Zweistöckige Busse waren charakteristisch für die 80er.

Zeitreise: Kinder der 80er-Jahre und ihre Öffis

„Wer sich an die 80er erinnern kann, hat sie nicht miterlebt“, meinte einst Rockstar Falco. Wir blicken zurück in die Zeit der Dauerwelle und der Schulterpölster. Soviel steht jedenfalls fest: Auch im Öffi-Netz liefen die Uhren damals noch anders – ab geht die Zeitreise.

Der Papst auf Wien-Besuch, Falcos Hit Amadeus auf Platz 1 der US-Hitparade. Dazu die Eröffnung der Donauinsel und Helmut Zilk wird Bürgermeister. Die Tüte mit drei Eissorten kostet zehn Schilling und die coolen Kids haben den ersten Commodore 64-Spielecomputer am Schreibtisch stehen. Das waren die 1980-Jahre. Und der öffentliche Verkehr in Wien? Das Grundnetz der U-Bahn wird fertiggestellt, die Jahreskarte eingeführt. Fahrgäste mühen sich über Stiegen in Busse und die Stadtbahn wird zur U6. Woran sich Kinder der 1980er-Jahre in Sachen Öffis in Wien noch erinnern.

Die Sommer in den 1980er-Jahren waren heiß. Nicht minder heiß als heutzutage. Klimaanlagen gab es aber in den Fahrzeugen gar nicht. Dafür jede Menge Stufen bei Bussen und Straßenbahnen, die das Einsteigen nicht nur für ältere Personen mühsam machten.

 

Busfahren mit Aussicht

Nur die Kinder hatten mit Stiegen ihre Hetz. Mit jenen hinauf in den 1. Stock des 13A, der damals und bis 1990 noch als Stockautobus unterwegs war. Der Blick hinaus aus dem großen Panoramafenster in Reihe 1 entschädigte für die Mühen des Aufstiegs. Die meisten anderen Fahrgäste drängten sich hingegen im unteren Bereich zusammen. Die steile Stiege hinauf wollte kaum jemand für zwei oder drei Stationen bewältigen. Zu groß war die Sorge, nicht rechtzeitig aussteigen zu können.

Bis 1990 fuhr der 13A als Doppeldecker durch die Straßen
Bis 1990 fuhr der 13A als Doppeldecker durch die Straßen

Die U2 fuhr seit 1980 vom Karlsplatz zum Schottenring. Nicht weiter. Nicht zum Praterstern, nicht zum Stadion. Schon gar nicht über die Donau. Was sollte man „dort drüben“ auch? Die Seestadt war bestenfalls ein Hirngespinst der Stadtplanung. Und für das heutige Donauspital begannen die Arbeiten erst Mitte der 80er-Jahre. Dafür hatte die U2 damals noch eine Station, an die sich heute viele gar nicht mehr erinnern. Die Station Lerchenfelder Straße wurde 2003 geschlossen. Zu knapp waren die Stationsabstände zum Volkstheater bzw. zum Rathaus.

Mit dem Kurzzug durch Wien

Die Umstellung auf lange Züge machte die Station, die früher Teil der unterirdischen Straßenbahnstrecke war, obsolet. Und was war vor den Langzügen? Richtig, Kürzzüge. In den 80ern verkehrten im ganzen U-Bahn-Netz noch Kurzzüge. U-Bahn-Garnituren mit nur zwei Doppeltriebwägen waren außerhalb der Stoßzeiten und am Abend unterwegs. Ein Doppeltriebwagen wurde für die schwächer frequentierten Zeiten einfach abgekuppelt. Schwarze Hinweistafeln markierten das Ende des Kurzzuges.

Kurzzüge wurden mit schwarzen Hinweistafeln markiert.
Kurzzüge wurden mit schwarzen Hinweistafeln markiert.

