Strassenbahn der Linie 41 im Bereich Schottentor / Universität.

Wiener-Linien-ABC Teil 1: Vom Amerikaner bis zur Leichentram

In weit mehr als hundert Jahren haben die Wiener Linien die Stadt mitgeprägt. Viele Begriffe aus dem Öffi-ABC kennt ganz Wien. Anderes kennen nur Insider. Wir haben für euch ein kleines Wörterbuch zusammengestellt. Teil 1 führt von A wie Amerikaner bis L wie Leichentram

A wie Amerikaner

Die „Amerikaner“ waren Straßenbahnwagen aus New York, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Wien eingesetzt waren. Sie ergänzten den dezimierten Fuhrpark im zerstörten Wien und waren als Wiederaufbauhilfe bis Ende der 1960er-Jahre im Einsatz. Zu sehen im Verkehrsmuseum Remise.

Eine "Amerikaner" Straßenbahn im Verkehrsmuseum Remise in Wien Erdberg.
Eine "Amerikaner" Straßenbahn im Verkehrsmuseum Remise in Wien Erdberg.

B wie „Die Blaue“

Als "die Blaue" wurde bis ins Jahr 1995 der letzte Kurs einer Linie bezeichnet. Bevor es elektrische Zielanzeigen gab, musste das Fahrpersonal die Scheiben mit den Liniennummern von Hand auswechseln. Bei der letzten Fahrt vor Betriebsschluss wurde eine blaue Scheibe eingesetzt.

Eine historische Straßenbahn mit blauem Schild.
Eine historische Straßenbahn mit blauem Schild.

C wie Linie C

Früher haben wir die Straßenbahnlinien nicht nur nummeriert, sondern es gab auch viele Linien mit Buchstabenbezeichnungen. Vom 20. März 1910 bis zum 13. Februar 1960 war etwa die Linie C in Wien unterwegs. Zuerst zwischen Praterstern und Alser Straße, später vom Stadion nach Neuwaldegg und zum Schluss von Kaisermühlen bis zur Teichgasse. Von den Buchstaben-Linien sind heute nur noch die Linien D und O übrig. In der langen Geschichte der Wiener Straßenbahn gab es schon Linien mit so gut wie jedem Buchstaben - bis auf I, Q, X und Y.

Die Linie C unterwegs auf ihrer Strecke, Mitte der 50er Jahre.
Die Linie C unterwegs auf ihrer Strecke, Mitte der 50er Jahre.

D wie Doppeldeckerbus

Bis 1990 wehte ein Hauch von London durch Wiens Straßen. Denn einige Buslinien, nicht nur der 13A, waren mit doppelstöckigen Bussen unterwegs. Das obere Stockwerk wurde leider – außer von begeisterten Kindern wegen der Aussicht – kaum genutzt. Zu groß war die Sorge vieler Fahrgäste, nicht rechtzeitig bei der Haltestelle zur Tür zu kommen. Deshalb wurden die Doppeldecker ab dem Ende der 80er-Jahre wieder durch einstöckige Busse ersetzt.

Auf der Linie 39A verkehrten Doppeldeckerbusse.
Auf der Linie 39A verkehrten Doppeldeckerbusse.

E wie E1

Die alten Straßenbahn-Modelle „E1“ und „E2“ werden in den kommenden Jahren nach und nach aus dem Wiener Stadtbild verschwinden. Das ist für manche ein harter Schlag, da vor allem der E1 viele Fans hat. Die roten "E"-Straßenbahnen prägen seit mehr als 40 Jahren das Wiener Stadtbild. Die neue Straßenbahngeneration "Flexity Wien" lehnt sich in der Farbgebung an die beliebten alten Straßenbahnen an, ist aber klimatisiert und barrierefrei.

Eine Bim des Types E1 wird verschrottet.
Eine Bim des Types E1 wird verschrottet.

F wie Fogerty-Projekt

Obwohl sie erst 1978 in Betrieb ging: Überlegungen für eine Wiener U-Bahn gab es seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Eines der vielen Projekte, die nie realisiert wurden, war die geplante Stadtbahn des irischen Architekten Joseph Fogerty. Dieser plante in den 1880er-Jahren eine vollständig privat finanzierte Eisenbahn entlang von Gürtel, Donaukanal und Wienfluss. Das Vorhaben scheiterte letztlich am politischen Widerstand gegen das „imperialistische und protektionistische England“.

