Meilenstein: Pferdetramway (1865-1903)

Schon 1840 nahm die erste von Pferden gezogene Eisenbahn ihren Betrieb zwischen dem Rotenturmtor, den Kai entlang über den Mathildenplatz (seit 1919 Gaußplatz) in die Brigittenau auf.

Sie war von dem Besitzer eines in der Brigittenau befindlichen Vergnügungs-Etablissements namens „Kolosseum“ in der heutigen Zrinyigasse erbaut worden, um das Veranstaltungslokal leichter erreichbar zu machen. Die Schienen waren aus Holz. Täglich ab 14:00 Uhr im 15 Min. Intervall verkehrte die Pferdeeisenbahn. Am 29. Juni 1842 wird das Etablissement geschlossen und damit auch Wiens erste Pferdeeisenbahn eingestellt. Es dauert noch mehr als 20 Jahre, bis am 4.Oktober 1865 die erste öffentliche Pferdetramway von Schottentor nach Hernals in Betrieb genommen wurde.

Am 26. Juni 1903 fuhr die letzte Pferdetramway Wiens durch die Sechsschimmelgasse und die Liechtensteinstraße zum Liechtenwerder Platz. Nach der feierlichen Eröffnung der Wiener Ringstraße am 1.Mai 1865, begann am 4. Oktober 1865 mit der „Ersten privilegierten Kaiser-Franz-Joseph-Pferde-Eisenbahn“ der öffentliche Massenverkehr in Wien. 28 Wägen die von jeweils zwei Pferden, sogenannte „Zweispänner“ – aufgrund ihres Gewichts – gezogen wurden, waren auf dieser ersten privaten Pferdetramway unterwegs. Im April 1866 wurde die Hernalser Pferdetramwaylinie bis zum vorgesehenen Endpunkt in Dornbach verlängert.

Zweispänniger Pferdetramway-Sommerwagen der "Neuen Wiener Tramwaygesellschaft" am Währinger Gürtel vor dem Rothschildspital
Zweispänniger Pferdetramway-Sommerwagen der "Neuen Wiener Tramwaygesellschaft" am Währinger Gürtel vor dem Rothschildspital

1867 wurde die „Wiener Tramwaygesellschaft (WT)“ von mehreren Konzessionswerbern mit dem Ziel weitere Tramwaylinien in Betrieb zu nehmen, gegründet. Die Gesellschaft entwickelt sich sehr gut und zur Wiener Weltausstellung im Jahr 1873 waren schon insgesamt 554 Wägen auf 37 Streckenkilometer unterwegs. Die Gewinnorientierung der Gesellschaft führte allerdings zu hohen Fahrpreisen und Härten gegenüber den eigenen Bediensteten. So wurden sie beispielsweise für alle Schäden an den Wägen und Anlagen und Pferden mit Straftouren verantwortlich gemacht. Auch 15 bis 19 Stunden-Schichten waren durchaus üblich. Der Unmut des Personals schaukelte sich auf und mündete im April 1889 in einen acht-tägigen Streik, der mit Verbesserungen der Arbeitssituation positiv für das Personal ausging.

Die Opernkreuzung mit Pferdetramwaywagen um 1890
Die Opernkreuzung mit Pferdetramwaywagen um 1890

Die „Ruhe“ um die Tramwaygesellschaft hielt nicht lange an: 1871 kam es trotz erfolgreicher Expansion zu Zerwürfnissen in der Chefetage des Unternehmens, welche zu einer Abspaltung einiger Teilhaber führte, die sich mit der Gründung der „Neuen Wiener Tramwaygesellschaft (NWT)“ auf eigene Beine stellten, um ein Pferdebahnnetz zu errichten dass das bestehende Netz ergänzen, aber durchaus auch konkurrenzieren sollte. Ab 1896 begannen die Bemühungen in Richtung elektrische Straßenbahn: Mit der Inbetriebnahme der ersten „Elektrischen“ am 28. Jänner 1897, feierte diese ihren ersten Geburtstag. Diese Entwicklung führte sukzessive zur Einstellung der Pferdetramway.

Quelle: 100 Jahre Wiener Linien. Ein Jahrhundert für ein lebenswertes Wien.
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Kommentare (3)

  • Sehr interessant!
    Sind die Stationen dieser ersten Tramways Wiens auch bekannt? Wie war denn deren Verlauf?
    Vielen Dank und freundliche Grüße

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