Warum wir 5 Mio. Euro in WC-Anlagen investieren

Warum wir 5 Mio. Euro in WC-Anlagen investieren

Wer muss, der muss – und dann muss es oft schnell gehen. In den Wiener U-Bahn-Stationen wurden allerdings viele der stillen Orte seit längerem nicht mehr im Sinne der Erfinder genutzt. Verunreinigte, defekte und in Folge versperrte WC-Anlagen haben zunehmend für Unmut gesorgt. Mit einem neuen Konzept und Investitionen von fünf Millionen Euro soll sich das nun ändern.

Wir haben uns viele Gedanken darüber gemacht, wie wir saubere und sichere WCs zur Verfügung stellen können, die von unseren Fahrgästen tatsächlich als solche genutzt werden können. Das Ergebnis ist eine Rundum-Erneuerung bestehender Anlagen. Auch der Betrieb wird künftig durch Spezialisten erfolgen. Denn die Wiener Linien sind zwar ExpertInnen für öffentlichen Verkehr, öffentliche WC-Anlagen zu betreuen und zu warten ist jedoch eine gänzlich andere Herausforderung.

Eine internationale Ausschreibung, die einen Betreiber für alle neuen WC-Anlagen vorgesehen hätte, musste wiederholt werden, da kein passendes Angebot dabei war. Im Frühjahr 2018 startete eine erneute internationale Ausschreibung ausschließlich für die betreuten Anlagen, aus der auch ein Bestbieter hervorgegangen ist. Gegen diese Entscheidung legte ein unterlegener Mitbewerber Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein. Mit Anfang Februar 2019 war schließlich klar, dass Bestbieter Sanifair den Zuschlag erhält. Damit geben wir den Betrieb der WC-Anlagen in kompetente Hände und schaffen für unsere Fahrgäste das bestmögliche Angebot. Wir wollen hochwertige, saubere und barrierefreie WCs. Um einen hohen einheitlichen Standard langfristig aufrechterhalten zu können, zahlen NutzerInnen ein Entgelt von 50 Cent, erhalten dafür aber einen 30 Cent Wert-Bon, der bei teilnehmenden Partnern und an Automaten eingelöst werden kann.

Ab 17. Juni starten am Stephansplatz die Umbauarbeiten der 1. WC-Anlage. Rund drei Monate wird es dauern, bis das "stille Örtchen" in neuem Glanz erstrahlt. Danach folgt die WC-Anlage am Praterstern. Während der Umbauarbeiten bitten wir unsere Fahrgäste, auf andere WC-Anlagen auszuweichen.

Öffentliche Erleichterung

Die Ausschreibung für die selbstreinigenden Anlagen startete im Februar 2019. Läuft alles nach Plan, könnte bereits im Sommer 2019 der Bestbieter präsentiert und die Umgestaltung der 25 modularen WC-Anlagen beginnen. Baulich stammen die Anlagen teilweise noch aus den 70er-Jahren. Einigen sieht man ihr Alter auch bereits an. Ziel ist deshalb ein einheitlicher Standard: wartungsfreundlich, ansprechend und aus diesem Jahrtausend.

Modern, sicher und sauber

Wir haben uns dazu aber bereits viele Gedanken gemacht, die wir in der Ausschreibung berücksichtigt haben.

Die neuen Aborte sollen mit spülrandlosen Tiefspülern ausgestattet werden. WC-ExpertInnen wissen, wovon wir sprechen – solche WCs sind einfacher und schneller zu reinigen und dadurch hygienischer als herkömmliche Modelle. Und Hygiene ist gerade am WC besonders wichtig, deshalb soll sich der Boden künftig regelmäßig selbst reinigen. Das freut die Nase. Aber auch fürs Auge sollte gesorgt sein: Die Wand über dem Waschbecken oder die Edelstahltür könnte dafür geschliffen und poliert werden und als Spiegel fungieren – vandalismussicher und ohne Verletzungsgefahr.

