WienMobil - mit einer App die Stadt im Griff.

WienMobil – die neue App im Alltagstest

Stadtbenutzer- und Mobilitäts-Apps gibt es viele. Eine „All in One“-App, die von Öffis über Rad, Taxi bis hin zu Carsharing, Autorouten und Taxiruf alles im Blick hat und neben Fahrzeiten auch Preise und Klimaverträglichkeit angibt, aber nicht. Bis jetzt. Thomas Rottenberg testete die neue App WienMobil – und hat nur einen Kritikpunkt: Die App sollte im Sommer auch noch den nächsten Eissalon anzeigen.

Text und Fotos im Artikel von Thomas Rottenberg

Ja eh: Es gibt viele, verdammt viele, Apps, mit denen man gut und schnell und schlau durch Städte kommt. Und zwar auf 1001 Arten: Zu Fuß, am Rad, im Auto, mit dem Taxi oder den Öffis. Mit Leih- oder Carsharing-Fahrzeugen. Mit Kinderwagen, Roller, Hund und wasweißichdennnoch. Vermutlich - man muss sicherlich nur lange genug suchen, gibt es auch eine Durch-die-Stadt-Komm-App für Linkshänder (und -innen) mit einem Faible für grüne Schuhe mit gelben Socken. Gut so. Das meine ich ohne Ironie und Häme.

Nur hat die Sache halt einen Nachteil: Was, wenn der Grünschuhgelbsockenlinkshänder einmal blaue Schuhe anhat? Wenn der Autofan ein Taxi will? Der Radfahrer wetter- oder patschenbedingt - die U-Bahn braucht? Oder wenn man mehrere Verkehrsmittel verwenden will? Klar: Man kann „switchen“. App-Hopping betreiben: Von einer Smartphone-App zur nächsten schalten, Routen eingeben, Fahrzeiten vergleichen, Wartezeiten gegen Komfort und Kosten aufrechnen. Und man wird dann irgendwann auch einen Plan im Kopf haben. Aber mit ziemlicher Sicherheit am Handy zwischen den Apps längst den Überblick verloren haben. 

Als mich die Wiener Linien fragten, ob ich WienMobil, die neue All-in-One-App ausprobieren wolle, dachte ich zuerst: „Wozu? Qando (die Öffi-App der Wiener Linien; Anm.) funktioniert doch eh super…“ Aber weil probieren über raunzen geht, habe ich mich eingeloggt und den Unterschied auf den ersten Blick gesehen und erkannt. Und vor allem: Gespürt.

 

Alles auf einen Blick

Der Clou an WienMobil ist nämlich das Komplettangebot. „All in One“ nennt man sowas bei Fernbedienungen für TV & Co., „Supermarkt“ im Lebensmittelhandel. Und WienMobil beim schlauen Durch-die-Stadt-unterwegs sein: „Mit einer App die Stadt im Griff“ ist der Slogan der Betreiber - und auch das, was man schon beim Hochfahren sieht: Alleine, dass da beim Startbild alle Öffi-Haltestellen, Taxistandplätze, City-Bike-Terminals in der Umgebung sowie die am nächsten geparkten, freien Car2Go- oder DriveNow-Mietwägen auf einem Umgebungsplan angezeigt werden, ist ein fettes Asset.

Alle Verkehrsmittel in der Umgebung auf einen Blick.

 

Und dass, am gleichen Startscreen und gleich darunter, auch noch die Entfernung zu den nächsten Haltestellen und Standplätzen angezeigt werden - inklusive Wartezeiten auf den nächsten Bus, die nächste Bim oder U-Bahn - der Anzahl der verfügbaren Citybikes und Rückgabeslots oder der Tankbefüllung des Leihwagens, ist auch super: Wenn ich lieber radeln würde, aber sehe, dass da kein Bike ist, spare ich mir so den Weg zur Rad-Station - und warte auf den Bus. Oder rufe ein Taxi - mit einem Klick, gleich hier, auf der App-Startseite.

Kurz: Sogar dann, wenn ich nicht in die Tiefen der App und ihrer Funktionen eindringe, bietet mir WienMobil einen echten, sofort spürbaren Komfortgewinn beim Benutzen der Stadt. Sogar beim Spazierengehen mit den Kids: Wenn der (B)Engel zu quängeln beginnt, genügt ein Blick auf die App, um glaubwürdig nicht nur sagen zu können, dass die nächste U-Bahn-Station doch eh gleich ums Eck ist, sondern auch einen Plan B anbieten zu können: „OK, dann nehmen wir eben den lustigen Smart. Bis dorthin schaffen wir es. Wer ist zuerst dort?“

Apropos Spazierengehen, Kinder & Sommer. Natürlich könnte man die App noch „pimpen“: Die Entfernung zum nächsten Eissalon samt Sortenangebot und Warteschlangenwarnung wäre ein Feature, das ich extrem schätzen würde. Nicht nur wegen der Kinder …

