Die Kontrolleure der Wiener Linien

„Die Fahrausweise bitte“

Kontrolleure haben viel mehr Aufgaben, als Tickets zu kontrollieren. Alexander, Jelena und Marko sind seit zehn Jahren im Dienste der Gerechtigkeit in Bus, Bim und U-Bahn Tag & Nacht unterwegs. Sie haben uns die beliebtesten Ausreden der WienerInnen verraten und uns erzählt, warum sie ihren Job trotz aller Herausforderungen seit einem Jahrzehnt gerne machen.

So läuft der Dienst eines Kontrolleurs ab

Alleine sieht man sie nie. Meist sind sie zivil, in Zweier- oder Dreierteams unterwegs. Nachdem sie den Dienstplan mit den zu kontrollierenden Linien auf ihren Bahnhöfen abgeholt haben, schwirren Marko, Jelena, Alexander und ihre KollegInnen aus. Schmäh und Teamzusammenhalt sind den drei KollegInnen sehr wichtig. Das merkt man auch, wenn man mit ihnen unterwegs ist. Am Weg zur U-Bahn wird gelacht und gescherzt.

Ein Dreierteam der Wiener Linien Kontrolleure

Das sind die beliebtesten Ausreden der WienerInnen

Ein dickes Fell, Fingerspitzengefühl und Menschenkenntnisse sind Teil der Grundausrüstung für den Job. Fahrgäste reagieren nämlich ganz unterschiedlich auf die Kontrollen. Von Ausreden und Anschreien, über Schmähführen bis Davonlaufen können Schwarzfahrer ganz schön kreativ werden, wenn sie nicht zahlen möchten. „Andere freuen sich uns zu sehen oder haben sogar die 105€ abgezählt parat“, erzählt Jelena.

Folgende Ausreden hören Marko, Jelena, Alexander und ihre knapp 150 KollegInnen besonders oft:

  1. „Mein Akku ist leer“
  2. „Der Automat war kaputt“
  3. „Oh sorry, hab unabsichtlich das neue statt dem alten Ticket weggeworfen“
  4. „Ich hab’s ur eilig und konnte kein Ticket mehr kaufen“
  5. „Meine Frau hat das Ticket, sie ist aber im anderen Waggon“
  6. „Ich bin ja eh nur eine Station gefahren“
Ticketkontrolle beim Liftausgang

So reagieren die Schwarzkappler auf Ausreden

Es gibt eine sehr breite Grundausbildung und regelmäßige Schulungen für die Kontrolleure, damit sie für alle Situationen gerüstet sind. Wobei der Glaube, Kontrolleure dürften Fahrgäste nicht angreifen, ein Mythos ist: Laut OGH-Spruch dürfen Kontrolleure Schwarzfahrer anhalten, um die Identität festzustellen. „Aber es gilt der Grundsatz zu deeskalieren. Gewalt hat bei uns keinen Platz“, so Marko. „In unserem Job braucht man sehr gute Menschenkenntnisse und viel Fingerspitzengefühl. Jeder Mensch, jede Kontrolle ist anders.“

105 Euro Strafe bei fehlendem Fahrschein

Gründe, warum man gerne Kontrolleur ist

Was ihnen am Beruf gefällt? „Wir haben ein unschlagbares Team, wir treffen täglich unterschiedlichste Menschen und sind ständig draußen unterwegs“, schwärmt Alexander von seinem Job, den er bereits seit zehn Jahren ausübt. „Jeder Tag ist anders. Das macht den Job spannend.“

Die sogenannten "Schwarzkappler" gelten oft nur als „die Bösen“, die Strafen austeilen. Dabei sind sie viel mehr und helfen bei der Bedienung von Ticketautomaten oder geben Auskunft bei Störungen. Einmal hat ein Fahrgast seinen Laptop in der U-Bahn vergessen und sich verzweifelt in der Station an Alexander gewendet. „Ich habe sofort die Leitstelle informiert. Innerhalb kürzester Zeit konnten wir den Laptop wieder an den Besitzer übergeben.“

Kontrolleure helfen auch bei der Bedienung von Ticketautomaten.

