Eine Straßenbahn der Linie 1 mit altem Zielschild.

Die Öffis der Nullerjahre: Willkommen im neuen Jahrtausend

Die Nullerjahre haben uns nicht nur Social Networks und wunderbare Jugendkulturen wie die Emos und die Krocha gebracht. Die U2 wuchs vom halbleeren Kurzzug zur Verkehrsachse über die Donau und die Ring-Straßenbahnlinien verließen ihren Orbit rund um den 1. Bezirk.

Nachdem wir die mit Bangen erwartete Nacht vom 31. Dezember 1999 auf den 1. Jänner 2000 überstanden und damit den gefürchteten Y2K-Computerbug überlebt hatten, waren wir im 21. Jahrhundert angekommen. In den kommenden Jahren sollte der Euro den Schilling ablösen, Österreich eine Fußball-EM ausrichten und MySpace einen ersten Vorgeschmack geben auf das Leben mit sozialen Netzwerken wie Facebook und Co. Und die Wiener Öffis? Die U2 wuchs über die Donau und die klassische Ringrunde mit der Straßenbahn ging im neuen Linienkreuz zwischen den Linien 1 und 2 auf.

Die Verlängerung der U2

Lange Jahre war die U2 eine Bummelbahn, die unter der Ringstraße hauptsächlich StudentInnen und innerstädtische Salondamen beförderte. Das änderte sich, als im Mai 2008 rechtzeitig zur Eröffnung der Fußball-EM in der Schweiz und Österreich die verlängerte U2 bis zum Praterstadion in Betrieb ging. Noch bevor die neue Station eröffnet war, wurde schon an der nächsten Ausbaustufe über die Donau bis zur Aspernstraße und anschließend zur Seestadt Aspern gearbeitet. Schon im Herbst 2003 wurde die Station Lerchenfelder Straße geschlossen, da der Abstand zur Station Volkstheater nur wenige hundert Meter betrug. Heute fährt die U2 auf 17 Kilometern quer durch die Stadt. Und sie wird weiter wachsen. Die Arbeiten zur Verlängerung in den Süden laufen bereits. Mehr zur wechselvollen Geschichte der U2 erfahrt ihr hier.

Rechtzeitig zur Fußball-EM 2008 war die U2-Verlängerung zum Happel-Stadion fertig.
Rechtzeitig zur Fußball-EM 2008 war die U2-Verlängerung zum Happel-Stadion fertig.

Das V steht für V-Wagen

Im Sommer 2006 gingen in der U-Bahn die ersten modernen V-Wagen in Betrieb. Sie haben den großen Vorteil gegenüber den alten Garnituren mit der Typenbezeichnung U, dass sie innen durchgehend begehbar sind und über eine Klimaanlage verfügen. Der einzige Nachteil: Der V-Wagen hat elektrische Türen. Dadurch können professionelle WienerInnen ihr echtes Wienertum nicht mehr auf jeder U-Bahn-Fahrt durch geschicktes Aufklicken der pneumatischen Zugtüren aus dem Handgelenk beweisen.

V-Zug der Wiener Öffis
Der klimatisierte V-Zug fährt auf den Linien U1, U2, U3 und U4.

Die alten Ring-Straßenbahnen

Es war der Geheimtipp für Generationen von Wien-TouristInnen. Wozu teure Fiakerfahrten oder Bustouren buchen, wenn man mit den Wiener Ringstraßenbahnlinien 1 und 2 alle Sehenswürdigkeiten am Ring um den Preis eines Einzelfahrscheins abfahren konnte? Auch vielen WienerInnen machte es Spaß, sich in die Ringstraßenbahn mit der Zielanzeige "Ring-Kai-Ring" zu setzen und die Innenstadt zu umrunden. Abseits vom Spaßverkehr waren die Linien 1 und 2 aber keine wichtigen Verkehrsachsen. Deshalb haben die Wiener Linien die klassische Ringrunde im Herbst 2008 aufgebrochen. Beide Linien bedienen nur noch einen Teil des Rings. Der Einser fährt heute vom Stefan-Fadinger-Platz über den Karlsplatz, Volkstheater, Rathaus, Schottenring und Franz-Josefs-Kai in den Prater. Die heutige Strecke des Zweiers verläuft von Dornbach stadteinwärts über Ottakring und die Josefstadt und über Teile des Rings zum Schwedenplatz und weiter in den zweiten Bezirk bis zum Friedrich-Engels-Platz in der Brigittenau. Damit bedienen der Einser und der Zweier auch die Strecken der ehemaligen Linien N und J.

