So halten wir unsere Räder sicher auf Schiene

Wusstet ihr, dass wir als Wiener Linien täglich mit unseren Fahrzeugen fünf Mal um die Erde fahren? Dies geht natürlich auch an unseren Rädern nicht spurlos vorbei. Wir zeigen euch, wie wir sicherstellen können, dass unsere Räder trotzdem immer sicher und zuverlässig durch Wien rollen.

Selbst unsere härtesten Schienenfahrzeugräder weisen einen stetigen Verschleiß auf. Bei den ULF-Straßenbahnen wird zum Beispiel ein neues Rad mit einem Durchmesser von 690 mm im Laufe der Zeit durch Verschleiß auf einen Durchmesser von 610 mm reduziert ­ –  ein beachtlicher Unterschied.

Was sind eigentlich Rädermessanlagen?

Damit unsere Fahrzeuge immer sicher durch Wien fahren, wird die Radkontur jedes Rades regelmäßig gemessen. Bis vor wenigen Jahren funktionierte dies mechanisch. Das Problem hierbei war, dass dies sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat und die Fahrzeuge währenddessen nicht fahren konnten. Um diese Stehzeiten für die Radvermessungen zu vermeiden, betreiben wir als Wiener Linien für die Straßenbahn und die U6 insgesamt fünf Rädermessanlagen. Wenn ein Fahrzeug über eine dieser Anlagen fährt, wird das Radprofil automatisch aufgezeichnet.

In Abbildung 1 ist eine der verbauten Anlagen zu sehen. Abbildung 2 zeigt das dahinterliegende Messprinzip der Rädermessanlagen mittels Laserlichtschnittverfahren.

Abbildung 3 zeigt zwei Messungen eines ULF-Rades, einmal nahe an einem Ausscheidungskriterium – hier aufgrund des niedrigen Spurkranzes (Rotes Profil) – und einmal nach der Instandhaltungstätigkeit – Drehen (Blaues Profil). Durch diese Instandhaltungstätigkeit ist ein weiterer sicherer Betrieb gewährleistet.

Abbildung 3: Verschließens Radprofil – niedrige Spurkranzhöhe (rotes Profil); Rad nach der Instandhaltungstätigkeit – Drehen (blaues Profil)

Eigene Software

Damit unsere Räder möglichst lange einwandfrei funktionieren, müssen unsere Werkstätten hochflexibel sein. Dies ist natürlich auch mit Kosten verbunden. Unsere Rädermessanlagen helfen dabei, diese Kosten möglichst gering zu halten. Sie funktionieren automatisiert und können Abbildungen unserer Räder erzeugen. Diese Abbildungen sind für uns sehr wichtig. Da wir jedoch tausende an Fahrzeugen haben ist es ohne automatisierte Analysealgorithmen unmöglich, einen Überblick über die große Anzahl an Daten zu bekommen. Hierbei benötigte es eine Softwarelösung. Diese Softwarelösung gab es bis jetzt noch nicht auf dem Markt – deshalb hat unsere Abteilung Schienenfahrzeugtechnik eine eigene Software für eine optimierte Räderinstandhaltung entwickelt und selbst programmiert. Diese Softwarelösung findet automatisiert die bestmöglichen Instandhaltungsmaßnahmen und -zeitpunkte für unsere Räder und erstellt basierend darauf automatisiert Arbeitsaufträge, die ebenfalls in einer selbstprogrammierten Planungssoftware in einer Weboberfläche dargestellt werden.

Die Vorteile unseres Rädermanagements

Rädermessanlagen in Kombination mit unserem Rädermanagement bringen viele Vorteile mit sich:

  • Erhöhung der Radlebensdauer:
    Die Lebensdauer der ULF-Triebräder hat sich nach der Einführung des Rädermanagementsystems von etwa 200.000 km auf über 300.000 km erhöht.
  • Reduktion der abgestellten Fahrzeuge:
    Der Tausch der Triebräder bei unseren ULF-Fahrzeugen konnte so weit reduziert werden, dass neben den 6-jährigen Großwartungen statt durchschnittlich 2,5 gleichzeitig abgestellter Fahrzeuge nur noch 1 Fahrzeug für den Rädertausch abgestellt werden muss. Aufgrund der automatisierten Messungen mittels der Radmessanlagen, müssen Fahrzeuge für eine Radvermessung nicht mehr systematisch abgestellt werden.
  • Vermeidung von unregelmäßigen Werkstättenauslastungen:
    Durch das Einführen des Rädermanagementsystems gibt es praktisch keine ungeplanten Instandhaltungstätigkeiten betreffend Tauschen und Drehen von Rädern
  • Wirtschaftliche Potenzial
    Das Einsparpotenzial aufgrund der Reduktion von abgestellten Fahrzeugen, Erhöhung der Radlebensdauer, Einsparung von manuellen Messtätigkeiten liegt über die Lebensdauer einer Fahrzeugflotte betrachtet bei einem hohen zweistelligen Millionenbetrag.

„Mit dieser Kompetenz haben wir einen deutlichen technologischen und wirtschaftlichen Schritt nach vorne gemacht; gerne bieten wir dieses Know-How im Konzern an“ – DI Christian Deutsch, MBA Hauptabteilungsleiter F5-Fahrzeugtechnik

Der Blick in die Zukunft

Aufgrund der Erfolge, wie beispielsweise dem Rädermanagementsystem entwickelt die Hauptabteilung Fahrzeugtechnik laufend neue Softwarelösungen, die den Werkstättenbetrieb optimal unterstützen. In diese maßgeschneiderten Lösungen fließt das umfangreiche Know-How unserer Werkstätten direkt ohne Umwege hinein. Diese Kombination aus Werkstättenerfahrung und der neuen Sichtweise einer Werkstättennahen-IT wird auch zukünftig eine Vielzahl von Optimierungen ermöglichen.  

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