Der letzte Weg einer Straßenbahn

Nach 40 Betriebsjahren treten unsere Straßenbahnen den letzten Weg an – zum Schrotthändler. Wir begleiten die Verschrottung einer Straßenbahn.

Rund 40 Jahre war er in Betrieb, der Straßenbahn-Triebwagen der Type E1 mit der Nummer 4854. Die letzten Tage seines langen Lebens verbrachte er in der Hauptwerkstätte der Wiener Linien in Simmering. Bis zuletzt war der Triebwagen am Bahnhof Hernals stationiert und dort auf den Linien D, 1, 9, 37, 38, 40, 41, 42, 43 und 44 im Einsatz. Während der letzten 40 Jahre hat er ganz Wien gesehen und viele Millionen Fahrgäste von A nach B gebracht. Nun begleiten wir die Verschrottung einer Straßenbahn.

Modernisierung des Fuhrparks

Die älteren Straßenbahntypen, wie eben E1 und auch E2 werden in den kommenden Jahren kontinuierlich von neuen, barrierefreien Niederflurstraßenbahnen ersetzt. Alleine 2016 schaffen die Wiener Linien zur Modernisierung des Fuhrparks 17 neue ULF-Straßenbahnen an.

Laufend werden moderne und barrierefreie Straßenbahnen gekauft, die ältere Typen ersetzen.
Laufend werden moderne und barrierefreie Straßenbahnen gekauft, die ältere Typen ersetzen.

Transportvorbereitung in der Hauptwerkstätte

An einem lauen Februartag war es nun aber so weit: der letzte Weg der Straßenbahn 4854 hat begonnen. Zuvor wurde an diesem Triebwagen noch eifrig geschraubt und vor allem noch diverse Teile ausgebaut. Ersatzteile, die für andere, noch in Betrieb befindliche „Typenkollegen“ gebraucht werden, werden im großen Zentrallager in der Hauptwerkstätte eingelagert. „Vor allem sind es elektronische Ersatzteile, wie z.B. die Funkeinrichtung, die wir noch brauchen können“, erklärt Johann Hall, Werkmeister in der Hauptwerkstätte und zuständig für Verladung und Verschub von Schienenfahrzeugen. „Diese Straßenbahnen werden nicht mehr hergestellt, deshalb gehen auch die Ersatzteile irgendwann zur Neige. Wir bauen deshalb alle Teile aus, die wir für andere E1-Triebwagen noch benötigen“, ergänzt er.

Der Triebwagen wurde in den vergangenen Tagen auf den Transport vorbereitet. Das Fahrzeug wurde geteilt und auch die Drehgestelle abmontiert. Mit der Verschubplatte werden die Teile nun auf das richtige Gleis gebracht und von dort mit speziellen Schleppfahrzeugen in Richtung Verladekräne am Gelände der Hauptwerkstätte gebracht. Dort wartet auch schon ein Tieflader.

Stahlketten werden um die Straßenbahn gelegt und dann mit Hilfe des Krans auf den Tieflader gehoben. Der ist auch notwendig, denn alleine der halbe Triebwagen bringt rund 8 Tonnen auf die Waage. Die Straßenbahn wird auf dem Tieflader gesichert und ist damit abfahrbereit. Die letzte Fahrt kann also losgehen.

Endstation Schrotthändler

Statt zum Schrottplatz fährt der Tieflader zum Schrotthändler. Dort angekommen wird die Bim ein letztes Mal gewogen. Doch wie wird eine Bim verschrottet? Große Greifarmen zerreißen sie in kleinere Teile. Dann kommen diese in den Shredder. Übrig bleiben dann nur noch zentimetergroße Teile, die dann maschinell nach Materialien sortiert werden. Das Ende eines langen Straßenbahnlebens.
Hier noch einige Bilder der Verschrottung.

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Kommentare (5)

  • Sollten die alten Straßenbahn Typen nicht verwahrt werden, wenn diese eh nicht mehr hergestellt werden und es die Teile auch nur noch selten gibt, dann sind sie ja noch besonders viel wert oder? Und vor allem kann man sie dann in Zukunft auch noch unseren Kindern zeigen, wie wir noch mit diesen Bim Zügen gefahren sind. 🙂

    • Hallo, ein paar Exemplare bleiben natürlich erhalten, zum Beispiel in unserem Museum. Einige Züge werden auch verkauft.

  • Sehr geehrte Damen und Herren,

    Ich habe eine Frage. Zu welcher Schrotthändler schicken Sie die alte Straßenbahnen normalerweise??

    Vielen Dank!
    Schöne Grüße,
    Elsio

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