Die neue Bim für Wien ist modern und trotzdem im bekannten lieb gewonnenen Wiener Straßenbahn-Design gehalten

Flexity – Die neue Bim für Wien

Ende 2018 ist es soweit: Dann rollt die erste Flexity-Straßenbahn, das neue Wiener Bim-Modell, durch die Stadt. Robert Gradwohl, unser Projektleiter für den Flexity, erzählt uns mehr zur neuen Bim.

Seit über 20 Jahren wächst die Zahl an Niederflurstraßenbahnen in Wien stetig. Der Flexity ist zu 100% barrierefrei und setzt diesen Weg fort, indem er in den nächsten Jahren sukzessive die letzten Hochflurmodelle  in unserem Netz, immerhin das sechtgrößte Straßenbahnnetz der Welt, ersetzt. Bis zu 156 Flexity-Straßenbahnen, aber jedenfalls 119, werden in den nächsten Jahren produziert. Ab Ende 2018 wird das erste Niederflurfahrzeug des Modells Flexity mit Fahrgästen durch Wien fahren. 

So sieht die neue Straßenbahn für Wien aus

Trotz ihres modernen Designs fügt sich die neue Bim sehr gut in das traditionelle und lieb gewonnene rot-weiße Wiener Straßenbahn-Design ein. Der Flexity Wien wurde für uns maßgeschneidert und wird auch im Bombardier-Werk Wien Donaustadt gebaut. Der Flexity erfreut sich auch weltweit großer Beliebtheit. So rollen die Bims durch Metropolen wie Berlin, Brüssel, Marseille, Toronto oder Gold Coast in Australien.

Der Flexity bietet sehr viel Platz und damit natürlich auch Komfort

 

Projektleiter im Interview

Wir haben unseren Projektleiter für den Flexity, Robert Gradwohl, ein paar Fragen rund um die neue Bim für Wien gestellt. Er ist seit Beginn der Ausschreibung für die Beschaffung, die technische Ausstattung und das Design der neuen Straßenbahnen verantwortlich.

Robert Gradwohl, Projektleiter für den Flexity, im Interview

Wann können auch Fahrgäste den ersten Flexity nutzen?

Ein wenig müssen sich unsere Fahrgäste noch gedulden. Kurz vor Jahresende 2017 wurde die erste Flexity-Bim geliefert und diese muss natürlich auf Herz und Nieren getestet werden. Dann wird man den Flexity manchmal auch in freier Wildbahn sehen können, aber noch ohne Fahrgäste. Es gibt jede Menge Testfahrten im Netz, jede Steigung, jede Kurve muss er schließlich bewältigen können. Außerdem müssen die Technik geprüft und Detaileinstellungen im Betrieb getestet werden. Auch unsere FahrerInnen und MitarbeiterInnen der Werkstätten lernen den neuen Flexity noch intensiv kennen. Nach einer abschließenden Betriebsbewilligung rollt der erste Zug voraussichtlich Ende 2018 mit Fahrgästen durch Wien.

Erste Testfahrten des Flexity

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Was ist neu am Flexity?

Der Flexity bietet sehr viel Platz und damit natürlich auch Komfort. So haben wir jetzt z.B. zwei Rollstuhlplätze in jeder Bim, das ist um einer mehr als bisher. Aber auch unsere neuen Multifunktionsbereiche tragen sehr viel zum Komfort bei. Hier haben wir Platz für mehr Kinderwägen aber auch ein deutlich verbessertes Platzangebot für unsere Fahrgäste mit Gepäck. Zudem ermöglichen die großzügigen Mehrzweckbereiche ein rasches Ein- und Aussteigen. Durch weniger Stau im Eingangsbereich haben wir kürzere Aufenthalte in den Haltestellen und pünktlichere Öffis. Das freut alle Fahrgäste, aber auch unsere MitarbeiterInnen.

Der Flexity überzeugt mit einer flexiblen Innenraumgestaltung, die auf die Bedürfnisse der Fahrgäste eingeht.

Apropos Komfort – wie sieht es mit den Sitzplätzen aus?

