Öffis nützen klima schützen

Fridays for Future erklärt: Darum sind die Öffis so wichtig für den Klimaschutz

Marie Themel (17) und Leo Zirwes (19) erklären, warum der öffentliche Verkehr für die Stadt Wien und fürs Klima so wichtig sind.

Öffis nützen – Klima schützen!

Da prangt er, der Satz, der uns alle seit dem ersten weltweiten Klimastreik am 15. März 2019 begleitet. Der Tag, an dem sich rund 25.000 junge und alte Menschen versammelten, um für Klimagerechtigkeit zu kämpfen und man in ganz Wien bunte Demoschilder bewundern konnte. Dieser Spruch, der sich nun bei jedem weltweiten Klimastreik alle paar Monate auf den Anzeigetafeln der Wiener Linien finden lässt, ist seit diesem Tag wohl auch vielen Menschen zum Motto geworden.
In die Arbeit fährt man jetzt mit dem Bus statt mit dem SUV, das Fahrrad ersetzt inzwischen die gelegentliche Taxifahrt. Aber bedeutet Öffis nützen auch immer gleich Klima schützen? 

Wir – Marie und Leo von Fridays For Future Wien – haben uns einmal genauer mit dem Thema auseinandergesetzt und tragen hier die wichtigsten Infos für euch zusammen.

Letzter Halt: 1,5 °C

Die Zusammenhänge zwischen Treibhausgasen und den weltweit steigenden Temperaturen sind schon wesentlich länger bekannt, als es uns beide gibt. Allerdings wurde dieser Erkenntnis nie viel Bedeutung beigemessen. Erst seit die Folgen der Klimakrise akut spürbar sind, kommt das Thema vermehrt auf. Trotzdem gibt es leider immer noch genug Menschen, die die Klimakrise leugnen. Besonders verheerend ist dabei, dass es häufig Politiker*innen und andere Personen in Machtpositionen sind, die ihre Augen vor den eindeutigen Erkenntnissen der Wissenschaft verschließen. 

Die Augen bewusst vor der Klimakrise zu verschließen ändert nichts an der Tatsache, dass sie real ist und verhindert, dass sich die Lage verbessert.

Klimawandel ist keine Meinung, sondern ein Fakt. – Greta Thunberg

Lange ging die Ignoranz so weit, dass man sich international gar nicht darauf einigen konnte, wer denn was tun solle. Seit Ende 2015 ist das anders. Mit dem Pariser Klimaabkommen einigte sich die Weltgemeinschaft darauf, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 °C zu limitieren. Mit dieser Grenze ließen sich die schwerwiegendsten Auswirkungen der Klimakrise gerade noch aufhalten.

Schon heute kommt es zu deutlich spürbaren Folgen. Wie schwer diese in Zukunft ausfallen und welche Lösungen wir für sie finden, liegt an uns und daran, wie wir in den nächsten Jahren handeln – sowohl auf politischer als auch auf privater Ebene.

Fridays for Future Vienna hatte im September 2019 eine Klimabim 💚 Denn: Jede Öffi-Fahrt spart CO2 und leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. In diesen Ulf passen übrigens bis zu 213 KlimaschützerInnen gleichzeitig.

Verkehr in der Stadt

Wien ist eine Stadt der Zu-Fuß-Geher*innen, eine Stadt der Mit-den-Öffis-Fahrer*innen. Trotzdem gehören 65 Prozent der Flächen der Stadt in Form von Straßen oder Parkplätzen dem Auto. Dieses Ungleichgewicht kommt noch stärker zur Geltung, wenn man bedenkt, dass ein privates Auto etwa 98 Prozent seiner Lebensdauer stillsteht. Und wenn es in Bewegung ist, befinden sich in seinem Inneren durchschnittlich nur 1,15 Personen.

Autos werden im städtischen Raum kaum gebraucht, weil für die Mehrzahl der zurückgelegten Wege andere Transportmittel zur Verfügung stehen. Diese sind meistens auch billiger und schneller als Autos.

In der Vergangenheit war man der Meinung, das schnellere Vorankommen mit Autos in der Stadt durch den Bau sehr breiter Straßenzüge erzielen zu können, und man hat dies auch als Lösung für ein sich anbahnendes innerstädtisches Verkehrschaos angesehen.

U-Bahn vs Autos
In Autos umgerechnet wären für eine U-Bahn 416 Autos nötig.

Die Folgen dieses Irrglaubens erlebt man heute tagtäglich: trotz vieler Straßen, Fahrbahnen und -spuren kommt es regelmäßig und allerorts zu Stau und Verzögerungen. Daran würde auch der Einsatz von E-Autos nichts ändern. Eine Antwort auf die Fragen der zukünftigen Verkehrsplanung kann das also nicht wirklich sein.

