Berliner U-Bahn-Züge der Linie U5

Pioniere – Metropolen und ihre U-Bahnen

Wien feiert im Jahre 2018 40 Jahre U-Bahn. Aber wie sieht es in anderen Städten dieser Welt aus? Welche Metropolen entdeckten schon früher den Untergrund?

Wien feiert im Jahre 2018 40 Jahre U-Bahn und startet erwartungsvoll den Bau seiner ersten vollautomatischen Linie, der U5. Kaum vorstellbar, dass die Wienerinnen und Wiener vor gerade einmal 40 Jahren – mit Ausnahme der Unterpflasterstraßenbahn (UStrab) - den Untergrund für sich entdeckt hatten. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Metropolen wie London über 100 Jahre vor Wien in den Genuss von unterirdischen Transportmitteln kam. Eine Reise in den Untergrund.

London: Die feine englische Art – Fahren mit der "Tube"

Die britische Hauptstadt London darf sich rühmen, als erste Stadt weltweit Personenverkehr mit der U-Bahn betrieben zu haben. Die erste Strecke von Paddington nach Farringdon ging am 10. Jänner 1863 in Betrieb. Später entstand eine weitere Strecke zwischen South Kensington und Westminster. 1884 war der sogenannte Inner Circle vollendet.

Die Victoria Station ist eine der Hauptbahnhöfe Londons und einer der zentralsten Knotenpunkte des Londoner U-Bahn-Netzes.
Die Victoria Station ist eine der Hauptbahnhöfe Londons und einer der zentralsten Knotenpunkte des Londoner U-Bahn-Netzes.

Innovationen über Innovationen

Bereits 1870 brillierte London mit einer weiteren Innovation, nämlich der ersten Röhrenbahn der Welt. Die Tube hatte ihre Stationen beim Tower von London und in Southwark. Der Tunnel verlief unter der Themse. Die Wagen wurden mit Kabeln gezogen und hatten zwei Dampfmaschinen als Antrieb. Mit einer Leistung von 4 PS erwies sich dieses System aber schnell als unbrauchbar. So wurde die Anlage bereits 1894 wieder stillgelegt.

Im November 1890 ging die erste elektrische U-Bahnstrecke zwischen Stockwell und King William Street in Betrieb. Sie ist heute Teil der Northern Line. Von 1901 bis 1908 wurden zahlreiche weitere Strecken in Betrieb genommen sowie alle bislang mit Dampf betriebenen Linien weitgehend elektrifiziert. Danach kehrte rund 60 Jahre Ruhe in den U-Bahnbau ein.

Während des zweiten Weltkriegs dienten einige U-Bahnstationen in London als Luftschutzbunker, andere als Flugabwehr-Kontrollzentren und eine als Sitzungsräumlichkeit für Premierminister Churchill und sein Kabinett.

Darauf kann man stolz sein

Die Londoner U-Bahn - genannt "Tube" - umfasst heute elf Linien mit 270 Stationen. Eine Streckenlänge von über 400 Kilometer macht London zur Stadt mit dem größten U-Bahn-Netz Europas. Mit der Central Line und der Jubilee Line hat London auch vollautomatische Linien. Jährlich fahren rund 1,4 Milliarden Fahrgäste mit der Tube durch die britische Metropole.

London eröffnete im Jahre 1863 die allererste U-Bahn der Welt.
London eröffnete im Jahre 1863 die allererste U-Bahn der Welt.

Moskau: Die schönste U-Bahn der Welt?

Jedem, der schon einmal in Moskau U-Bahn gefahren ist, werden die prunkvollen Stationen aufgefallen sein. Diese mit Kronleuchtern ausgestatteten und mit Marmor verkleideten Bauwerke gehen auf die 1930er zurück. Die damalige Sowjetführung wollte mit der „schönsten Metro der Welt“ ein Denkmal setzen.