Nicht nur was den Spiegel betrifft, sollen diesbezüglich neue Maßstäbe gesetzt werden: Anstelle von Fliesen und Keramik sollen die WC-Anlagen mit vandalismussicheren Edelstahl-Elementen ausgestattet und Waschbecken und Handtrockner in die Wand integriert verbaut werden. Heruntergetretene Kloschüsseln und zerbrochene Waschbecken wären damit Geschichte. Alle Elemente sollen außerdem versteckt und diebstahlsicher verschraubt sein und auf waagrechte Flächen gänzlich verzichtet werden, damit auch den kreativsten ÜbeltäterInnen das Handwerk gelegt wird.

Großes Geld für kleines Geschäft

Die Investitionen variieren je nach Aufwand und Größe. Bei Standorten mit mehreren Kabinen und komplexeren Zu- und Abflüssen belaufen sie sich auf rund 400.000 Euro. Aber auch bei kleineren Anlagen kalkulieren wir mit bis zu 200.000 Euro je Standort. Insgesamt werden so über fünf Millionen Euro in moderne WC-Anlagen investiert. 

Bei der Entscheidung, welche Anlagen modernisiert werden, wurden neben der aktuellen Nutzungsfrequenz auch soziale Faktoren (Vandalismus, Zweckentfremdung), der Abstand zwischen den Anlagen (max. 3 Stationen zwischen 2 Anlagen) und die Entfernung zu anderen öffentlichen Toiletten in unmittelbarer Nähe berücksichtigt. Die Modernisierung erfolgt in zwei Schritten: In den nächsten Jahren werden zunächst die älteren WCs umgerüstet. Langfristig sollen alle WC-Anlagen einem einheitlichen, hohen Standard entsprechen.

Ich muss dann mal – wohin?

Nach Umsetzung des Konzepts wird es im Bereich des Wiener U-Bahn-Netzes rund 40 WC-Anlagen geben, Standorte der Wiener Linien, der ÖBB sowie der Stadt Wien in gemeinsam genutzten Passagen oder im unmittelbaren Nahbereich der Station. Solche Standorte werden künftig auch in das Leitsystem der U-Bahn-Station integriert. Bei den Standorten der Wiener Linien – 6 davon mit Wartungspersonal, alle mit 50-Cent-Sperre - wird jedenfalls auch ein barrierefreies WC vorhanden sein, das wie bisher mittels Eurokey geöffnet werden kann und gemäß den neuesten Standards mit einem Notruf ausgestattet sein wird. 

Nach Umsetzung des Konzepts wird es im Bereich des Wiener U-Bahn-Netzes rund 40 WC-Anlagen geben
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Kommentare (34)

  • Vielleicht können Sie überlegen, ob man zumindest das Händewaschen kostenlos lassen kann.
    Alternativ könnten Sie natürlich auch ab und zu die Haltestangen und -Schlaufen reinigen…

  • War zu erwarten, schließlich ist es auf Autobahnraststätten und vielen Bahnhöfen etc mittlerweile auch so. Ganz, ganz früher hat man die WCs einmal als vertragliche Nebenleistungspflicht verstanden (so wie großteils noch heute in der Gastronomie) … ich sehe wirklich nicht ein, warum ich zB mit kleinen Kindern bei einem typischen Stadtausflug mehrere Euro in öffentliche WCs stecken sollte.

    Persönlich bin ich schon aus Prinzip nicht bereit, für die Benutzung öffentlicher WCs zu bezahlen, aber ich kann es mir zwischen Büro und Wohnung ja einteilen. Sandler und Betrunkene, bitte meine Direktheit zu entschuldigen, werden Euch dann halt vor die Tür, aufs Gleis oder sonstwohin pinkeln.

    • Die Erfahrungen haben gezeigt, dass die missbräuchliche Nutzung und Vandalismus stark zurückgehen, wenn eine 50 Cent Sperre besteht. WC-Anlagen sind ein ergänzendes Angebot, das laufende Mehrkosten verursacht. Sie müssen nicht nur regelmäßig gewartet, sondern auch täglich mehrmals gereinigt werden. An zentralen Standorten mit hoher Frequenz braucht es auch eigenes Personal vor Ort, um einen hohen Standard an Sauberkeit sicherstellen zu können.