Eine Straßenbahn der Linie 1 mit Zielschild Schwedenplatz
Bevor die Vienna Ring Tram im Jahr 2009 in Betrieb ging, fuhren 1er und 2er den Ring in beiden Richtungen ab.

SMS-Tickets

Die Wiener Linien waren schon auf deinem Phone, bevor es smart war. Ab August 2000 konnten WAP-fähige Handys die elektronische Fahrplanauskunft abrufen. Und im Herbst 2003 begannen wir mit dem Verkauf von Tagestickets per SMS, im Jahr darauf auch von Einzeltickets. Die Fahrscheine wurden erworben, indem wir ein SMS mit dem Text „Wien Single“ oder „Wien Daily“ an eine Telefonnummer geschickt haben. Als Antwort erhielten wir den Fahrschein. In der Ära der Smartphones war das SMS-Ticket bald überflüssig. Heute verkaufen wir unsere digitalen Tickets über die App „WienMobil“. Das SMS-Ticket wurde im Herbst 2015 abgeschafft.

Die U6 wird barrierefrei

Die Linie U6 als ehemalige Stadtbahn hat bis heute eine Sonderstellung im Wiener U-Bahn-Netz, da der klassische U-Bahn-Silberpfeil auf ihr nicht fahren kann. Die U6 bekommt ihren Strom wie die Straßenbahn über eine Oberleitung, während alle anderen U-Bahn-Linien über eine Stromschiene mit Energie versorgt werden.  Bis Ende 2008 waren auf der U6 Garnituren mit der Bezeichnung "E6" unterwegs. Da der E6 nicht barrierefrei war und das Ein- und Aussteigen auf der stark befahrenen U6 sehr lange dauerte, wurde er nach und nach von den aktuellen "T"-Zügen abgelöst. Seit 2009 sind auch auf der U6 - wie im gesamten U-Bahn-Netz - alle Fahrzeuge barrierefrei.

Die U6 kurz vor der Tscherttegasse.
Die E6-Garnituren waren bis 2008 auf der U6 unterwegs.

Barrierefreie U-Bahn: Es werde Lift

Die erste Generation der Wiener U-Bahn-Stationen aus den 1970er-Jahren war noch nicht durchgehend mit Liften ausgestattet. Um das U-Bahn-Netz vollständig barrierefrei zu gestalten, haben wir schon in den 1990er-Jahren begonnen, die alten Stationen nachzurüsten. Die Station Taubstummengasse war die letzte und erhielt im April 2004 einen Lift von der Straßenoberfläche direkt auf den Bahnsteig. Damit war das Wiener U-Bahn-Netz vollständig barrierefrei nutzbar.

Gratiszeitungen

Wer erinnert sich noch an den „U-Express“? Die erste Gratiszeitung wurde im März 2001 in den U-Bahn-Stationen verteilt. Nach drei Jahren wurde der U-Express eingestellt. Das Nachfolgeprodukt „Heute“ ist mittlerweile die österreichische Tageszeitung mit der zweithöchsten Auflage.

„Zukfädap!“

Als die Fahrerinnen und Fahrer in der U-Bahn noch bei jeder Station nach dem Abfertigen des Zuges die Worte „Zug fährt ab“ sprachen, wurde daraus beim x-ten Mal oft ein kaum verständlicher Kauderwelsch irgendwo zwischen „Zukfädap“ und "fda". Ab Mitte der 2000er Jahre wurden die Durchsagen nach und nach durch Aufnahmen vom Band abgelöst. Im Jahr 2012 löste auch die Schauspielerin Angela Schneider den langjährigen Wiener-Linien-Sprecher Franz Kaida als Stimme der Wiener Linien ab.

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