Die Anfänge

Erste Pläne für den Bau einer U-Bahn gab es schon in den 1870er Jahren. Wegen Geldmangels und weil sich die Russisch-Orthodoxe Kirche weigerte, die heilige Erde unter den Kirchen ausheben zu lassen, sollte es aber noch dauern, bis eine U-Bahn das Stadtbild Moskaus prägte. 1930 betrug die Einwohnerzahl bereits drei Millionen Menschen und das Verkehrsaufkommen war nur mit Straßenbahnen nicht mehr zu bewältigen. Also wurde am 15. Juni 1931 der Baubeschluss einer U-Bahn in Moskau durch das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion gefasst.

Ein Leben für den U-Bahnbau

Die U-Bahn wurde zum Prestigeprojekt. Die Arbeiten gingen trotz des großen propagandistischen Einsatzes nur spärlich voran und die miserablen Arbeitsbedingungen führten im Frühjahr 1933 zu einem Streik, der mit dem Versprechen auf Lohnerhöhung besänftigt wurde. Für ein schnelleres Vorankommen wurden Tunnelvortriebsmaschinen aus England gekauft. So konnte am 15. Mai 1935 die erste sowjetische U-Bahnlinie eröffnet werden. Die neue U-Bahn war so ein Erfolg, dass das Projekt fortgesetzt wurde.

Kriegsbedingte Pause

Ähnlich wie in London, wurden die U-Bahnstationen während des zweiten Weltkrieges zu Luftschutzbunkern umfunktioniert. Erst nach Kriegsende ging der weitere Ausbau voran. Vor allem fokussierte man sich auf den Bau einer Ringstrecke ums Zentrum. Bis zum Zerfall der Sowjetunion im Jahre 1991 wurde stetig am U-Bahnnetz gearbeitet.

Mit den großen Kronleuchtern und den mit Marmor verkleideten Bauwerken hat Moskau wohl die prunkvollsten U-Bahn-Stationen der Welt.
Mit den großen Kronleuchtern und den mit Marmor verkleideten Bauwerken hat Moskau wohl die prunkvollsten U-Bahn-Stationen der Welt.

Beeindruckende Bilanz

Heute fährt die Moskauer Metro mit 13 Linien und insgesamt 206 Stationen auf einem Streckennetz von fast 350 Kilometern. Jährlich transportiert sie rund 2,4 Milliarden Menschen und ist damit eines der wichtigsten Verkehrsmittel in der russischen Hauptstadt. Beliebt ist die Moskauer U-Bahn sicherlich auch wegen der extrem kurzen Intervalle: in den Hauptverkehrszeiten fahren die meisten Züge in einem Abstand von 1,5 Minuten.

Földalatti – Budapest weit vor Wien

Nach London und Liverpool nahm Budapest im Jahre 1896 als dritte Stadt weltweit eine Metro, die Földalatti, in Betrieb. Die Planungen und der Bau der Budapester U-Bahn verliefen rasant, denn man wollte die Eröffnung der U-Bahn mit der 1000-Jahr-Feier der Staatsgründung Ungarns verbinden. So war die Milleniumslinie bereits zwei Jahre nach Beschluss im Netz unterwegs.

Gut Ding braucht Weile

Bis zu einem weiteren Netzausbau verging dann aber fast ein halbes Jahrhundert. Der Bau einer Ost-West-Linie, einer M2, begann 1950. Von den geplanten knapp acht Kilometern waren drei Jahre später erst drei Kilometer fertig. Aus wirtschaftlichen Gründen musste der Bau eingestellt werden und es konnte erst zehn Jahre später weitergearbeitet werden. Bei dieser Gelegenheit wurde der Streckenverlauf adaptiert. Die erste neue U-Bahnstrecke nach 1896 ging schließlich knapp 80 Jahre später, im April 1970, in Betrieb. Bei der Stationsgestaltung versuchte man sich am prunkvollen Stationsdesign Moskaus zu orientieren.

Um Randgebiete besser zu erschließen, wurden in den Folgejahren immer wieder abschnittsweise Erweiterungen im Streckennetz vorgenommen. Im März 2014 wurde der Bau einer vierten U-Bahnlinie abgeschlossen. Diese Linie M4 ist die erste vollautomatische U-Bahnlinie in Budapest.