      • Es wird schon so sein, dass Vandalismus zurückgeht, aber die Auswirkungen auf die Sauberkeit im Bahnhofsbereich und insb. dessen nähere Umgebung sind idR weniger positiv.

        Besonders kundenfreundlich ist es jedenfalls nicht, aber nachdem die Wiener Linien ja keine Konkurrenz haben müssen sie das auch nicht sein. (WC-Anlagen als „ergänzendes Angebot“ ist eine interessante Aussage, bisher habe ich sie für einen normalen Teil der Infrastruktur gehalten. Wie wäre es mit einer Rolltreppenbenützungsgebühr? 50 Cent für den Aufzug? Es gibt noch viele derartige „ergänzende Angebote, die laufende Mehrkosten verursachen“.)

  • Wie kann jemand der aus gesundheitlichen Gründen gezwungen ist sehr häufig eine Toilette aufzusuchen dann eigentlich noch durch Wien kommen?

  • Gebühr: OK. Aber auch bargeldlos muss möglich sein! Und ev. Jahreskarte-Besitzer ausnehmen oder verbilligt (JK mit Bankomat-Funktion!)

  • Gebühr: OK. Aber auch bargeldlos muss möglich sein! Und ev. Jahreskarte-Besitzer ausnehmen oder verbilligt (JK mit Bankomat-Funktion!)

  • als jahrelanger Benützer der Wiener Linien und Jahreskartenbesitzer halte ich sowohl die Reduzierung der WC-Anlagen als auch die künftig geplante Gebühr für eine Gemeinheit – das soziale Gewissen geht den Wiener Linien offenbar verloren.

  • In vielen Grosstädten wie London gibt es in UBahn Stationen funktierende und vor allem saubere Toiletten bzw. Pissoirs. Man braucht auch keine Angst zu haben auf dem Arbeitsheimweg ein Pissoir aufzusuchen. Die derzeitigen Ubahn Toiletten sind genauso eine Fehlplanung wie die neuen U2 Stationen ohne Rolltreppe

  • Die WC-Anlagen haben vor 20 Jahren schon den Wr. Linien gehört, wurden dann zwischenzeitlich ausgelagert. Man hatte viele, viele Jahre Zeit ein Konzept zu erstellen.

  • Auf der – ich würde behaupten – Hauptader der U6 zwischen Westbahnhof und Spittelau wird es genau EINE Toilettenanlage geben?! Erschreckend!

  • Die WC Anlage bei U1 Rennbahnweg war seit 4 Jahren noch nie defekt, es wurden auch keine Delikte gemeldet, da die Polizeistation gleich daneben ist.
    Der einzige Kritikpunkt der letzten Jahre: Seit die Pissoirs auf Wasserlos umgestellt wurden, stinken diese bestialisch – ein genialer Einfall!?!

    Bis die Anlage wieder in Betrieb geht, müssen halt umstehende Sträucher und Autos herhalten

  • Unter Kaiser Franz Josef hat Otto Wagner in jede Station der Stadtbahn und Vorortelinie ein WC vorgesehen welche danach auch noch bis zur Amtsübername der Frau Sima funktioniert haben . So waren in der Ustrab auch WC vorhanden, welche alle von steuergeld errichtet wurden und auch beseitigt. Frau Sima hat diese von der MA48 an die Wiener Linien übertragen und seither ist das Chaos fertig.

    • Ja, ja, der gute alte Kaiser. Der ist doch senil und so wird er auch immer auf derr Bühne darsgestellt.
      Aber unsere Politiker, die sind gescheit, fortschrittlich, sozial, wach und – was sie dem alten Kaiser vor allem voraus haben – sie haben KULTUR….?

  • Leider wird mit dieser Umstellung aus den Behinderten-WC ein öffentlich WC gemacht.
    Somit wird es auch mehr Verunreinigungen geben, da mehr Menschen das WC benützen werden.
    Das heißt, jeder der 50 Cent einwirft darf ins Behinderten-WC.
    Dies finde ich nicht akzeptabel, da es für Behinderte sowieso zuwenige WC in Wien gibt.
    Jeder behinderte Mensch hat die Möglichkeit sich einen Euro-Schlüssel zu besorgen, damit er in ein Behinderten-WC hineinkommt.
    Menschen ohne Behindertung haben in den Behinderden-WC nicht verloren,
    auch wenn sie 50 Cent dafür bezahlen.

