Darum ist Straßenbahnfahren für sie ein Traumberuf

Anna-Maria absolviert derzeit eine Ausbildung zur Straßenbahnfahrerin bei den Wiener Linien. An ihrem künftigen Job reizt sie vor allem die hohe Selbstständigkeit und die Tatsache, dass sie zum Umweltschutz beiträgt.

Dass die Bim eines Tages der Arbeitsplatz von Anna-Maria wird, war ihr eigentlich schon früh klar. „In meiner Jugend hat meine Tante eine Ausbildung zur Straßenbahnfahrerin absolviert. Das hat mich so fasziniert, dass ich beschlossen habe, ebenfalls diesen Beruf zu ergreifen, sobald ich das Verantwortungsbewusstsein und die nötige Reife habe.“ Ihr Berufsweg, so erzählt sie weiter, verlief dann aber doch ein wenig anders. Sie wollte die Welt sehen und arbeitete als Flugbegleiterin. „Als Folge der Corona Pandemie habe ich mir immer öfter die Sinnfrage gestellt. So ist schließlich der Wunsch von damals wieder aufgetaucht und gleichzeitig haben die Wiener Linien StraßenbahnfahrerInnen gesucht“, begründet Anna-Maria, die derzeit ihre Ausbildung bei den Wiener Linien absolviert, ihre Entscheidung.

Schulung

Diese setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Zunächst stehen 35 Tage abwechselnd Theorie und Ausfahrten mit dem Schulzug – also ohne Fahrgäste – auf dem Lehrplan. Nach einer zweitägigen Prüfung folgen 18 Tage, an denen die SchülerInnen unter Aufsicht von LehrfahrerInnen sowie mit Fahrgästen unterwegs sind. Auch dieser Teil endet mit einer finalen Prüfung. Die Grundausbildung erfolgt auf den beiden Typen ULF und E2. Der Flexity – das neueste Straßenbahnmodell der Wiener Linien – zählt derzeit noch als Sondertype.

Kundenorientierung

Oberste Priorität hat in der Ausbildung das Thema Sicherheit. Die Einhaltung von Verkehrsvorschriften und Geschwindigkeit zählt ebenso dazu wie die Kenntnis aller Signale sowie das sichere Führen des Zuges. Auch die Kundenorientierung wird den SchülerInnen von Anfang an vermittelt, begreifen sich die Wiener Linien doch in erster Linie als Dienstleistungsunternehmen. Worauf sich Anna-Maria in der Ausbildung schon besonders freut? „Natürlich auf die Ausfahrten, die Gefahrenübungen und die Nachtfahrt.“ Noch vor einigen Jahrzehnten waren in Wien fast ausschließlich Männer als Straßenbahnfahrer unterwegs. Seit einigen Jahren steigt die Zahl der Frauen im Fahrdienst der Wiener Linien stetig. Dass ihr künftiger Beruf lange Zeit eine Männerdomäne war, stört Anna-Maria nicht. „Darüber mache ich mir ehrlich gesagt keine Gedanken mehr, zumal es auch schon auffällig viele Fahrerinnen gibt“, sagt sie. Dennoch ist sie jenen Frauen dankbar, die vor gut 50 Jahren den Mut hatten, sich für den Job zu bewerben: „Sie haben die Weichen für uns gestellt.“

Sinnvoll

Frauen, die mit dem Gedanken spielen, sich als Straßenbahnfahrerin bei den Wiener Linien zu bewerben, rät sie, „es einfach zu tun!“ „Man wird so ausgebildet, dass das theoretische Wissen sehr schnell in die Praxis umgesetzt werden kann. Dadurch fühlt man sich sicher und kann gelassen auf die Herausforderungen, die der Verkehr bietet, reagieren“, so die
zukünftige Straßenbahnfahrerin. Was Anna-Maria besonders an
ihrer neuen Tätigkeit reizt, ist die Selbstständigkeit und der Umstand, dass man einen sinnvollen Beruf ausübt: „Als Straßenbahnfahrerin kann ich auch der Umwelt einen Gefallen tun und das fühlt sich gut an.“

Hier könnt ihr über ihren zukünftigen Kollegen Peter Bures lesen, für den das Straßenbahnfahren eine Berufung ist. Auch auf unserem Blog: Die Geschichte von Isolde Feiwikl, eine der ersten Straßenbahnfahrerinnen Wiens.

Dieser Beitrag erschien im VORmagazin 01/2021. Text: Andreas Cavar; Fotos: Alexandra Gritsevskaja.

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