Erst mit steigendem Fahrgastaufkommen und dem Ausbau der U2 Richtung Stadion verschwanden die Kurzzüge relativ spät aus dem Netz. Dennoch sind sie schon fast in Vergessenheit geraten. Die schwarzen Tafeln mit dem Schriftzug „Kurzzug“ findet man aber mitunter heute noch in manchen Stationen. Kinder der 80er-Jahre wissen noch, was damit gemeint ist.

Wegbegleiter damals: Schwarzkappler und SchaffnerIn

Die 80er waren aber auch abenteuerliche Stadionbesuche im Prater. Als die Linie 21 und viele Sonderzüge vom Praterstern über die Ausstellungstraße und die Engerthstraße die Massen zum Stadion brachten. Nach dem Ende der Spiele sammelte sich dort, wo heute ein Einkaufszentrum steht, eine unüberschaubare Menschenmenge, um in eine der im Konvoi wartenden Straßenbahnen Richtung Praterstern einzusteigen.

Auch Wiener Originale wie SchaffnerIn oder Schwarzkappler kennen Kinder der 1980er-Jahre noch. Die schwarze Dienstkappe der BeamtInnen machte die KollegInnen nicht gerade unscheinbar. Der Begriff Schwarzkappler hat sich bis heute gehalten, auch wenn sich das Aussehen der KollegInnen doch „leicht“ verändert hat. Auch SchaffnerInnen waren in den 1980er-Jahren noch Wegbegleiter in Straßenbahnen. Sie verkauften und kontrollierten Fahrscheine, sagten Haltestellen an und schauten auf Ordnung im Fahrzeug. Wolfgang Ambros besang schon 1978 den Abschied vom Schaffner in seinem Lied „Schaffnerlos“. Tatsächlich endete die Ära der SchaffnerInnen in Wien 1996 auf der Linie 46.

Auch Schaffnerinnen sorgten in den 1980ern in Straßenbahnen für Recht und Ordnung
Auch Schaffnerinnen sorgten in den 1980ern in Straßenbahnen für Recht und Ordnung

Die U-Bahn wächst weiter

1989 wandelte sich die frühere Stadtbahn zur U6. Damals konnte man mit der braun gefärbten Linie noch bis Heiligenstadt fahren. Erst ab 1996 fuhr die U6 bis Floridsdorf. Der bisherige Abschnitt nach Heiligenstadt wurde eingestellt.

Apropos U-Bahn: Die 1980er standen auch ganz im Zeichen des Baus der U3. Vor allem die Arbeiten in der Mariahilfer Straße sorgten für Aufsehen. Sagen wir so: Die Straße lud damals nicht unbedingt zum Flanieren ein 😉

Was sind eure Erinnerungen an den öffentlichen Verkehr in Wien in den 1980er-Jahren? Lasst uns daran teilhaben.

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Kommentare (10)

  • Stimmt das, dass einmal ein Toter mit Messer im Rücken den ganzen Tag im 13A unbemerkt mitgefahren ist? Muss Anfang 80er passiert sein.

  • Ich hab aus den 80er nicht mehr alzuviel mitgekriegt, aber 1989 wo ich eingeschult wurde, daran kann ich mich noch wohl erinnern:
    ich wohnte damals im 3.Bezirk in Erdberg und mußte in den 6.Bezirk zur Hofmühlgasse, und das war ein sehr einprägendes Erlebniss. Warum? – Nun ich mußte in der Früh und aber auch Nachmittags mit dem 75A fahren und der war in dieser Zeit immer bis zum bersten gefüllt, vor allem Morgens. Das lag daran das so gut wie all die entlang der Strecke (Ludwig Koeßler Platz-Erdbergstraße-Kundmanngasse-Marxergasse-Bhf. Wien Mitte, sowie Retour über Landstraßer Hauptstraße bis Apostelgasse und über Apostelgasse und Erdbergstraße zurück) wohnten und irgendwie zu S-Bahn oder U-Bahn mussten mit diesen Bus fuhren.

