Meilenstein: Dampftramway (1883 – 1922)

Am 27. Oktober 1883 konnte, nach einigen „Fehlschlägen“ in den Jahren zuvor, die erste Dampftramwaylinie, betrieben von der „Dampftramway Krauss & Comp“ (DTKC), ihren Betrieb aufnehmen.

Die erste Strecke war ca. 10,3 km lang, führte von Hietzing über Lainz, Mauer und Rodaun nach Perchtoldsdorf und wird in der Tramwaygeschichte „Südliche Linie“ genannt. Ungefähr ein halbes Jahr später wurde die „Gürtelstrecke“ – zwischen Mariahilfer Straße / Westbahnhof und Nußdorfer Straße (Länge: rund 4,7 km) sowie der abzweigenden Linie von der Sternwartestraße bis zur Gymnasiumstraße – von der „Neue Wiener Tramwaygesellschaft“ (NWT), in Betrieb genommen.

Mit Ende Februar 1885 kam eine weitere Dampftramwaystrecke hinzu: die „Breitenseer Strecke“, die ab dem Gürtel (Märzstrasse) über die Huglgasse und die Hütteldorfer Strasse bis Breitensee führte. Eine Verlängerung der Strecke bis Baumgarten, wurde noch im Juli desselben Jahres vorgenommen. Ab dem Zeitpunkt ging der Ausbau der Dampftramwaystrecken rasch voran:

Juli 1885: Eröffnung Strecke „Nußdorfer Strecke“, knapp 4,4 km lang, Währinger Gürtel (ab Sternwartestraße) – Heiligenstädter Straße – Liechtenwerder Platz – Nußdorf. Konzessionsinhaber war die „Kahlenbergbahn-Gesellschaft“.

Juni 1886: Eröffnung „Nördliche Linie“, mehr als 26 Kilometer lang, Stefaniebrücke (heute Salztorbrücke) – Obere Donaustrasse – Gaußplatz – Jägerstraße – Stromstraße – Marchfeldstraße – Kaiser-Franz-Joseph-Brücke (heute Floridsdorfer Brücke) – Floridsdorfer Hauptstraße – Floridsdorf – Am Spitz. Hier teilte sich die Strecke in:   Schloßhofer Straße – Donaufelder Straße – Kagraner Platz – Hirschstettener Straße – Aspernstraße – Aspern – Eßling  – Großenzersdorf. Über den zweiten Streckenast erreichte man über die Brünner Straße und Großjedlersdorf, Stammersdorf. Konzessionsinhaber war die „Dampftramway Krauss & Comp“.

September 1886: Neudorfer Strecke, ca. 13 km lang: Gaudenzdorfer Gürtel – Steinbauergasse – Aßmayergasse – Eichenstraße – Bahnhof Meidling – Inzersdorf – Neu Erlaa – Vösendorf-Siebenhirten – Krottenbach – Wiener Neudorf. Betrieben von der NWT.

Bereits im Jahr 1907 wurde die letzte private Dampftramwaygesellschaft von der Gemeinde Wien übernommen, kurz danach starteten schon die Elektrifizierungsarbeiten. Ein Jahr später, 1908, fuhr die elektrische Straßenbahn schon bis nach Lainz. Wer jedoch glaubt, dass das gesamte Netz im gleichen Tempo elektrifiziert wurde, der irrt gewaltig. Es dauerte noch weitere vierzehn Jahre, bis das gesamte Wiener Straßenbahn-Netz mit Strom statt mit Dampf betrieben wurde. Erst im Jänner 1922 war das Kapitel „Dampftramway in Wien“ abgeschlossen.

Ein Doppelstockwagen der Straßenbahn im Jahr 1913. Gebaut wurden sie in der Hauptwerkstätte der Wiener Linien.
Ein Doppelstockwagen der Straßenbahn im Jahr 1913. Gebaut wurden sie in der Hauptwerkstätte der Wiener Linien.

Doch die Umstellung von Dampf auf elektrische Triebwagen, war nicht die einzige Neuerung zwischen 1908 und 1922. Die Abmessungen der Straßenbahnwagen waren für die vielen Fahrgäste nicht mehr ausreichend, deswegen wurden Doppelstockwagen getestet, die, nach englischem Vorbild, in der Hauptwerkstätte der Wiener Linien gebaut wurden. Gravierende Änderungen im Betrieb brachte der Erste Weltkrieg. Da Fahrer und Schaffner zum Militär eingezogen wurden, übernahmen Frauen ihre Positionen. Zuerst nur den Beruf der Schaffnerin, ab 1916 waren sie auch als Fahrerinnen tätig.

Quelle: 100 Jahre Wiener Linien. Ein Jahrhundert für ein lebenswertes Wien.
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