine riesige Tunnelbohrmaschine vom Matzleinsdorfer Platz aus einen Schacht bis in die Innenstadt gräbt, kommt beim Frankhplatz die berg­männische Variante mit Bagger und Spritzbeton zum Einsatz.

Wie aufwändig eine U-Bahn-Baustelle im innerstädtischen Gebiet ist, zeigt sich etwa daran, dass die Schienen für die Bim-Linien 43 und 44 zweimal umgelegt werden mussten, um Platz für den künftigen U-Bahn-Schacht zu schaffen.

„Wir versuchen bei all unseren Bau­stellen, den Öffi-Betrieb so wenig wie möglich zu stören. Die Linien 43 und 44 sind stark frequentiert und wurden ­daher im Sinne der Fahrgäste nicht eingestellt“, beschreibt Weiss. ­Weitere Herausforderungen sind die vielen unterirdischen Einbauten, wie Strom- und Gasleitungen, sowie der fehlende Platz für Material und Baugeräte.

Wie Weiss erzählt, stößt man bei innerstädtischen Grabungen immer wieder auf Dinge, mit denen man nicht gerechnet hat: „Wir haben zum Beispiel beim Frankhplatz vor kurzem eine alte Gasleitung gefunden, von der wir nichts wussten.“

Immer wieder kommen bei den Arbeiten auch Fundstücke aus vergangenen Epochen zutage, darunter alte ­Fundamente, aber auch Vasen. „Wir sind ein Hotspot für Archäologie“, erzählt Weiss. Ein eigenes Team von ArchäologInnen dokumentiert die Funde. Erst wenn diese ihre Arbeit beendet haben, kann weitergebaut werden. „Bei einer Baustelle ­dieser Größe, mitten in der Stadt, muss man immer auf alles gefasst sein und den Bauablauf entsprechend adaptieren“, betont Weiss.

Die Baugrube, aus der eine neue U-Bahn-Station entsteht
Hier entsteht eine neue U-Bahn-Station!


Klimaschutz

Rund 10.000 Menschen wohnen und arbeiten im Einzugsbereich der neuen Station mitten im Universitätsviertel. Wichtige ­Institutionen, wie das Landesgericht und die Nationalbank, rücken mit der neuen Anbindung ebenfalls ­näher an die U-Bahn. Mit dem Ausbau des ­Öffi-Angebots wollen die Wiener Linien noch mehr Menschen dazu bringen, ihre alltäglichen Wege in der Stadt mit U-Bahn, Bus und Bim zurückzulegen – ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.

Die ­Fertigstellung der Station Frankhplatz ist für 2026 geplant. Sie wird einige Jahre lang als Endstation der vollautomatischen U5 fungieren, die im nächsten Schritt bis Hernals verlängert wird. Davor müssen noch die detaillierten Planungen und die Ausschreibungen für diese Verlängerung durchgeführt werden.

Eine alte U-Bahn-Strecke ohne Gleise
Statt der U-Bahn sind hier Bauarbeiter*innen und Baumaschinen unterwegs.

Obwohl ihr die Arbeit an der Station große Freude bereitet, freut sich Frau Weiss schon auf die Fertigstellung: „Eine neue Station zu sehen, an deren Bau man selber beteiligt war, ist ein ganz besonderer Moment. Wenn man weiß, wie viel Arbeit damit verbunden war, dann betrachtet man sie aus einer ganz ­eigenen Perspektive.“

Wer wie Eva-Maria Weiss beim größten Klimaschutzprojekt des Jahrzehnts dabei sein möchte, kann sich jederzeit bei uns bewerben. Alle aktuellen Stellenangebote gibt es auf unserer Website: https://www.wienerlinien.at/stellenangebote

Erschienen in der Märzausgabe des vormagazins, Text: Andreas Cavar, Fotos: Stefan Diesner

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