Heute tummeln sich mehr Leute in der Passage am Karlsplatz als damals.

Die erste von Vielen – die Geschichte der U1

Ende der 1960er katapultierte sich Wien, lange nach anderen Metropolen, wie London oder Budapest, endlich in das U-Bahnzeitalter. Der Bau der U1 war der Startschuss für Wiens größtes Projekt, das auch in Zukunft fortgeführt wird.

Wir schreiben das Jahr 1969. Die NASA schickt mit der Apollo 11 Mission die ersten Männer auf den Mond. „Ein großer Schritt für die Menschheit“: Ja, das war es auch in Wien! Denn mit den ersten Baggerschaufeln, die ausgehoben wurde, begann auch in Wien, lange nach anderen Metropolen wie London oder Budapest, Ende der 1960er das U-Bahnzeitalter. Die U1 machte 1978 den Anfang und zieht sich seitdem wie ein roter Faden durch die Stadt.

Die Linie U1 hält an einem der zentralsten Knotenpunkte, dem Stephansplatz

Obwohl die Notwendigkeit eines Wiener U-Bahn-Netzes durch das steigende Verkehrsaufkommen für BewohnerInnen sowie Stadtpolitiker offensichtlich war, wurde erst 1968 unter Bürgermeister Bruno Marek entschieden, mit dem Bau zu beginnen. Wieso es so lange gedauert hat, bis eine U-Bahn das Stadtbild von Wien prägte, erfahren Sie hier. Am 26. Jänner 1968 wurde dann endlich mit dem „Grundsatzbeschluss des Wiener Gemeinderates zur Errichtung eines engeren Grundnetzes“ der Startschuss für ein gewaltiges Projekt gegeben, das Wien völlig veränderte.

Ein Meilenstein in der Geschichte Wiens

Zusammen mit der U2 und der U4 gehört die U1 zum Grundnetz von Wien, welches in der ersten von bisher vier Ausbauphasen errichtet wurde. Als Nord-Süd-Verbindung gedacht, sollte die U1 ursprünglich nur vom Reumannplatz bis zum Praterstern verkehren.

Der Bau der U1 vor dem historischen Tegetthoff-Denkmal am Praterstern.
Der Bau der U1 vor dem historischen Tegetthoff-Denkmal am Praterstern.

Der Einsturz der größten Donaubrücke, der Reichsbrücke, im Jahre 1976 war Anlass dafür, die U1 sogar bis über die Donau, nach Kagran zu verlängern. Der Bus, der damals durch den Einsturz in die Donau fiel, ist übrigens heute noch im Verkehrsmuseum Remise zu sehen.

Am 25. Februar 1978 ging die U1 als erste U-Bahn-Strecke zwischen Karlsplatz und Reumannplatz in Betrieb. Die weiteren Stationen wurden schrittweise eröffnet: im selben Jahr wurde noch die Station Stephansplatz eröffnet. Während des U-Bahn-Baus im Bereich des Stephansplatzes sorgte ein riesiges Loch in Mitten der Innenstadt für Aufsehen.  Heute ist die ganze Innenstadt eine Fußgängerzone und niemand kann sich den Bezirk ohne U-Bahn vorstellen. Der Bereich vom Schwedenplatz bis Nestroyplatz eröffnete 1979, 1981 der Praterstern und 1982 die Stationen Vorgarten bis Kagran, die den Abschluss des Eröffnungsmarathons bildeten.

1982 wurde auch die Station Kagran feierlich eröffnet.
1982 wurde auch die Station Kagran feierlich eröffnet.

Die Ruhe vor dem Sturm

Mit der Errichtung des Grundnetzes war auch die Konzeption der U1 für knapp 20 Jahre erst einmal abgeschlossen. Im Oktober 2001 fand der Spatenstich für die Verlängerung nach Leopoldau statt. Vor allem für die Bezirke jenseits der Donau war diese Erweiterung von großer Bedeutung. Zahlreiche große Wohnsiedlungen, wie die Großfeldsiedlung, wurden damit an die U-Bahn angebunden.

Einmal Richtung Entspannung, bitte

Um auch den vielen BewohnerInnen im Süden Wiens eine bessere Anbindung an die Wiener City zu ermöglichen, wurde die U1 im Herbst 2017 bis nach Oberlaa um fünf Stationen und 4,6 Kilometer verlängert.  Einem Spontanausflug in die Therme Oberlaa steht nun nichts mehr im Weg, denn vom Stephansplatz braucht man mit der neuen U1 nur 15 Minuten nach Oberlaa.

Mit insgesamt 19,3 Kilometer und einer Fahrzeit von 34 Minuten ist die U1 heute die längste U-Bahn in Wien. Sie passiert zentrale Verkehrsknotenpunkte wie den Hauptbahnhof und den Praterstern  und erschließt mit Stationen wie dem Karlsplatz, dem Stephansplatz und dem Schwedenplatz die Innenstadt. Die U1 bringt Fahrgäste aber auch zu beliebten Erholungsgebieten wie der Donauinsel, der Alten Donau und Oberlaa und passiert gleichzeitig wichtige Institutionen wie die UNO-City.

2017 wurde die U1 um fünf Stationen verlängert.

Zeitlos und einzigartig – das Wiener System

Auf das einheitliche Liniendesign der U1 einigte man sich erst nach Baubeginn. 1970 wurden, nach einem Architekturwettbewerb, gleich zwei erste Plätze vergeben und die Gewinner als Architektengruppe U-Bahn (AGU) gemeinsam mit der Umsetzung betraut. Das Konzept der AGU zielte darauf ab, die gesamte U1 über sämtliche Ausbaustufen in einem einheitlichen Design zu gestalten. Dieses Konzept wurde sogar bei der Verlängerung nach Oberlaa berücksichtigt. Was alle Stationen gemeinsam haben, ist das sogenannte „Wiener System“: die Trennung zwischen dunklem Gleiskörper und hellem Stationsbereich, der die Grenze für Fahrgäste zur Strecke bildet.

Umfrage: WienerInnen erinnern sich an 40 Jahre U-Bahn

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