Was wir brauchen, ist eine nachhaltige Lösung für das Verkehrsproblem, denn rund 42 Prozent der Wiener CO2-Emissionen entstehen im Verkehrssektor. Ein erster Ansatz, der  hilft, diese Emissionen zu verringern, liegt im privaten Handeln von uns allen: in der Wahl des Transportmittels. Indem man sich für ein öffentliches Verkehrsmittel und gegen das Auto entscheidet, spart man sowohl CO2 als auch Platz ein. Grundsätzlich gilt bei der Fortbewegung in Städten nämlich, dass mehr Verkehr nicht gleich mehr Mobilität bedeutet. Wenn möglich, sollte man jenes Verkehrsmittel nutzen, welches die meisten Fahrgäste transportieren kann. Zum einen wird so das Verkehrsnetz entlastet, zum anderen wird zusätzlich der pro-Kopf-Anteil am CO2-Ausstoß minimiert.

Auch für die in der Stadt ansässige Wirtschaft hat das Fahren mit Öffis Vorteile. Wer mit den Öffis unterwegs ist, entdeckt viel eher auf dem Weg ein Produkt, das er*sie dann kauft. Gerade jetzt schadet es nicht, wenn die heimischen Geschäfte so ein wenig unterstützt werden. Von politischer Seite wäre es hier sinnvoll, Einkaufsstraßen besser öffentlich erreichbar zu machen – oder sie bestenfalls gleich zu einer Begegnungs- oder Fußgänger*innenzone auszubauen. In Wien sind die Kärntner Straße und die Mariahilfer Straße zwei äußerst gut gelungene Beispiele dafür.

Der 13A erreicht eine Zuverlässigkeit von 98,78 Prozent.

Heute die Weichen für Morgen stellen

Der Aspekt des Verkehrs sollte in der Diskussion um die Klimakrise immer mit in Betracht gezogen werden. Wien ist hier im internationalen Vergleich gut dabei und hat vielfältige Ansätze, um das öffentliche Verkehrswesen voranzutreiben. Es wird zukünftig allerdings noch deutlich mehr Engagement in diesem Bereich brauchen. 

Eine Stadt, die an die Lebensqualität ihrer Bürger*innen denkt, kommt an der verstärkten Nutzung und am massiven Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel nicht vorbei. Sie sind das Um und Auf, wenn es um die klimagerechte Veränderung des urbanen Raumes geht. Für die dabei frei werdenden Flächen ergeben sich vielfältige Nutzungsmöglichkeiten, wie weltweit zahlreiche Musterprojekte zeigen. 

So könnten die Straßen der Zukunft aussehen.

Was kannst DU tun?

Wenn du – so wie wir – in Zukunft lieber in einem Wien mit mehr Parks und weniger mehrspurigen Straßen, mit Begegnungszonen statt Parkplätzen und generell in einer grüneren Umgebung leben willst, dann gibt es einige Dinge, die du tun kannst, um diesen Wunsch Realität werden zu lassen!
Wenn du das Auto künftig häufiger stehen lassen willst, dann eröffnen sich dir zwei Alternativen: Zum einen kannst du dich auf den Fahrradsattel schwingen und so dank der gut ausgebauten Radwege in Wien an dein Ziel gelangen. Du leistest damit nicht nur einen aktiven Beitrag für den Klimaschutz, sondern hältst dich zusätzlich fit. Zum anderen stehen – wie schon erwähnt – zu jeder Tages- und Nachtzeit die Öffis bereit.
Wenn du das Klima darüber hinaus schützen willst, kannst du – sobald dies wieder möglich ist – an einer der vielen Fridays For Future Demos teilnehmen. Demonstrationen sind eine gute Möglichkeit, das Handeln auf privater Ebene auszuweiten und sich auch auf politischer Ebene für Klimaschutz stark zu machen.

Einfach einsteigen und im Jahr bis zu 1.5 Tonnen CO2 sparen.

Wir alle müssen handeln

Die Verantwortung für einen Wandel im Verkehrswesen wird gern auf die Bürger*innen abgeschoben. Das ist zum Teil auch richtig so. Doch es geht nicht darum, dass du die neue Greta Thunberg wirst, sondern dass du und viele andere dasselbe Ziel, nämlich die 1,5°-Grenze anpeilen. Statt einzelne klimaschädliche Handlungen zu tabuisieren, muss es darum gehen, praktikable Alternativen zu schaffen.

Fakt ist: Winter werden immer wärmer in Wien.

Es muss politische Weichenstellungen geben, die den Umstieg auf ein nachhaltigeres Leben erleichtern und attraktiver machen. Derzeit wirken diese Weichen eher eingerostet und ungeölt. 

Bessert man hier nach, wird es in Zukunft nicht nur mehr Abnehmer auf den Straßenbahndächern, sondern sicher auch an den Ticketschaltern geben.

Gemeinsam in eine nachhaltige Zukunft.

Über die AutorInnen

Marie Themel ist 17 Jahre alt und Schülerin der achten Klasse. Sie ist seit März 2020 bei Fridays For Future Wien aktiv und interessiert sich besonders für die Finanzierung von nachhaltigen Projekten. 
Leo Zirwes ist 19 Jahre alt und engagiert sich seit April 2019 bei Fridays For Future Wien. Er studiert Rechtswissenschaften. Besonders interessiert er sich für Außenkommunikation und Pressearbeit.


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