Kontrollen in Zahlen

„Schwarzfahren kommt aus der Mode“, darüber sind sich Jelena, Marko und Alexander einig. „Die Hauptgründe dafür sind, dass wir die Kontrollen in den letzten Jahren verstärkt haben und die Jahreskarte günstiger wurde.“ Im vergangenen Jahr waren es gut 5,7 Millionen Fahrgäste, die eine Ticketkontrolle durchliefen. Davon konnten nur 1,9% keinen gültigen Fahrschein vorweisen. Der Anteil der SchwarzfahrerInnen blieb damit auch 2018 auf einem extrem niedrigen Niveau. Zum Vergleich: 2009 lag die Schwarzfahrerquote noch bei 3,3%. Im internationalen Vergleich schneidet Wien mit seiner niedrigen SchwarzfahrerInnenquote sehr gut ab. So kommt etwa Hamburg auf 4,5% und Berlin auf gut 3%. In Paris beträgt der SchwarzfahrerInnen-Anteil 5%, in Frankfurt sogar 6%.

Die laufenden Investitionen in das Öffi-Netz und das europaweit unvergleichliche Preis-Leistungsverhältnis bewirken, dass fast alle Fahrgäste mit einem gültigen Ticket unterwegs sind.

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Kommentare (3)

  • Nettes Erlebnis: ich habe schon seit sehr langer Zeit die verbilligte Netzkarte mit dem Mobilpaß. Die gibts aber leider nicht als Jahres-, sondern nur als Monatskarte. (Warum eigentlich???) Also heißts, jeden Monat neu kaufen. Jetzt fahr ich aber nicht so regelmäßig, und einmal hab ich einfach drauf vergessen. Aber grade da hatte ich eine Kontrolle in der U2. Ich habs dem Kontrollor erklärt und gesagt, ich werd die Karte sofort nachkaufen, aber er gab mir trotzdem einen Zahlschein mit. Beim Stadion bin ich raus aus der U2 und wollte die Karte kaufen, aber es war schon über die Monatsmitte und der laufende Monat stand nicht mehr zur Auswahl. Also bin ich in die nächste U2 und wieder zurück zum Praterstern. Dort war grade zufällig eine Kontrolle beim Verlassen der UBahn. Ich bin schnurstracks auf einen der Kontrollore zu gegangen und mit den Worten „Ich gehe eine Karte kaufen“ an ihm vorbei – ungehindert.
    Als ich die Karte im Büro kaufen wollte, meinte der Herr, mit der Wochenkarte käme ich billiger, der Monat ist bereits fast um. Aber ich bestand auf der Monatskarte, weil ich ja vorher auch schon ein paar Mal gefahren bin.
    Daheim hab ich dann alle bisherigen Monatskarten eingescant – ich schieb immer nur die aktuelle dazu im Geldbörsl! – und mit der Story an WRLinien gemailt, woraufhin der Zahlschein storniert worden ist, was ich sehr fair fand – jeder kann einmal was vergessen. Im restlichen Monat war ich dann noch ein paar Mal „legal“ unterwegs… Übrigens darf ich nicht vergessen, bei meiner ersten Fahrt im Februar jetzt auch die neue Karte zu kaufen.

    • Ich habe mal vergessen meine neue Monatskarte zu kaufen. Warum? Ich war tagelang krank im Bett, bin dann zum (unfreiwilligen) Blutabnehmen gefahren, war sichtlich angeschlagen. Praktisch eine wandelnde, zitternde Leiche… das war dem Kontrolleur alles schei** egal.

      Mein ganzes Leben bin ich nicht schwarz gefahren, umso enttäuschter war ich dann, als nicht mal hier Fingerspitzengefühl gezeigt wurde.

      Schön, dass es bei dir anders war. Wäre möglich, dass es bei einer vergünstigten Karten ebenfalls so bei mir gewesen wäre.

      Bin jedenfalls seit diesem Tag bitter enttäuscht…

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