    An was ich auch wohl noch erinnern kann und sehr einprägsam war, ist das ich auf der WLB (Badner Bahn) die sogenannten Kölner Triebwagen erleben durfte. Vorallem wenn ich Großmutter besuchte und am Matzleinsdorfer Platz in der UStrab stand und man diesen Triebwagen mit seinen sehr markanten und lauten Fahrgeräusch, welches am ungedämmten Tatzlagermotor lag, schon weiten hörbar war.

    Was wohl auch noch immer für mich eine Erinnerung ist, war das ich noch die Stadtbahlinie G, bzw. GD (heute U6) am Gürtel erlebte.

    Ach ja es war halt eine andere Zeit…
    … und einiges davon (aus den 80er, aber auch aus den 90er) vermisse ich (z.B. die Linie 75A oder den Schaffner auf den Fahzeugen) anderes hat sich wohl auch Verbessert (z.B. der Wandel der Hochflur zu den Niederflurfahrzeugen).

  • das man die Linie 18 nicht mehr in die Fruéhtstraße fahren lassen darf finde ich traurig hätte man beibehalten können … Jetzt fahren nur noch Wahnsinnige in der Straße herum ohne zu schauen

  • Eigentlich eine Schande, das die Wiener Linien im Stadtverkehr keine Stockbusse (Doppeldecker) einsetzen,
    für eine Hauptstadt genau das richtige! Die Wiener Stockbusse von BÜSSING (ab 1959) später MAN mit Gräf & Stift Aufbauten (ab 1976) waren ihrer Zeit weit voraus (Fahrgastfluß/3 breite Türen zwecks schnellen Fahrgastwechsel/LPG-Gas statt Dieselbetrieb, usw.). In der Deutschen Hauptstadt beschafften die Berliner Verkehrsbetriebe erst ab 1995/96 Stockbusse mit 3 Türen, usw. Der besondere Vorteil des Doppeldeckerbus ist seine gute Aussicht von einen Sitzplatz im Oberdeck. Während in der Tram und den Gelenkbussen 2/3 Stehplätze angeboten werden, ist dies beim Doppeldecker umgekehrt, hier findet der Fahrgast 2/3 Sitzplätze. Fahrzeuge wie Tram und Gelenkbus mit ihren vielen Stehplätzen treibt den Fahrgast in den Individualverkehr – da selbst auf dem Velo/Fahrrad – jeder einen Sitzplatz vorfindet.
    Die Fahrten im Oberdeck der MAN-Doppeldeckerbusse wurden nach meiner Erinnerung nicht nur auf der über Wien hinaus bekannten Linie 13A, sondern auch auf 14A, 15A, 34A, 35A, 48A, 59A bzw. 61A, 66A, 67A und im Schienenersatzverkehr, eingesetzt. Ich selbst habe immer gerne Umwege im Kauf genommen, wenn ich durch Wien fuhr, um eine der obigen Doppeldeckerlinie nutzen zu können.
    Es war einfach eine herrliche Zeit, die Fahrten im Oberdeck, ohne die Hektik und das teilweise Gedränge im Unterdeck. Die Wiener Linien sollten unbedingt zu den Stockbusse mit ihrer geringen Beanspruchung an der Straßenfläche (siehe an Haltestelle, Betriebshöfe und an Kreuzungen) zurück finden. Wieder den anderen Verkehrsbetrieben um Jahre voraus, dieses mal mit umweltfreundlichen Antrieben wie Brennstoffzelle-Hybrid und/oder Elektrik. Als Erfreulich zu bezeichnen ist der stätige Ausbau der schnellen U-Bahn, quasi seit den 80-Jahre…. Weiter so „Wiener Linien“ und nicht vergessen den Stockbus (3.Generation)! So würde ich wieder gerne in Vienna wohnen wollen.

  • Nein, die Wiener Linien haben schon recht: Die Station Lerchenfelder Straße gab es auch auf der U2 noch. Sie wurde erst im Herbst 2003 aufgelassen.

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