Kaiser Pavillon am Karlsplatz

Aktuell wie nie: Otto Wagner im Wiener Öffi-Netz

Er zählt zu den bedeutendsten Architekten und Stadtplanern der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und prägte das Stadtbild Wiens wie kaum ein anderer. Otto Koloman Wagner, der Urvater der Wiener Stadtbahn. 1841 in Penzing geboren, ziert seine Handschrift auch 100 Jahre nach seinem Tod maßgeblich das Erscheinungsbild der Wiener U-Bahn.

Besonders auf den ehemaligen Trassen der Stadtbahn ist das Wirken von Otto Wagner spürbar und vor allem erlebbar. Als eine architektonische Lebensader auf den Linien U4 und U6 sind der Glanz der Donaumonarchie, der Prunk und der Stolz der alten Zeit bis heute erkennbar.

Otto Wagners Postsparkasse ist auf der 500 Schilling Banknote abgebildet.
Otto Wagners Postsparkasse ist auf der 500 Schilling Banknote abgebildet.

Rückblick ins späte 19. Jahrhundert

Wir schreiben den 18. Juli 1892. An diesem Montag genehmigte der Reichsrat per Gesetz den Bau der Wiener Stadtbahn. Und revolutionierte damit den öffentlichen Personenverkehr. Als Architekt beauftragte das Ministerium Otto Wagner, der somit sein Lebenswerk errichtete. Er bekam die Verantwortung für Brücken, die Viadukte und die Stationsgebäude. Dass Wagner bis dahin noch keine ähnlichen Projekte umsetzte, störte niemanden. Zum Glück. Über neun Jahre bauten tausende Arbeiter an der Stadtbahntrasse, bis Mitte 1901 mit der Donaukanallinie auch der letzte Abschnitt in Betrieb ging. Die Eröffnung des ersten Teilstücks am 9. Mai 1898 ließ sich sogar Kaiser Franz Joseph nicht nehmen. Im k.u.k. Hofsalonzug passierte er unter anderem die ebenfalls von Otto Wagner errichtete St.-Johannes-Nepomuk-Kapelle am Währinger Gürtel.

Auf den Trassen der Stadtbahn von Otto Wagner fahren heute U4 und U6.
Auf den Trassen der Stadtbahn von Otto Wagner fahren heute U4 und U6.

Unverkennbar

Ein gut erhaltenes Prunkstück Otto Wagners ist der Pavillon am Karlsplatz, zu Beginn der Stadtbahn-Zeiten bekannt als Station „Academiestraße“. Wo früher unzählige Fahrgäste hineinströmten, um ihren Zug nicht zu verpassen, befindet sich heute eine Dauerausstellung über das Lebenswerk des Architekten. Das Gebäude ist außen im Originalzustand erhalten. Den Innenraum gestalteten Wiener ArchitektInnen zwar um und machten ihn zu einem Museum, das jugendstilistische Flair blieb aber erhalten.

Otto-Wagners Stationen sind sofort erkennbar. Am Gürtel wirken sie als Stadttore für die inneren Bezirke. Am Boden befinden sich die historischen Fliesen und Dächer, Türen und Fenster sind markant grün gehalten. Das war früher anders. Der Architekt gestaltete die Stationen in dezenten Brauntönen, die bei heutigen Restaurationen immer wieder ans Tageslicht kommen. Unverkennbar sind auch die hellen, praktisch weißen, Fassaden und Gemäuer, die Eleganz ausstrahlen, bei der heutigen Fahrgast-Frequenz aber rasch verunreinigen.

Eine Reise mit der grünen Stadtbahn

Vieles veränderte sich seit 1898 auf der grünen U4. Die Modernisierungen unter dem Namen „NEU4“ sorgen dafür, dass die U4 den Fahrgästen auch in Zukunft einen großen Komfort bieten kann. Auf der Suche nach echten Otto-Wagner-Stationen werden Interessierte dennoch fündig. Inmitten des Stadtparks und beim Schloss Schönbrunn stehen zwei original erhaltende Stationsgebäude, in denen die Geschichte der vergangenen 120 Jahre erhalten blieb. Genau gesagt erhielten beide nur Anpassungen, wie etwa den Einbau von Aufzügen zur barrierefreien Nutzung. Weiters blicken auch Stationen wie Kettenbrückengasse, Margaretengürtel, Pilgramgasse, Friedensbrücke, Roßauer Lände, Hütteldorf, Ober St. Veit auf Otto Wagner zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg ersetzten neue Zweckbauten viele historische Stationen. Der Wert der historischen Stationen wurde damals noch nicht so hoch geschätzt wie heute.

Kulturerhaltung kostet Kraft

Auf der U6 können die Fahrgäste ebenso viel von Otto Wagner bewundern. Entlang des Gürtels erstrahlen gleich sechs Stationen in ihrer historischen Pracht: Nußdorfer Straße, Währinger Straße, Alser Straße, Josefstädter Straße, Gumpendorfer Straße und Teile der Station Burggasse.

Um diese für die Zukunft fit zu machen, sanieren die Wiener Linien Otto Wagners Meisterwerke seit Jahren mit großer Sorgfalt. Durch aufwendige Arbeiten bleiben die markanten Bauwerke für zukünftige Generationen erhalten. Die historischen Stationen stehen unter Denkmalschutz. Daher ist jeder Arbeitsschritt auch mit dem Bundesdenkmalamt abzustimmen. Von der Farbe der Fassade bis zur originalgetreu rekonstruierten Fliese. Die Moderne holt die gut 120 Jahre alten Stationen durch die Sanierungen dennoch ein. Etwa durch den Einbau von Blindenleitsystemen am Bahnsteig, den Einbau von Videokameras oder neuer Beleuchtung. Wie die Sanierung im Fall der Nußdorfer Straße abläuft, erklärt Baustellenleiter Johann Loreth in diesem Video.

Otto Wagners Stadtbahn-Stationen sind Bauwerke für die Ewigkeit. Wie Stadttore liegen sie entlang des Gürtels und sind auch 120 Jahre nach ihrer Errichtung eine wahre architektonische Erscheinung. Was seinerzeit futuristisch wirkte, ist heute noch zeitgemäß und prägt das Wiener Stadtbild nachhaltig. Wie Otto Wagner auch den U-Bahn-Bau mit prägte, erklärt der Blog zu ihrem 40-jährigen Geburtstag.

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