Die Linie O am Wiener Hauptbahnhof.

No sleep till Praterstern: eine Fahrt mit der Linie O

Eine Fahrt mit der Straßenbahnlinie O zwischen Raxstraße/Rudolfshügelgasse und Praterstern dauert rund 30 Minuten. Wir haben die tollsten Sightseeing-Spots entlang der Strecke für euch ausfindig gemacht.

Wer in Wien auf die Straßenbahn „Null“ wartet, der wartet vergeblich – eine Linie mit dieser Bezeichnung gibt es nämlich nicht. Sehr wohl gibt es aber einen „O“, wie Otto, was bei TouristInnen und neu in Wien lebenden Menschen regelmäßig zu Verwirrung führt. Das ist verständlich, schließlich sind im Wiener Straßenbahnnetz eigentlich nur Linien mit Nummernbezeichnungen zu finden. Eine Ausnahme bilden die Linien O und D, die der einheitlichen Benennung der Straßenbahnlinien einen Strich durch die Rechnung machen. Heute wollen wir herausfinden, was dahintersteckt und was uns entlang der Linie O sonst noch erwartet. Dazu nehmen wir euch mit auf eine Reise zwischen den beiden Endhaltestellen Raxstraße/Rudolfshügelgasse und Praterstern.

Ab in den Süden

Zu Beginn unserer Fahrt befinden wir uns im 10. Bezirk, im Süden Wiens. Die Linie O hält in Fahrtrichtung Praterstern an insgesamt 19 Stationen – Zeit genug, um es sich bequem zu machen! Bevor wir aber in die Bim einsteigen, lohnt sich ein kurzer Fußweg zum bekannten Jean-Jaurès-Hof, der gleich in der Nähe der Haltestelle Raxstraße/Rudolfshügelgasse liegt. Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert haben sich große Massen an Arbeitern in Favoriten angesiedelt, die hier in der Wienerberger Ziegelfabrik gearbeitet oder am Bau der Südbahn beteiligt waren. Um Wohnmöglichkeiten zu schaffen, wurden im „Arbeiterbezirk“ große Siedlungen und Wohnhausanlagen gebaut wie der Jean-Jaurès-Hof. Heute ist Favoriten mit ungefähr 200.000 Einwohnern der bevölkerungsreichste Bezirk Wiens.

Mit der Linie O passieren wir wichtige Orte des 10. Bezirks, wie den Quellenplatz und den Columbusplatz. Letzterer ist nach dem berühmten Seefahrer Christoph Columbus benannt, der Columbushof (Hausnummer 6) erinnert ebenfalls an den Entdecker. Nur einen Katzensprung entfernt befindet sich der Wiener Hauptbahnhof, einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Stadt.

Die schöne Aussicht & das Frühstück im Grünen

Wir führen unsere Fahrt fort und halten wenige Minuten später an der Station Quartier Belvedere. An der Frage, ob man das Schluss-„e“ in Belvedere auslässt oder nicht, sind schon Freundschaften zerbrochen. Die Antwort darauf gibt die Durchsage in unserer Bim: Belvedere heißt „schöne Aussicht“ auf Italienisch, deshalb wir das „e“ ausgesprochen.
Die Haltestelle kann als Ausgangspunkt für einen kurzen Spaziergang zum berühmten Schloss Belvedere dienen. Die Sehenswürdigkeit zählt zu den schönsten barocken Bauwerken Europas und beherbergt eine bedeutende Kunstsammlung. Im Oberen Belvedere sind Gemälde von Gustav Klimt ausgestellt, zu sehen gibt es zum Beispiel das bekannte Werk „der Kuss“. Einen Besuch wert sind auf jeden Fall der Schlossgarten und der älteste Alpengarten Europas, der ebenfalls auf dem Areal des Belvedere liegt.
Ein Umstieg ist hier auf die Linie D möglich, die entlang des Schlossparks Richtung Innenstadt unterwegs ist. Welche Sightseeing-Schmankerl es auf der Route dieser Straßenbahn zu entdecken gibt, könnt ihr in diesem Blogbeitrag nachlesen. Das nächste Grün wartet bereits an der Haltestelle Fasangasse auf uns: der Schweizergarten.
Der Schweizergarten an der Station Fasangasse. (Foto: Gugerell [CC0])

Mit der Linie O auf Entdeckungsreise im dritten Bezirk

Inzwischen schlängelt sich der O-Wagen durch den dritten Bezirk, vorbei an den Haltestellen Kölblgasse und Rennweg. Steigt man am Rennweg aus und nimmt wenige Gehminuten in Kauf, kann man die Russisch-Orthodoxe Kathedrale zum heiligen Nikolaus mit ihren goldenen Zwiebeltürmen bewundern. Hier begegnet uns übrigens wieder Jean Jaurès: Die Kirche befindet sich an der Adresse Jaurèsgasse 2.