Derzeit ist die Linie M2 die einzige, die als vollständig fertiggestellt gilt. Für alle anderen sind Planungen zur Erweiterung des Streckennetzes im Gange - momentan ist das nämlich nur rund 38 Kilometer lang und zählt knapp über 50 Stationen. Auch wird an den Bau einer zusätzlichen Linie M5 gedacht, um das U-Bahn-Netz für die über 460 Millionen Fahrgäste jährlich noch attraktiver zu machen.

Für fast alle U-Bahn-Linien in Budapest sind Planungen zur Erweiterung des Streckennetzes im Gange.
Für fast alle U-Bahn-Linien in Budapest sind Planungen zur Erweiterung des Streckennetzes im Gange.

New York: Die U-Bahn, die niemals schläft

Ganz anders als der Titel vermuten lässt, lief die Errichtung eines U-Bahnnetzes in New York eher langsam. Mit dem stetigen Bevölkerungswachstum der Metropole am Hudson River und dicht gedrängten EinwohnerInnen im Südteil Manhattans entfachten bereits früh die Diskussion um ein Schnellbahnnetz in New York. Doch trotz der Notwendigkeit standen jahrelange Zurückweisungen der Vorhaben dem Bau einer U-Bahn im Weg. Vorerst versuchte man das Verkehrsproblem durch die Errichtung von Hochbahnen zu lösen, die aus privater Initiative betrieben wurden. Auch Einzelpersonen versuchten sich an U-Bahnexperimenten, doch die Projekte scheiterten alle.

Der eigentliche Spatenstich für die New Yorker Subway erfolgte 1900. Der erste Streckenabschnitt verlief zwischen dem Rathaus im Süden Manhattans und der 145th Street im Norden des Bezirks und wurde 1904 eröffnet. In den Folgejahren wuchs das Streckennetz im gesamten Stadtgebiet stetig: der ehrgeizige Plan sah eine Erweiterung um über 400 Kilometer vor.

Zersplitterung der Kräfte

Problematisch für die Stadt war, dass die U-Bahnen nicht aus öffentlicher Hand, sondern von unterschiedlichen privaten Gesellschaften betrieben wurden. Erst 1968 vereinigten sich die Organisationen des öffentlichen Nahverkehrs zur Metropolitan Transportation Authority.

Um 1980 herum schlitterte die New Yorker Subway in eine Krise. Zunehmende Kriminalität in den U-Bahnen und veraltete Fahrzeuge führten dazu, dass die New Yorker die U-Bahnen eher gemieden haben. Erst umfangreiche Sanierungsarbeiten und die Einführung einer Bahnpolizei steigerten die Beliebtheit wieder.

Über fünf Milliarden Fahrgäste transportiert die U-Bahn in New York jährlich.
Über fünf Milliarden Fahrgäste transportiert die U-Bahn in New York jährlich.

Die teuerste U-Bahn der Welt

Aktuellstes Projekt der New Yorker Subway ist die Errichtung der Second Avenue Line. Sie ist bereits jetzt die teuerste U-Bahnlinie der Welt: pro Kilometer belaufen sich die Kosten auf etwa 2,1 Milliarden Euro. Bis 2029 soll sie in vier Bauabschnitten entstehen und das Streckennetz von derzeit 1355 Kilometern erweitern. Ein erster Teil wurde Anfang 2017 bereits feierlich eröffnet.

Eine Besonderheit des New Yorker U-Bahn-Systems ist die Unterscheidung zwischen Local und Express Trains. Während der Local Train bei allen Haltestellen einer Route stoppt, lässt der Express Train einige Stationen auf gleicher Route - aber separatem Gleis - aus und ist damit quasi ein Schnellzug innerhalb des U-Bahn-Netzes. Damit lassen sich dann auch die großen Distanzen in der Millionenmetropole rasch zurücklegen. Für die über fünf Milliarden Fahrgäste jährlich ein praktisches System.

