Die Linie U3 transportiert jährlich 106 Millionen Fahrgäste auf insgesamt 13,5 Kilometern Fahrlänge.

U3 – Die Kulturlinie in Orange

Die U3 bewegt als die bisher jüngste U-Bahn-Linie Wiens über 100 Millionen Fahrgäste jährlich auf 13,5 Kilometern Länge. Das Zusammenspiel aus Technik, Kunst und Archäologie verleiht dieser Linie ihren besonderen Charakter und macht sie zu mehr als nur einer Verkehrsverbindung im Untergrund.

Wer eine Fahrt mit der Linie U3 antritt, fährt in nur 25 Minuten einmal quer durch Wien. Die Trasse verläuft von Ottakring im Westen durch die Innenstadt bis in den Süden nach Simmering. Auf ihrem Weg liegen wichtige Orte wie die Mariahilfer Straße sowie die Verkehrsknoten Volkstheater und Landstraße. Besonders ist die Strecke zwischen Westbahnhof und Stephansplatz, denn sie ist der am stärksten frequentierte Abschnitt im gesamten Wiener Netz.

Die U3 befördert in ihren Stoßzeiten alle 2 bis 3 Minuten Fahrgäste von Simmering bis Ottakring.
Die U3 befördert in ihren Stoßzeiten alle 2 bis 3 Minuten Fahrgäste von Simmering bis Ottakring.

Die Jüngste im Bunde

Rückblende: Wir schreiben Samstag, den 6. April 1991. Der damalige Bürgermeister Helmut Zilk steht vor einer riesigen Zuschauermenge in der Station Volkstheater und eröffnet die bis dato fünfte U-Bahn-Linie Wiens: die U3.

Die Geburtsstunde der orangen Linie liegt mittlerweile knapp 30 Jahre zurück. Infolge der Eröffnung herrschte in Wien große Aufregung über die unterirdische Verbindung zwischen dem Volkstheater und Erdberg. Zehntausende WienerInnen waren auf den Beinen, um die neue Strecke zu befahren. Im Jahr 1993 folgte der zweite Streckenabschnitt von der Station Volkstheater bis zum Westbahnhof und ein Jahr später ging es bis zur Station Johnstraße. Danach eröffnete 1998 der Abschnitt bis Ottakring, womit das sogenannte "Ottakringer Ende" die Linie in westlicher Richtung abschloss. Schließlich folgte mit der Verlängerung von Erdberg nach Simmering im Jahr 2000. Nur neun Jahre nach ihrer Eröffnung war hiermit die zweite Ausbauphase der U3 in den Süden abgeschlossen.

1991 wurde das erste Teilstück der U3 mit zahlreichen ZuschauerInnen eröffnet.
1991 wurde das erste Teilstück der U3 mit zahlreichen ZuschauerInnen eröffnet.

Mit der U-Bahn zum Shopping

1993, zwei Jahre nach der Eröffnung des ersten Teilstücks, eröffnete das wohl prominenteste Stück der Trasse. Von der Station Volkstheater ging es unter der Mariahilfer Straße bis zum Westbahnhof. Die Einkaufsstraße erstrahlte nach umfangreichen Bauarbeiten in neuem Glanz und hunderttausende WienerInnen besetzten sie in bester Shopping-Laune. Der damalige Bürgermeister Helmut Zilk sprach in seiner Eröffnungsrede von „drei Zentimetern U-Bahn für jeden Wiener“. Damals rechnete wohl niemand damit, dass das Netz 25 Jahre später noch größer wird und die Wiener Linien bereits am Bau der Linie U5 arbeiten. Dabei wird sie künftig die U3 beim U-Bahn-Knoten Neubaugasse treffen.

In der Mariahilfer Straße wurde im Sommer 1989 an der Fertigstellung der U3 gearbeitet.
In der Mariahilfer Straße wurde im Sommer 1989 an der Fertigstellung der U3 gearbeitet.

Kunst im unterirdischen Raum

Die U3 ist auch als die Kulturlinie im Wiener U-Bahn-Netz bekannt. Nationale und internationale KünstlerInnen gestalteten für das Konzept „Kulturlinie U3“ zahlreiche Stationen. Das zog nicht nur die Aufmerksamkeit der Fahrgäste, sondern auch jene der KulturliebhaberInnen auf sich.