Ein Dampfzug der alten Stadtbahn um 1918 am Josefstädter Gürtel.
Ein Dampfzug der alten Stadtbahn um 1918 am Josefstädter Gürtel.

G wie Grundnetz

Wir haben die Wiener U-Bahn in mehreren Stufen gebaut. Die in der ersten Phase zwischen dem Startschuss Ende der 1960er-Jahre bis 1982 errichteten Linien U1, U2 und U4 werden deshalb auch „Grundnetz“ genannt. Mehr Infos zur mittlerweile 40-jährigen Geschichte der Wiener U-Bahn gibt’s in unserem Blog.

Reger Ansturm bei der U1-Eröffnung am Karlsplatz 1978.
Reger Ansturm bei der U1-Eröffnung am Karlsplatz 1978.

H wie der „Halbstarke“

Als „Halbstarke“ bezeichneten Fans der Wiener Öffis seit den 1960er-Jahren die Straßenbahnzüge, in denen ein alter Triebwagen mit einem modernen Beiwagen zusammengespannt wurde. Über Jahre prägten diese Züge das Straßenbild, da passende Triebwägen erst später angeschafft wurden.

Eine "Halbstarke" 1963 in der Triesterstraße.
Eine "Halbstarke" 1963 in der Triesterstraße.

I wie Inselbetrieb

Ein Inselbetrieb wird dann durchgeführt, wenn eine Strecke aufgrund einer Störung nicht durchgehend befahrbar ist. Die Strecke wird vor der Störungsstelle zweigeteilt. Die Züge verkehren in zwei Schleifen bis zur jeweils letzten anfahrbaren Station. Dazwischen bleibt ein Streckenabschnitt - eine Insel - die nicht angefahren werden kann.

J wie Jonas-Reindl

Die zweigeschoßige Straßenbahnschleife beim Schottentor, in der insgesamt sieben Straßenbahnlinien halten, trägt im Volksmund den liebevollen Namen „Jonas-Reindl“. Die Gründe: In den 1960er-Jahren, als die Schleife errichtet wurde, war Franz Jonas Bürgermeister von Wien; und das Bauwerk erinnert in seiner Form an ein Reindl, also einen kleinen Topf.

Hier steigen Fahrgäste gerade in der unteren Schiene in eine Bim ein.
Hier steigen Fahrgäste gerade in der unteren Schiene in eine Bim ein.

K wie Kurzzug

Am Abend und außerhalb der Stoßzeiten waren lange Zeit Kurzzüge im Wiener U-Bahn-Netz unterwegs. Bei den Silberpfeilen, die bis heute im Einsatz sind, war ein Doppeltriebwagen abgekoppelt - der Zug war also um ein Drittel kürzer als regulär. Tafeln an den Bahnsteigen wiesen darauf hin, wo genau der Kurzzug hält. Als die Fahrgastzahlen immer weiter stiegen und die U2 2008 in den 2. Bezirk verlängert wurde, verschwanden die Kurzzüge aus dem Netz.

Die U2 fährt bis 2008 auch als Kurzzug in die Station Lerchenfelderstraße ein.
Die U2 fährt bis 2008 auch als Kurzzug in die Station Lerchenfelderstraße ein.

L wie Leichentram

Die Leichentram war in der Zwischenkriegszeit und im Zweiten Weltkrieg in Wien im Einsatz. Sie bestand aus einem normalen Triebwagen und umgebauten Beiwägen, die jeweils bis zu zwölf Särge fassten. Die Leichentram transportierte Tote aus den Wiener Spitälern zum Zentralfriedhof. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurden zwei Waggons der Leichentram schwer beschädigt. Heute sind leider keine historischen Leichenwägen mehr erhalten.

Im umgebauten Beiwagen der Leichentram hatten bis zu 12 Särge Platz.
Im umgebauten Beiwagen der Leichentram hatten bis zu 12 Särge Platz.
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