    • Hallo, es geht dabei um Nutzergruppen wie zum Beispiel Eltern mit Kinderwagen. Kaum jemand lässt den Kinderwagen gerne unbeaufsichtigt vor der Tür stehen, während er aufs Klo geht. Das Thema ist aber noch nicht endgültig entschieden. Wir schauen uns das genau an.

      • Warum müssen die Behinderten-WC für Eltern mit Kinderwagen zugänglich werden?
        Eine Wickelmöglichkeit kann man sicher auf den normalen Wcs auch ermöglicht werden, indem ein Wickeltisch aufgestellt wird.
        Und wo es kein Behinderten-WC gibt, muß eine Mutter mit Kinderwagen auch einen Weg oder Möglichkeit finden, das sie auf WC gehen kann.
        Wenn die Behinderten-WC in Zukunft mit 50 Cent für Eltern mit Kinderwagen zu öffnen sind,
        dann kann jeder rein… z.B.: fürs Umziehen von Kleidung oder für Schäferstünchen von Verliebten oder für Obdachlose zum Ausruhen oder Mütter mit ihren Kindern (keine Wickelkinder). Leider alles bei unversperrten Behinderten-WCs schon erlebt…..

        • Mit dem Argument „wo es kein Behinderten-WC gibt, muß eine Mutter mit Kinderwagen auch einen Weg oder Möglichkeit finden, das sie auf WC gehen kann.“ könnte man umgekehrt auch sagen: „wo es kein Behinderten-WC gibt, muß ein Behinderter auch einen Weg oder Möglichkeit finden, das er aufs WC gehen kann.“

          Ja eh – aber ich glaube dass die ursprünglich durchaus berechtigten Wünsche der Behindertenverbände zur Beseitigung von Benachteiligungen das Pendel in AT und Wien nunmehr in die andere Richtung ausschlagen lassen. Die (öffentlichen) Ressourcen sind begrenzt und es gibt neben den Behinderten auch andere bedürftige Gruppen (Alleinerziehenden Mütter, Pensionisten usw.) auf deren Rücken das zunehmende „Gold-Plating“ der Behinderten-Verbände ausgetragen wird. Es muss und kann nicht die ultimativ komfortable Lösung für die Behinderten frei von der Steuer finanziert geben – ohne alle anderen Gruppen und ihre Bedürfnisse zu benachteiligen. Ein gedeihliches Miteinander setzt auch voraus, dass man auch als Bedürftiger weiß, wann man Rücksicht auf andere Bedürftige nehmen muss.

  • Eine WC-Wärterin im WC nahe dem Aufgang zur Wiedner Hauptstraße in der U-Bahn-Station Karlsplatz sagte mir heute, ich dürfe zum Händewaschen den Seifenspender nur ein Mal niederdrücken. Ich hatte ihn drei Mal niedergedrückt, um genug Flüssigseife herauszubekommen. Dazu hätte ich bitte eine Frage: Wäre es nicht wegen der Hände-Hygiene sinnvoll, ein bis zu drei-maliges Niederdrücken des Seifenspenders zu erlauben? Wie viel Seife man braucht, hängt natürlich von der Größe der Hände und ab und wie stark deren Verschmutzung ist. Ich finde, wenn es notwendig ist, um die Hände wirklich sauber zu bekommen, und wenn beim ersten Niederdrücken nicht genug Flüssigseife herauskommt, sollte man den Seifenspender bis zu drei Mal niederdrücken dürfen.

  • 38 Jaher hat es funktioniert mit den WC in den U Bahnstationen. Warum muss man da 5 Mille ausgeben wenn man das auf die MA 48 wieder überträgt und alle WC welche vorgesehen waren wieder öffnet. Da will man nur wie bei dem KH Nord, Geld verschleudern da es auch anders geht.

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