Beim Flexity ist für alle etwas dabei. Durch die flexible Innenraumgestaltung können wir auf viele Bedürfnisse eingehen. So haben wir klassisch Einzel- und Doppelsitze, aber auch sogenannte Eltern-Kind-Sitze. Das sind extrabreite Sitze, die sich international sehr bewährt haben. Sie bieten unseren jüngsten Öffi-Fahrgästen einen gemeinsamen Platz mit Mama oder Papa. Selbstverständlich sind sie auch für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste oder Personen mit Gepäck ein geeigneter Platz. Und dann haben wir noch Klappsitze, die bei Bedarf genutzt werden können. Nicht zu vergessen unsere zwei Rollstuhlplätze und die acht Kinderwagen-Plätze. Insgesamt bietet der Flexity Platz für bis zu 211 Personen. Und selbstverständlich ist der Flexity barrierefrei. Wir haben die Innengestaltung sehr intensiv mit BehindertenvertreterInnen entwickelt, um das Produkt auch in dieser Hinsicht bestmöglich zu gestalten. Mit einer Einstiegshöhe von 215 Millimetern wird Wien auch in Zukunft die weltweit niedrigste Einstiegshöhe bei Straßenbahnen bieten.

Der Flexity wird als besonders umweltfreundlich beschrieben, wie äußert sich das denn?

Hier setzen wir mit dem Flexity an vielen unterschiedlichen Punkten an. So sind z.B. die Klimaanlagen, mit denen alle Fahrzeuge ausgestattet sind, besonders ökologisch. Der Energiebedarf, den wir zum Heizen und Kühlen brauchen, richtet sich nach der Anzahl der Fahrgäste im Zug. Also, wenn weniger Fahrgäste in der Bim sind, müssen wir weniger Energie aufwenden. Alle neuen Straßenbahnen haben außerdem ausschließlich energiesparende LED-Lampen. Wie andere Fahrzeuge auch, ist der Flexity so konstruiert, dass Bremsenergie zurück in unser Netz gespeist wird und von anderen Fahrzeugen genutzt werden kann. Grundsätzlich brauchen die neuen Bims aber wegen ihres leichteren Gewichts weniger Energie beim Anfahren und beim Bremsen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Hier noch ein kleiner Vorgeschmack auf Ende 2018, wenn der Flexity dann auch mit Fahrgästen im Netz unterwegs sein wird.

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Visualisierungen zum Flexity: © Bombardier Inc. or its subsidiaries. All rights reserved.

Fotos und Video zur Flexity-Produktion: Wiener Linien/Johannes Zinner

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Kommentare (4)

  • So modern die Wiener Linien mittlerweile sind, fände ich es doch schade, wenn wirklich alle alten Bims komplett ersetzt werden würden. Wien würde dadurch sicher etwas an Nostalgie verlieren! Wäre es nicht eine Überlegung zumindest ein paar Alte weiterfahren zu lassen um eventuell den Nostalgiewert aufrecht zu erhalten?

  • Ich würde gerne wissen, mach welchen Kriterien die Sitzplätze in der neuen Flexity Bim gewählt worden sind. Die sind extrem ungemütlich und meiner Meinung nach anatomisch nicht gut. Ich bin durchschnittlich groß, 165 cm und kann nicht normal und bequem sitzen. Ich kann meine Füße nicht flach auf den Boden stellen. Wenn ich das trotzdem versuche, drückt der Sitzrand in den Oberschenkel, was äußerst unangenehm und auch nicht gut ist.
    Weiters ist das Sitzen sehr anstrengend, weil man herum rutscht und aufpassen muss, dass man in einer Kurve nicht vom Sitz rutscht.
    Das ist überhaupt nicht komfortabel und macht das Fahren mit der neuen Bim überhaupt keinen Spaß. Ich freue mich jedes mal, wenn ein älteres Fahrzeug einfährt.

  • Ich habe die neue Straßenbahn neulich benutzt (auf Linie 71). Ich konnte leider die genannten Vorzüge nicht erkennen. Auf meinem Sitzplatz (Einzelplatz am fenster, gegenüber der Türseite. fühlte ich mich sehr eingeengt, was vermutlich an der Krümmung der Seitenwand lag. Wenn die Kinderwagenplätze benützt werden, verstellen die Kinderwägen den Durchgang durch den Waggon. Teilweise ist nicht erkennbar, ob die Plätze für 1 oder 2 Personen gedacht sind; es gibt Vierer – „Gegenüber“plätze – in Zeiten wie diesen – Infektionsproblematik sollten die Fahrgäste nicht einander anatmen. Übrigens nicht nur in Coronazeiten ungünstig – auch in „gewöhnlichen“ Grippezeiten. Es gibt nur wenige Haltestangen; die Schlaufen sind nicht für alle Personen geeignet. Insgesamt ist wenig Platz; die „alten“ Niederflurgarnituren sind bei weitem übersichtlicher und zweckmäßiger eingerichtet.

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