Jute alte Berliner U-Bahn

Deutschlands Hauptstadt eröffnete ihre erste U-Bahn 1902. Sie fuhr von Berlin bis zur damaligen Nachbarstadt Charlottenburg und war in großen Teilen als Hochbahn ausgeführt. Danach ging es Schlag auf Schlag. Um Anbindungen an umliegende Gemeinden zu gewährleisten, wurden weitere Verbindungen geplant.

Es folgten schwierige Jahrzehnte: während des zweiten Weltkrieges wurden Teile des U-Bahnnetzes beschädigt, oder sogar komplett zerstört. Die Aufbauarbeiten gingen zwar schnell voran, doch durch den Bau der Berliner Mauer im Jahre 1961 stand man vor der nächsten Herausforderung der deutschen Metropole an der Spree.

Geteilte U-Bahn in geteilter Stadt

Berlins Teilung in eine Ost- und eine Westzone betraf auch den U-Bahnverkehr. So wurde beispielsweise die heutige Linie U2 ebenfalls in einen Ost- und einen Westteil getrennt. Linien, die zwischen Norden und Süden der Stadt verkehrten, fuhren ohne Halt durch die sogenannten Geisterbahnhöfe des Ostteils. Außer bewaffneten Grenzsoldaten und Transportpolizisten sah man dort niemanden.

Die Linie U2 wurde während der Teilung Berlins ebenfalls in einen Ost- und einen Westteil getrennt.
Die Linie U2 wurde während der Teilung Berlins ebenfalls in einen Ost- und einen Westteil getrennt.

Die Ausnahme bildete der Bahnhof Friedrichstraße. Er fungierte als Grenzübergang nach Ostberlin und Umsteigepunkt zu den Nord- und Südlinien. Direkt daneben entstand in dieser Zeit ein Grenzabfertigungsgebäude, das umgangssprachlich auch Tränenpalast genannt wurde, weil die DDR-BürgerInnen ihren Gästen aus dem Westen hier tränenreich Lebewohl sagen mussten.

In der Zeit des geteilten Berlins entstanden auch U-Bahnlinien, die zum Ziel hatten, die Grenzgebiete zu umgehen: die Linie U9 wurde als Nord-Süd-Verbindung unter Umfahrung des Ostens konzipiert. Mit dem Fall der Berliner Mauer 1989 wurden die Teilnetze der U-Bahn wieder verbunden und die Geisterbahnhöfe wieder in Betrieb genommen.

Aktuelles

Seither wurde das Streckennetz teilweise erweitert, um bessere Anschlüsse an andere öffentliche Verkehrsmittel zu schaffen. Momentan umfasst es rund 146 Kilometer. Derzeit laufen die Bauarbeiten zur Verbindung der U5 und der U55, auch als Kanzler-U-Bahn bekannt. Den Namen verdank die U-Bahn dem ehemaligen Kanzler Helmut Kohl, unter dessen Regentschaft der Bau dieser Linie fixiert wurde. In den vergangenen Jahren sind die Fahrgastzahlen der Berliner U-Bahn stetig gestiegen. Mittlerweile zählt sie über eine halbe Milliarde Fahrgäste jährlich.

Auch in Berlin zählt die U-Bahn zu den wichtigsten Verkehrsmitteln.
Auch in Berlin zählt die U-Bahn zu den wichtigsten Verkehrsmitteln.

Paris ist eine Reise wert - auch unterirdisch

Paris, die Stadt der Liebe. Wie sehr sich die Französinnen und Franzosen in ihre Metro verliebt haben, haben wir in einem eigenen Artikel zusammengefasst. 

Nach oben

Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

Tragen Sie Ihre Daten unten ein oder klicken Sie ein Icon um sich einzuloggen.

Unser nächster Artikel
Viele Betriebsgebäude werden heute anders genutzt als früher.

Was wurde aus ehemaligen Remisen und Bus-Garagen?

11 Mai 2017