Sicherheitsdienst: „Wir sind keine Türsteher“

Seit drei Jahren sorgen die MitarbeiterInnen des Sicherheitsdienstes der Wiener Linien für die Einhaltung der Hausordnung und ein besseres Sicherheitsgefühl bei den Fahrgästen. Im Fokus steht dabei vor allem die Deeskalation.

Zwischen 30 und 50 Mal pro Schicht müssen Menschen im Durchschnitt an die Hausordnung der Wiener Linien erinnert werden, erzählen Christoph Eichinger und Claudia Bauer. „Wobei die Zahl stark davon abhängt, in welcher Station und zu welcher Uhrzeit wir unterwegs sind“, betonen die beiden MitarbeiterInnen des Sicherheitsdienstes.

Vor drei Jahren wurde dieser als Teil des Service-Angebots der Wiener Linien ins Leben gerufen. Gemeinsam mit den ServicemitarbeiterInnen achten sie auf die Einhaltung der Hausordnung und der Beförderungsbedingung in Fahrzeugen sowie Stationen. Mittlerweile sind rund 130 MitarbeiterInnen beim Sicherheitsdienst tätig.

Christoph Eichinger ist erst seit einigen Monaten im Einsatz. An seinem Job schätzt er vor allem die Abwechslung. Claudia Bauer macht den Job seit 2017. Ihre Erfahrung hilft ihr dabei, Situationen richtig einzuschätzen.
Christoph Eichinger ist erst seit einigen Monaten im Einsatz. An seinem Job schätzt er vor allem die Abwechslung. Claudia Bauer macht den Job seit 2017. Ihre Erfahrung hilft ihr dabei, Situationen richtig einzuschätzen.

Aufgaben

Claudia Bauer ist bereits seit 2017, seit Gründung des Sicherheitsteams, dabei. Christoph Eichinger erst seit einigen Monaten – „ein Frischling“, wie er selbst sagt. Beide mussten vor ihrem Einsatz eine mehrmonatige, intensive Ausbildung inklusive Deeskalationstraining positiv absolvieren. Ihre Mission: Die Fahrgäste sollen sich in U-Bahn, Bim und Co sicher fühlen. „Wenn es ein Problem gibt, dann suchen wir das Gespräch und setzen auf Deeskalation“, erklären die beiden. Mit etwas Geduld und Fingerspitzengefühl lassen sich die meisten Situationen konfliktfrei lösen.

„Manche Fahrgäste glauben, wir sind so etwas wie die Türsteher der U-Bahn, aber das ist nicht der Fall“, betont Eichinger. Erst wenn sich Menschen auch nach langem Zureden nicht einsichtig zeigen, werden sie der Station der verwiesen. „Wirklich brenzlige Einsätze kommen zum Glück selten vor“, betonen die beiden.

Mittlerweile dürfen die MitarbeiterInnen des Sicherheitsdienstes auf Geldstrafen verhängen - etwa bei der Nichteinhaltung der Maskenpflicht.
Per Funkgerät können im Ernstfall schnell weitere Sicherheitsteams oder die Polizei angefordert werden.

Derzeit muss sich der Sicherheitsdienst vor allem um die Einhaltung der Maskenpflicht kümmern, die in den Gebäuden und Fahrzeugen der Wiener Linien gilt. „Im März gab es Dienste, da mussten wir mehr als 200 Mal an den Mund- Nasenschutz erinnern und das innerhalb von acht Stunden. Mittlerweile halten sich die meisten Fahrgäste an die Regeln“, beschreibt Eichinger.

Andere häufige Gründe, weshalb der Sicherheitsdienst einschreiten muss, sind Hunde ohne Maulkorb sowie Rollerfahrer oder Raucher am Bahnsteig. In einigen Stationen steht die Durchsetzung des Bettelverbots im Fokus.

Die MitarbeiterInnen des Sicherheitsdienstes kümmern sich auch um die Anliegen der Fahrgäste – etwa bei Fragen zu Fahrscheinen oder Umsteigemöglichkeiten. Im Rahmen der zweimonatigen Ausbildung wird daher neben Erster Hilfe und Deeskalationstraining auch Wissen zum Netz der Wiener Linien vermittelt.

Mittlerweile dürfen die MitarbeiterInnen des Sicherheitsdienstes auch Geldstrafen verhängen – etwa bei der Nichteinhaltung der Maskenpflicht.

Erlebnisse

Die Reaktion der Fahrgäste auf den Sicherheitsdienst, so erzählt Bauer, hat sich in den vergangenen Jahren durchaus gewandelt: „Anfangs war vielen Fahrgästen nicht klar, dass es uns überhaupt gibt und auch unsere Befugnisse waren noch nicht so eindeutig geregelt wie heute“. Mittlerweile sind die Reaktionen meist positiv – vor allem ältere Fahrgäste fühlen sich sicherer.

An ihrem Job schätzen die beiden in erster Linie die Abwechslung: „Jeder Tag ist anders, man weiß nie, was einen erwartet“ beschreibt Eichinger. Zudem gibt es immer wieder positive Erlebnisse, wie Bauer beschreibt: „Vor kurzem haben wir an der Station Westbahnhof einen Hund ohne Herrchen gefunden. Gemeinsam mit den ServicemitarbeiterInnen konnten wir den Besitzer ausfindig machen und das Tier übergeben. Nach so einem Erlebnis fühlt man sich natürlich gestärkt und man geht mit einem guten Gefühl nach Hause“.

Mit vollem Einsatz für die Anliegen der Fahrgäste

Neben dem Sicherheitsdienst schauen auch die ServicemitarbeiterInnen der Wiener Linien in den Stationen nach dem Rechten. An den Service-Points oder bei Rundgängen stehen sie für Fragen und Anliegen der Fahrgäste zur Verfügung. Zudem kontrollieren sie, ob Rolltreppen, Aufzüge oder Fahrscheinautomaten funktionieren und sperren die Stationen auf beziehungsweise zu.

Slacana Matić war bisher als Stationswart tätig. Ihre Erfahrung ist bei der Kommunikation mit den Fahrgästen ein großer Vorteil.
Gemeinsam mit dem Sicherheitsdienst kümmern sich die ServicemitarbeiterInnen um die Anliegen der Fahrgäste.

Text: Andreas Cavar
Fotos: Stefan Diesner
Dieser Artikel erschien in abgewandelter Form im VORmagazin 09/2020.

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Kommentare (2)

  • Danke für euren Einsatz. Ihr seid die Besten! Bitte noch viel öfter publik machen, dass ihr keine Discotürlsteher seid. Diese Meinung ist leider noch in sehr vielen Köpfen drinnen. Es ist leider noch den wenigsten bekannt welche Rechte ihr tatsächlich habt. Drum bitte immer wieder via Social Media und auch über andere Medien die Fahrgäste aufklären. Der Artikel ist super und auch sehr wichtig. Weiter so!

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