Altes Landgut, U1-Station

Brake Energy: U-Bahnen als kleine Kraftwerke

Durch Reibung entsteht Hitze und durch Bremsen wird Energie frei. Um diese Energie in unserem U-Bahn-Netz bestmöglich nutzen zu können, haben wir eine innovative Lösung gefunden!

Die Öffis sind Energiesparmeister. Dafür sind wir immer auf der Suche nach neuen Ideen, um unsere Fahrgäste noch umweltschonender durch die Stadt zu bringen.

Wie funktioniert dieses System eigentlich?

Es passiert täglich tausende Male: Immer, wenn eine U-Bahn in einer Station stehen bleibt, wird Bremsenergie frei. Ein Großteil der gewonnenen Energie wird rückgespeist und treibt andere anfahrende Züge an. Jedoch was tun, wenn gerade kein Zug sich zeitgleich in der Station befindet? Bis vor einigen Jahren blieb die entstandene Energie ungenützt und wurde in Wärme umgewandelt. Dank des Projektes "Brake Energy" kann diese Energie aber recycelt werden: Ist gerade kein anderer Zug in der Station, wird die überschüssige Bremsenergie in das 20kV-Wechselstromnetz der Wiener Linien eingespeist. So werden Rolltreppen, Aufzüge und Beleuchtung in Stationen mit recyceltem Strom versorgt.

Inzwischen gibt es bereits zwei Brake Energy Anlagen: Eine in der U2-Station Hardeggasse und eine in der U1-Station Altes Landgut. Wir haben uns genauer angesehen, wie wir ohne viel Verlust diese Energie nutzen können.

Die beim Bremsen gewonnene Energie kann andere Fahrzeuge in der Umgebung beim Anfahren antreiben, oder zur Versorgung von Anlagen wie Licht, Aufzügen, Rolltreppen, Lüftungen und sonstigem zur Verfügung stehen.

Welche Fahrzeuge können Energie recyceln?

Egal ob Bim oder U-Bahn - fast alle unsere Schienenfahrzeuge sind bereits kleine "Kraftwerke": die Energie, die beim Bremsen frei wird, fließt zurück ins Gleichstrom-Netz, und kann somit andere Fahrzeuge in der Umgebung beim Anfahren mit dieser freigewordenen Energie antreiben.

Die Silberpfeile der zweiten Generation, der V-Wagen, die U6-Niederflur-Garnituren und die ULF-Straßenbahnen waren bereits ab Werk mit der dafür notwendigen Technik ausgestattet. Mittlerweile wurden auch alle älteren Silberpfeile und der Großteil der Hochflurstraßenbahnen umgerüstet.

Seit dem Jahr 2006 betreiben wir ein eigenes, wachsendes Wechselstromnetz, mit dem wir unsere U-Bahn-Stationen versorgen. Dieses Netz ist ein stabiles und aufnahmefähiges Netz, somit war es bestens für die Pilotanlage in der U2-Station Hardeggasse zur Energierückgewinnung geeignet. Um jedoch den eingespeisten Gleichstrom im Mittelspannungsnetz nutzen zu können, war die Installation einer Wechselrichteranlage notwendig. Sie kann den Gleichstrom in Wechselstrom umwandeln.

Nach welchen Prioritäten wird die Energie für andere U-Bahnen und Aufzüge eingesetzt?

Die Priorität im U-Bahnnetz ist der Austausch der Energie zwischen den bremsenden und den anfahrenden Zügen. Ist dieser Energiefluss nicht möglich, wird der Gleichstrom in Wechselstrom umgewandelt und ins 20-kV-Netz der Wiener Linien eingespeist. Dort steht er zur Versorgung der Anlagen wie Licht, Aufzüge, Rolltreppen, Lüftung und sonstigem in den Stationen zu Verfügung.

Wie viel Energie wird dadurch gespart?

Die Öffis sind wahre Energiesparmeister. Je mehr Energie recycelt werden kann, desto weniger Energie muss neu erzeugt werden. Die Berechnungen zeigen: Die beiden Anlagen können im Jahr rund 3 Gigawattstunden Strom „erbremsen“. Das entspricht dem Stromverbrauch von durchschnittlich 720 Haushalten und spart rund 400 Tonnen CO2.

Sind weitere Anlagen geplant?

Das Erfolgsprojekt startete mit einem Pilotversuch 2018 in der U2 Station Hardeggasse. In Zukunft sollen vier weitere Anlagen gebaut werden, um die Rückspeisung im gesamten Netz zu ermöglichen. Die nächste Anlage steht bereits in den Startlöchern. Sie ist für 2021 in der U4 Station Ober St. Veit geplant.

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Kommentare (10)

  • Perfekt, aber das ist nicht mein Anliegen. Es bezieht sich auf U-Bahnstationen, z. B. Haltestellen, wo die Sonne draufscheint. Hardeggasse oder Stadlau.

  • Guten Tag!

    Wenn ich mir etwas wünschen darf, dann wären es bei so einer interessanten Nachricht mehr technische Hintergrund-Information, Information, die zumindest ein bisschen ins Detail geht oder zumindest einen Link zu weiterführenden Materialien anbietet. Nur als Beispiel: Ist die „Anlage“ im Triebwagen verbaut, als besondere (magnetische) Art einer Bremse? Ist es eine Anlage am Gleiskörper, eine Art verkehrter Linearmotor?
    Mit freundlichen Grüßen
    Rainer Vogelauer

    • Hallo, in den Triebwägen wurden keine gesonderten Anlagen verbaut. Jeder Antriebsmotor in den U-Bahn-Zügen der Wiener Linien kann beim Bremsen im Generatorbetrieb Energie zurückspeisen. Diese Einspeisung erfolgt mittels Gleichstrom auf der Stromschiene. Damit können aber nur andere Züge versorgt werden. Falls während der Bremsung kein anderer Zug Energie benötigt, wird die durch den Motor erzeugte Energie an den Bremswiderständen am Zug verheizt. Durch das rückspeisefähige Unterwerk kann der eingespeiste Gleichstrom wieder in das Wechselstrom-Verteilnetz der Wiener Linien eingespeist werden.

  • Das ist eine tolle und ökologische Sache!!!

    Warum wird dieses System nicht in jeder Station eingebaut wenn sich das System „rechnet“.
    Das wäre doch auf für die derzeit darniederliegende Wirtschaft eine tolle Sache.

    Was spricht technisch dagegen in jedem elektrischen Fahrzeug der Wiener Linien (oder anderenn Stadtwerken oder der ÖBB) die Möglichkeit einzubauen, Bremsenergie über das Netzwerk zurückzugeben?
    Das wäre doch auch super für die Wirtschaft?

    Danke und lG
    A. Himml

    • Hallo Anton, unsere Fahrzeuge sind im Stande die Energie zu recyceln. Es sind vier weitere Anlagen geplant. Damit können wir dann im gesamten Netz den Strom recyclen.

  • Und warum wird das nicht in jeder U-bahn Station nachgerüstet? Da könnte man doch unheimlich viel Strom sparen und die Anschaffungskosten der Anlagen müssten doch bald wieder hereinkommen.

    • Hallo Michael, unser Stromnetz verbindet alle Stationen, es ist daher nicht notwendig eine Wechselrichteranlage in jeder Station einzurichten. Neben den beiden bestehenden Anlagen (U1 Altes Landgut, U2 Hardeggasse), sind weitere vier Anlagen geplant. Damit können wir dann im gesamten Netz den Strom recyclen.

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