Den Anfang machte der österreichischen Künstler Anton Lehmden, der die Station Volkstheater gestaltete. Er stattete die Station mit dem Kunstwerk "Das Werden der Natur", bestehend aus rund vier Millionen Mosaiksteinchen, aus. Für die Station Landstraße war der österreichische Maler Kurt Hofstetter zuständig. Am Bahnsteig gestaltete er das älteste Video-Computer-Kunstwerk im öffentlichen Raum in Österreich namens „Planet der Pendler mit den 3 Zeitmonden“. Im Gang der Station Landstraße gestaltete Oswald Oberhuber eine Emailwand, auf der als Kontrast zum täglichen Alltag verspielte und fröhliche Tierdarstellungen zu sehen sind. Auch die Kunstinstallation „Übertragung“ von Michael Schneider lädt zu einer kulturellen Entdeckungsreise entlang der Station Johnstraße ein.

In der Station Volkstheater wurde das erste U-Bahn-Kunstwerk in Wien 1991 von Anton Lehmden gestaltet.
In der Station Volkstheater wurde das erste U-Bahn-Kunstwerk in Wien 1991 von Anton Lehmden gestaltet.

Aber nicht nur die Kulturlinie ist Schauplatz zahlreicher Kunstexponate. Im gesamten U-Bahn-Netz Wiens sind mehr als 30 zeitgenössische Kunstwerke und historische Fundstücke installiert. Auf der Homepage der Wiener Linien kann man die gesamte unterirdische Kunst mit nur einem Klick „besichtigen“. Die Wiener U-Bahn ist somit nicht nur Hauptverkehrsmittel im öffentlichen Verkehr, sondern gilt auch als unterirdisches Museum Wiens. So setzt das Kulturerlebnis im Wiener Untergrund das fort, was Wien oberirdisch seit jeher durch zeitgenössische Kunst und historische Architektur berühmt macht.

Im Gang der U3-Station Landstraße ist eine Kunstinstallation von Oswald Oberhuber ausgestellt.
Im Gang der U3-Station Landstraße ist eine Kunstinstallation von Oswald Oberhuber ausgestellt.

Eine Reise durch die Geschichte

Der Bau der U3 hat auch für die ArchäologInnen neue Möglichkeiten geschaffen, um Einblicke in die Geschichte Wiens zu bekommen. Bei den Arbeiten tauchten die Fundamente der Ludwigskapelle neben der Minoritenkirche im Untergrund auf.

Und auch am Stephansplatz befindet sich ein unterirdisches Kulturerlebnis, das die Wiener Linien im Zuge des Baus der Linie U1 vor rund 40 Jahren entdeckten. Hier kann die Virgilkapelle direkt in der Station besichtigt werden. Bei einer U-Bahn-Fahrt durch das alte Wien kann man alle architektonischen Entdeckungen des U-Bahn-Baus auf einen Blick erkunden.

In der Station Stubentor wurden Teile der ehemaligen Stadtmauer auf einer Länge von 20 Metern in den Stationszugang integriert. Auch in der U3-Station Rochusgasse gibt es Reliquien aus 2000 Jahren Stadtgeschichte zu sehen. In Nischen gegenüber den Bahnsteigen sind römische Steinexponate, die wahrscheinlich zu Grabmählern oder Tempeln aus der Zeit des Römischen Reiches gehören, zu sehen.

Die römischen Steinexponate in der Rochusgasse  sind etwa 2000 Jahre alt und werden in der Station ausgestellt.
Die römischen Steinexponate in der Rochusgasse sind etwa 2000 Jahre alt und werden in der Station ausgestellt.

Wien profitierte also mit dem Bau der U3 als weitere Linie, die den Westen mit dem Süden der Stadt auf insgesamt 21 Stationen verbindet. Auch knapp 30 Jahre nach ihrem Bau ist Wien um eine kulturelle Sehenswürdigkeit reicher. Mehr zu den U-Bahn-Linien in weiteren Portraits zu U1, U2 und einem dreiteiligen Portrait zu der Linie U6.

Nach oben

Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

Tragen Sie Ihre Daten unten ein oder klicken Sie ein Icon um sich einzuloggen.

Unser nächster Artikel
Kaiser Pavillon am Karlsplatz

Aktuell wie nie: Otto Wagner im Wiener Öffi-Netz

31 August 2018