Ein Blick auf ein Relaisstellwerk.

U-Bahn-Betrieb: Ohne Stellwerk geht gar nichts!

Stellwerk, was ist das und warum ist es wichtig? Als Fahrgast bekommt man so ein Stellwerk eigentlich nie zu Gesicht, trotzdem steht ohne diese Technik der U-Bahn-Betrieb still. Im Blogbeitrag erklären wir was es damit auf sich hat, warum es zu Störungen kommen kann und was wir tun, um den Betrieb schnell wieder zum Laufen zu bringen.

„Liebe Fahrgäste, wegen einer Stellwerkstörung kommt es zu Verzögerungen." So oder so ähnlich kann es schon mal durch den U-Bahn-Lautsprecher schallen. Aber was bedeutet das eigentlich? Klar, die U-Bahn kommt gerade gar nicht oder verspätet sich, das merkt man als Fahrgast schnell. Aber warum genau muss man eigentlich warten?

Das kleine Stellwerk-1x1

Dafür erklären wir vorab, welche Aufgaben Stellwerke haben. Quasi als Gehirn des U-Bahn-Betriebs brauchen wir sie, um den Betrieb ganz grundsätzlich und vor allem sicher zu steuern. Damit sind bis zu 120 U-Bahn-Züge gleichzeitig sicher im Netz unterwegs. Durch das Stellwerk werden die Fahrstraßen und Signale für jeden einzelnen Zug gestellt sowie Weichen genau in die Position gebracht, die gerade gebraucht wird. Und das sind jede Menge, denn wir haben mehr als 600 Weichen in unserem U-Bahn-Netz.

Unsere U-Bahn-FahrerInnen fahren die U-Bahn nicht ganz allein. Da sind immer das Stellwerk mit seiner Zugbeeinflussung und die Zuglenkung involviert. Über die Zugnummer werden schon vorab die einzelnen Fahrstraßen für jeden Zug eingestellt, damit zum Beispiel ein U1-Zug von Leopoldau bis Oberlaa unterwegs sein kann. Dies entlastet die StellwerkswärterInnen, die sonst die Fahrstraßen manuell einstellen müssten. Den FahrerInnen werden auch die zulässige Geschwindigkeit und die Haltepunkte übermittelt. Hier merkt man schon, so ein Stellwerk ist ganz schön wichtig. Ohne diese Technik geht es einfach nicht. Ist zum Beispiel ein Streckenabschnitt wegen eines Rettungseinsatzes nicht befahrbar und werden die Züge eingleisig in diesem Bereich geführt, müssen der Stellwerkswärter und das Stellwerk blitzschnell reagieren. Nur so können die Züge von einem Gleis aufs andere wechseln und danach wieder zurück auf die "Stammstrecke". Natürlich muss dann der Zug aus der Gegenrichtung warten, bis das eine Gleis wieder befahrbar ist.

Im Wiener U-Bahn-Netz gibt es zwei Arten von Stellwerken: Relais- und elektronische Stellwerke. Relais-Stellwerke sind älter und schon seit den Anfängen der Wiener U-Bahn in den 70er-Jahren in Betrieb. Hier werden die Informationen noch analog verarbeitet. Elektronische Stellwerke sind moderner und verarbeiten die notwendigen Daten digital. Sie lösen nach und nach die älteren Relais-Stellwerke ab. So werden beispielsweise bei der U4-Modernisierung alle älteren Stellwerke entlang der Linie erneuert und auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Da die Umstellung eines einzigen Stellwerks bis zu eineinhalb Jahre dauert, werden die Arbeiten im laufenden Betrieb durchgeführt. Während des Einbaus des neuen Systems muss das bisherige Stellwerk natürlich weiterlaufen. Tag für Tag, Nacht für Nacht. Die Modernisierung der Stellwerkstechnik in den kommenden Jahren macht die U4 fit für die Zukunft.

Elektronisches Stellwerk in der U2-Station Volkstheater

Stellwerkstörung – was passiert da eigentlich?

Stellwerkstörung bedeutet im Großen und Ganzen, dass dem Zug kein gesicherter Fahrweg zur Verfügung steht. Wenn der Zug keine genaue Information vom Stellwerk bekommt oder umgekehrt, dann stoppt aus Sicherheitsgründen der Betrieb und wir fahren nicht mehr weiter. Hier agieren wir ganz klar nach dem Motto "safety first". Sicherheit geht vor, denn wenn der Zug keine oder nicht die richtigen Informationen für eine sichere Fahrt bekommt, dann fahren wir in diesem Bereich nicht mehr, bis die Störung behoben ist. Oder wir fahren, soweit es möglich ist, mit reduzierter Geschwindigkeit und auf Sicht. Das kann viele Ursachen haben: eine Klemmverbindung eines Kabels irgendwo im Netz ist locker geworden und kann keine Daten mehr übermitteln, oder ein Relais-Kontakt muss zum Beispiel gereinigt werden. Es kann aber genauso eine unachtsam weggeworfene Getränkeverpackung eine Weiche blockieren.

Wenn wir Stellwerke umbauen oder erneuern, kann es leider auch zu Problemen kommen. Manchmal vertragen sich das alte und das neue System nicht auf Anhieb. Nehmen wir einen einfachen Vergleich zur Hilfe: Wenn wir versuchen, die Daten eines 20 Jahre alten Handys auf ein neues Smartphone zu übertragen, kann es auch zu Schwierigkeiten kommen. Ein Text wird eventuell nicht richtig angezeigt oder der letzte Schnappschuss kann nicht mehr geöffnet werden.

Wir arbeiten immer daran, Störungen so schnell wie möglich zu beheben, aber auch daran, Verzögerungen zu vermeiden. Das reicht von der zusätzlichen Reinigung über regelmäßige Überprüfungen der Klemmverbindungen bis hin zur flächendeckenden Modernisierung aller Anlagen.

Spätestens jetzt wird klar, warum unsere Stellwerke für unseren U-Bahn-Betrieb so wichtig sind und dass ohne diese Technik einfach nichts geht!

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