Die russisch-orthodoxe Kathedrale im dritten Bezirk. (Foto: Bwag [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)])

Die Ungargasse, deren Straßenverlauf die Linie O folgt, wird von einer Reihe von sehenswerten historischen Gebäuden gesäumt. Am besten nimmt man seine Erkundungstour hier zu Fuß auf und liest die verschiedenen Gedenk- und Hinweistafeln an den Häuserfassaden. Zu entdecken gibt es unter anderem die ehemaligen Wohnhäuser von Robert Musil (Hausnummer 17) und Johannes Brahms (Hausnummer 2). Musikalisch geht es auch in der Ungargasse 5 weiter, wo Ludwig van Beethoven seine 9. Symphonie vollendete, die als Europäische Hymne weltweit bekannt ist.

Die Linie O nimmt uns weiter mit durch den dritten Bezirk, vorbei an der Station Wien Mitte-Landstraße, von wo aus man einen Abstecher in den nahegelegenen Stadtpark machen kann. Zwischen Landstraße und Radetzkyplatz lassen wir den Charme des gemütlichen Wohnbezirks auf uns wirken. Vom Radetzkyplatz aus ist das berühmte Hundertwasserhaus nicht weit: Entweder man steigt in die Straßenbahnlinie 1 um und fährt eine Station weiter oder legt die kurze Strecke zu Fuß zurück. Die bunte Außenfassade des architektonischen Highlights lockt täglich viele Interessierte zur Ecke Löwengasse/Kegelgasse.

Das Hunderwasserhaus lockt mit seiner bunten Fassade viele BesucherInnen an.
Das Hunderwasserhaus lockt mit seiner bunten Fassade viele BesucherInnen an.
Das Hunderwasserhaus lockt mit seiner bunten Fassade viele BesucherInnen an.

Wurstelprater und Grüner Prater

Weiter geht es Richtung Praterstern. Wir überqueren den Donaukanal über die Franzensbrücke und sehen auch schon das Bahnhofsgebäude vor uns, hinter dem sich das Wiener Riesenrad erspähen lässt. Das Wahrzeichen Wiens wurde im Jahr 1897 eröffnet und lockt seit damals jedes Jahr tausende BesucherInnen in den Wurstelprater. Doch auch der angrenzende, weitläufige Prater ist nur einige Gehminuten von der Endhaltestelle entfernt und lädt zum Spazierengehen ein. Nach rund dreißig Minuten steigen wir am Praterstern aus, unsere Spazierfahrt mit dem O-Wagen ist damit zu Ende. Der Praterstern hat seinen Namen übrigens aufgrund der damals hier sternförmig zusammenlaufenden sieben Straßen. Noch nicht geklärt haben wir allerdings das Rätsel rund um die Bezeichnung der Bim: Warum heißt der O nun eigentlich O?

Geschichte auf Schienen: Liniensignalisierung

Hätte der O-Wagen einen Geburtstag, dann wäre es wohl der 9. April 1907: An diesem Tag wurde die Linie zum ersten Mal in Betrieb genommen. Die Geschichte der Wiener Straßenbahn beginnt aber schon viel früher und damit auch die Liniensignalisierung. Das Liniennetz wurde damals in Rund- und Radiallinien, die mit Zahlen bezeichnet wurden und in Durchgangslinien, die mit Buchstaben gekennzeichnet wurden, eingeteilt. Der ehemalige Linienverlauf der Linie O zeigt, dass es sich ursprünglich um eine Durchgangslinie gehandelt hat und sie deshalb mit einem Buchstaben versehen wurde. Obwohl der O heute nicht mehr als Durchgangslinie zählt, durfte er seinen Namen behalten. Die einzige wirkliche Durchgangslinie, die auch heute noch eine korrekte Bezeichnung trägt, ist die Linie D.
Das macht den O zu einer ganz besonderen Linie, die entlang ihrer Strecke viel Sehenswertes parat hält. Wir wünschen euch viel Spaß bei eurer nächsten Fahrt mit der Linie O – Es lohnt sich, die Augen offen zu halten!
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Kommentare (2)

  • Die Ungargasse 4, hier habe ich die ersten fünf Jahre in meiner Wahlheimatstadt gewo
    hnt und es war die beste Adresse. Leider war die Wohnung zu klein. Ich bin sicher, dass man das herrliche Haus hier in der Übersicht sieht, zumindest sieht es so aus.

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