U6 Zug in der Waschstraße

Mit der U6 im Tröpferlbad

Auch U-Bahnen müssen sauber bleiben und weil das von Hand ziemlich mühsam wäre, gibt es im Bahnhof Michelbeuern die längste Waschstraße Wiens. Für das volle Programm braucht sie nur 23 Minuten. Und das ist gut so. Die Züge müssen nämlich wieder raus.

Draußen vor der Tür zischen die Autos über den Gürtel, drinnen rollt ein 36.000-Kilo-Zug langsam in Position. KLACK! Michael Dörr steht vor einem Touchscreen im letzten Eck der langen, schmalen Halle, vor ihm eine 120 Meter lange U6, Zug 2711. Sie sieht ziemlich staubig aus, mitteldreckig, nennt er das, was er sieht. Aber der normale Waschgang sollte dafür reichen.
Dörr ist Leiter der Maschinentechnik bei den Wiener Linien und wenn er über die Anlage spricht, macht er das mit großer Begeisterung. „Pro Waschgang braucht die Waschstraße circa 3.000 Liter, 95 Prozent davon werden aber wieder aufbereitet“, sagt er. Das laute Klacken, das vorhin durch die Waschstraße hallte, sei der Ton, den es macht, wenn der Strom von der Oberleitung genommen wird. Waschen bei 600 Volt wäre nämlich keine so gute Idee.
Michael Dörr am Touchscreen der Waschanlage.
Michael Dörr am Touchscreen der Waschanlage

Die Ampeln haben auf Grün geschaltet. „Fahrzeug positioniert“, steht auf dem Bildschirm und dann geht es los: Langsam beginnen sich die Bürsten zu drehen, Wasser spritzt aus kleinen Düsen, wobei es weniger Spritzen und mehr feines Nieseln ist. Zwei Portale fahren dann, ähnlich wie bei Autos, die ganze Länge des Zuges ab.

U6 Zug in der Waschstraße
Mit einem feinen Nieseln und dicken Reinigungsbürsten wird die Garnitur aufgehübscht

Eine kleine Wissenschaft

„Insgesamt sind es drei Spülgänge“, sagt Dörr, während das vordere Portal schon bei der Hälfte angekommen ist. Einen Zug zu waschen, das merkt man, wenn man ihm zuhört, ist eine kleine Wissenschaft: Er verwendet Wörter wie sauer, alkalisch, schwärmt von der eigenen Bioturbogasanlage und von Osmosewasser. Letzteres ist nichts anderes als sehr reines Wasser, aus dem Salze und Minerale gefiltert wurden. Das trocknet komplett rückstandslos und man spart sich das Gebläse. Etwa alle drei Wochen kommt jede Garnitur zum Waschen. Meistens nachts, wenn die Züge nicht gebraucht werden. Bei Wäschen zwischendurch, so wie heute, muss es schnell gehen. So gut wie immer, sagt Dörr, wird der Zug gleich wieder gebraucht.
Kurz vor Schluss wird es ein bisschen lauter, die obere Bürste schaltet sich wieder dazu, fährt abwärts über die Windschutzscheibe. Das Wasser tropft langsam nach unten, die Gänge neben der Bahn sind trocken geblieben. Wie das geht? „Unter der Waschanlage wird das Wasser in Becken gesammelt und fließt langsam ab“, erklärt der Experte. 23 Minuten und acht Sekunden stehen auf dem Touchscreen.

Der Waschgang ist beendet. Dann macht es wieder ein lautes KLACK! Der Strom ist wieder drauf, die Ampel rot, die Bahn sauber. Und gleich wieder zurück auf die Strecke.

Waschstraße Michelbeuern
95 Prozent des Wassers von einem Waschgang wird aufbereitet und wieder verwendet

Und so wird innen geputzt

Wenn es dunkel wird und die Fahrzeuge in den Garagen und Bahnhöfen einfahren, beginnt die Innenreinigung. Sitzplätze, Haltegriffe, Knöpfe und Türtaster werden nass abgewischt, Schmierereien so gut es geht sofort entfernt. „Neben der Tagesroutine werden einmal wöchentlich auch Fußböden und Fenster geputzt, im Sechs- bis Acht-Wochen-Rhythmus das ganze Fahrzeug komplett runter gewaschen“, erklärt Jennifer Pichler, Reinigungsbeauftragte der Fahrzeuge bei den Wiener Linien. Seit der Corona-Krise desinfiziert ein Team punktuell auch untertags. „Das macht in einer Situation wie jetzt Sinn und vermittelt unseren Gästen Sicherheit.“

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Text: Christoph Wagner
Fotos: Niko Havranek
Dieser Artikel erschien im STADTleben 02/2020.
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