Faktencheck: So zuverlässig sind die Wiener Öffis

Faktencheck: So zuverlässig sind die Wiener Öffis

Worauf kann man sich heute noch verlassen? Eine Frage, die man immer wieder hört. Auch wenn es um die Öffis geht. Aber was stimmt nun? Ist das große Öffi-Chaos ausgebrochen, wie manche Medien gelegentlich meinen? Fahren U-Bahnen, Bim und Bus nur noch sporadisch? Wir haben uns die Zahlen dazu angesehen.

Klar: Auf die U-Bahn länger zu warten als geplant, freut niemanden. Das wissen wir. Darum arbeiten wir täglich daran, dass möglichst alle Räder rollen. Doch was heißt Zuverlässigkeit bei den Öffis eigentlich? Sie errechnet sich aus den sogenannten Nutzkilometern – also die geplanten Kilometer, die je Linie pro Jahr zurückgelegt werden sollen. Stellt man diesen Wert den entfallenen Kilometern gegenüber, ergibt sich die prozentuelle Zuverlässigkeit. Denn sowohl für die Fahrgäste als auch für uns ist wichtig, ob die geplanten Fahrten auch stattfinden. Die Wiener Linien legen Tag für Tag mit ihren U-Bahnen, Autobussen und Straßenbahnen rund 210.300 Kilometer zurück – das entspricht etwa fünf Erdumrundungen.  Dafür ergab sich 2018 ein Zuverlässigkeitswert von 99,25%. Anders gesagt: Nur 0,75% der geplanten Kilometer werden nicht gefahren. Die Gründe dafür können sehr vielfältig sein. Dazu später mehr.

Die Zuverlässigkeit der U-Bahn-Linien im Vergleich.
Die Zuverlässigkeit der U-Bahn-Linien im Vergleich.

Über 99% Zuverlässigkeit

Bei den U-Bahn-Linien haben wir uns die Sache genau angesehen: Seit 2011 pendelt der Zuverlässigkeitswert minimal auf konstant hohem Niveau zwischen 98,62% und 99,67% (siehe Grafik). Und das obwohl die Züge im Vergleich zu 2011 im Jahr 2018 über 1.8 Millionen Kilometer mehr zurückgelegt haben. Umgerechnet heißt das: bei einer Zuverlässigkeit von 99,25% im vergangenen Jahr sind von 1.000 Fahrten nicht einmal sieben Züge ausgefallen bzw. konnten ihr Kilometerpensum nicht wie geplant erfüllen. Die Gründe, warum Züge nicht weiterfahren können, ausfallen oder auch kurzgeführt werden, sind vielfältig. Ein Fahrgast, der rasch medizinische Hilfe benötigt, Polizei- und Feuerwehreinsätze, eine defekte U-Bahn-Tür, eine Weiche, die sich nicht stellen lässt, ein verunreinigter oder beschädigter Zug bis hin zu Personen, die auf den Gleisen gehen und den Betrieb aufhalten. Man kennt es: Dann kommt es zu längeren Wartezeiten, unregelmäßigen Intervallen bzw. dazu, dass Züge nicht wie geplant fahren können und deshalb Kilometer entfallen.

Auf Grund der U4-Modernisierung steht die U4 in der vergangenen Zeit häufig im medialen Mittelpunkt. Trotzdem liegt ihre Zuverlässigkeit, wie auch die der anderen U-Bahn-Linien, bei einem Wert um 99%. Und das, obwohl viele Arbeiten an der U4 seit 2014 im laufenden Betrieb passieren. 2018 konnte die U4 sogar noch an Zuverlässigkeit zulegen und liegt derzeit bei 99.2%.

Viele Faktoren beeinträchtigen täglichen Betrieb

Die häufigsten Gründe für Ausfälle sind neben dem Faktor Fahrzeug auch Einflüsse von außen, die den Betrieb beeinflussen. Insgesamt zeigt sich, dass sich die externen Einflüsse über die Jahre immer stärker auf die Zuverlässigkeit auswirken. So haben sich die Ausfälle auf Grund von Polizeieinsätzen seit 2011 mehr als verdreifacht. Wenn etwa Fahrgäste in Streit geraten oder vergessene Gepäckstücke untersucht und entfernt werden müssen. Bei Sachbeschädigungen haben sich die Werte seit 2011 fast verdoppelt. Wenn etwa ein Zug durch Graffiti verunstaltet, eine Scheibe am Fahrzeug eingeschlagen oder die Elektronik der Tür, beim Versuch noch in die schließende Tür zu springen, beschädigt wird, muss der Zug eingezogen werden oder kann erst gar nicht auf die Strecke fahren.

Im gleichen Zeitraum ist die Anzahl der schadhaften Fahrzeuge bei rund sechs Zügen pro Tag beinahe gleichgeblieben. Und das, obwohl die zurückgelegten Kilometer stark angestiegen sind (dichtere Intervalle, U2-Ausbau in die Seestadt, U1-Ausbau nach Oberlaa) und unsere U-Bahn-Züge mehreren Millionen Kilometern pro Jahr fahren. So legt etwa ein moderner V-Zug durchschnittlich rund 75.000 Kilometer zurück, bis es zu einer Störung am Fahrzeug kommt. Oft sind es Kleinigkeiten wie z.B. nicht funktionierende Funk- oder Notrufeinrichtungen, beschädigte Türen oder blockierte Bremsen, die sich nicht mehr lösen lassen. Diese kleineren Defekte an den Fahrzeugen bekommt der Fahrgast gar nicht mit, da der Zug in den Endstationen getauscht wird. Somit gibt es kaum Auswirkungen auf den Linienbetrieb. Aber klar ist: Sicherheit hat immer Vorrang. Wenn es ein Problem gibt, wird der Zug zur Reparatur aus dem Fahrgastbetrieb genommen und stattdessen ein funktionsfähiger Zug eingesetzt. Für unsere Fahrgäste ist das durch die manchmal überraschenden Innendurchsagen „Dieser Zug wird eingezogen!“ bekannt.

Mehr Verkehr, mehr Verzögerungen und Ausfälle

Etwas andere Voraussetzungen als bei der U-Bahn gibt es bei Bus- und Straßenbahnlinien. Diese sind ganz erheblich vom Verkehrsaufkommen auf den Straßen beeinflusst. Dennoch erreichten die 28 Straßenbahnlinien 2018 eine Zuverlässigkeit von rund 99 %, bei den von den Wiener Linien betriebenen Buslinien waren es sogar 99,42%.

Zahlreiche Maßnahmen sorgen für ein rascheres Vorankommen der Öffis. Trotzdem werden sie besonders in der Hauptverkehrszeit oft blockiert.
Zahlreiche Maßnahmen sorgen für ein rascheres Vorankommen der Öffis. Trotzdem werden sie besonders in der Hauptverkehrszeit oft blockiert.

Stau, Unfälle oder Falschparker sorgen immer wieder für Probleme und Ausfälle, vor allem in den Hauptverkehrszeiten. Zahlreiche Maßnahmen wie bevorzugte Ampelschaltungen, Busspuren oder eigenständige Gleiskörper für Straßenbahnen sorgen an vielen Stellen in Wien für ein rascheres Vorankommen der Öffis.

Verkehrsstörungen: Anstieg um fast 50 Prozent

Linien wie der 49er, die sich im engen innerstädtischen Verkehr den Platz mit dem Autoverkehr teilen müssen und verhältnismäßig weniger eigene Gleiskörper (als Trennung von den Autospuren) haben, haben eine im Vergleich zu anderen Straßenbahnlinien geringere Zuverlässigkeit. Dennoch kommt auch die Linie 49 auf eine Zuverlässigkeit von 97,81 Prozent. Alle anderen Linien weisen noch bessere Werte auf. Die Linie O, die auf deutlich mehr eigenen Gleisanlagen vom Autoverkehr getrennt unterwegs ist, erreicht etwa 99,56 Prozent.

Insgesamt zeigen die Daten, dass das Ausmaß der Verkehrsstörungen in den letzten Jahren zugenommen hat. Von 2011 bis 2018 erhöhten sich bei den Straßenbahnen die Ausfälle auf Grund von Stau und hohem Verkehrsaufkommen um rund 20 Prozent. Der Rückschluss: Je mehr Verkehr und Autos auf den Straßen, desto schwerer kommt auch der öffentliche Verkehr voran. Aber natürlich gibt es auch hier viele andere Faktoren, die Tag für Tag den Betrieb stören. Das sind zum Beispiel der LKW-Kran, der eine Oberleitung der Straßenbahn beschädigt, eine spontane Demonstration, ein Zusammenstoß mit einem PKW beim Ausparken oder auch ein technisches Problem am Fahrzeug.

Der 13A erreicht eine Zuverlässigkeit von 98,86 Prozent.
Der 13A erreicht eine Zuverlässigkeit von 98,86 Prozent.

Ähnlich verhält es sich bei den Autobuslinien: Bei den Bussen hinken jene Linien, die mit mehr Verkehr, engen Gassen und Stau-Hotspots konfrontiert sind, in der Zuverlässigkeit etwas hinter dem Durchschnitt hinterher. Dennoch erreicht zum Beispiel der 13A, der durchwegs im engen innerstädtischen Verkehr unterwegs ist, eine Zuverlässigkeit von 98,86 Prozent.

Wir haben noch eine Übersicht  zur Zuverlässigkeit der Öffis (*) erstellt.

*) Daten bei Buslinien sind nur für Linien im Eigenbetrieb verfügbar.

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Kommentare (2)

  • Alternative Zuverlässigkeit im schnönsten Trumpschen Verfahren!

    Was den Fahrgast interessiert sind nicht die Nutzkilometer, sondern die Pünktlichkeit der Linien. Was hilft mir die Kilometerstatistik, wenn ich 15 Minuten auf eine Ubahn warten muss, wenn 20 Minuten kein 43er kommt, oder wenn in der Nacht ein Fahrer einige Minuten zu früh von der Haltestelle abfährt? In allen Fällen hat das keinen Einfluss auf die Nutzkilometer, aber auf den Fahrgast und seien Pünktlichkeit.

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