Unterschiedliche Verkehrsmittel in einer App

Aber im Ernst: Auf solche Was-könnte-man-noch-einbauen-Ideen komme ich nur, wenn etwas funktioniert. Weil ich meine Energie und Kreativität sonst aufs Fluchen & Nörgeln verlagere. Und bei WienMobil tue ich mir da echt schwer: Bei den Filtern und Einstellungen kann ich ganz genau eingeben, welchen Rad-Verleih (Wiens Citybike, das niederösterreichische Nextbike oder Grazbike, wenn ich an der Mur bin) ich nutzen will.  Carsharing-Dienste (derzeit Car2Go, Drive Now, ZipCAR und Europcar), die jeweiligen Öffis und Taxistandplätze werden mir automatisch angezeigt - und falls ich Bedarf nach barrierefreien Verkehrsmitteln haben sollte, kann ich das ebenso angeben. Super!

 Sogar Parkgaragen ringsum könnte ich mir zeigen lassen. Fein, aber ich besitze kein eigenes Auto - weil ich in Wien keines brauche: Der individuelle „Modal Split“, also die Wahl der Verkehrsmittel, erlaubt es mir gerade in Wien alle meine Mobilitätsbedürfnisse auch ohne eigenen PKW bequem, nach Maß und ohne Abstriche zu erfüllen.

Und abgesehen vom unmittelbaren, praktischen Nutzen, meine Wege durch die Stadt schnell und effizient mit dem optimalen oder bequemsten Verkehrsmittel zurück zu legen, schafft WienMobil auch hier ein Stück Transparenz und Offenheit.

Alle Routenvorschläge auf einen Blick.

 

Umweltfreundliche Routen mit WienMobil

Das hilft mir, die für mich heute richtige Entscheidung zu treffen: Neben den reinen Kosten der Fahrt wird nämlich auch angeführt, wie sich diese Form der Mobilität aufs Klima auswirkt: Zu wissen, dass ich - nur zum Beispiel - mit dem Fahrrad lediglich zwei Minuten  langsamer als mit dem Auto von mir daheim im „Schutzhaus Zukunft“ auf der Schmelz käme, das Auto auf dieser Strecke aber 700 Gramm CO2 in die Atmosphäre bläst, lässt mich über den „Zeitgewinn“ nochmal nachdenken. Ganz abgesehen davon, dass keine Routenapp der Welt mir die Parkplatzsuch-Zeit, die dann ja noch dazu kommt, seriös vorhersagen kann … (Der Vollständigkeit halber: Mit den Öffis und zu Fuß brauche ich länger - aber der CO2-Ausstoß ist ident mit dem beim Radfahren: Null.)

 

Mit WienMobil verschiedene Verkehrsmittel kombinieren

Neben der „sortenreinen“ Strecken- und Routenberechnung kann WienMobil noch etwas: Die App verrät mir, mit welcher Kombi ich am allerschlauesten an meinen Zielort komme. Natürlich nach den von mir vorher definierten Parametern: Wenn ich nicht Rad- oder Autofahren kann oder will, bleibt die jeweilige Option selbstverständlich ausgespart.

 Und auch wenn ich bei allen anderen Anwendungen und Funktionen von WienMobil sonst sagen könnte, dass das zwar nett und praktisch ist, aber von anderen Apps einzelnen Mobilitätsanbieter ja ohnehin auch - aber eben nur singulär - angeboten wird, gehen mir in diesem Moment die Nörgel- und Aber-Argumente aus: Die Kombi-Tipps machen WienMobil zur „Killer-App“ für Stadtbenutzer.

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Kommentare (14)

  • Leider so toll ist die neue App nicht.
    Beispiel 1: Es gibt keine Echtzeitinformationen der ÖBB. Gestern zB ist der Bahnverkehr stundenlang zwischen Meidling und Liesing still gestanden, trotzdem hat mir dieses App empfohlen die Bahn ab Atzgersdorf zu nehmen. Scotty der ÖBB wusste es natürlich besser. Wenn eure App „DIE“ App für Wien sein soll, dann sollten auch alle Informationen der öffentlichen Verkehrsmittel enthalten sein. Das sollte dringend adaptiert werden.
    Beispiel 2: Bei einer Route sehe ich nur noch „EINE“ Verbindung und muss nun nach rechts und links schieben für eine weitere. Bei Qando habe ich wenigstens 3 Routen auf den ersten Blick gesehen. Großer Rückschritt. Die Grafik ist wirklich nebensächlich. Wo das Verkehrsmittel fährt kann ich ohnehin nicht beeinflussen. Besser wäre auf einen Blick mehr Vergleichsmöglichkeiten.
    Beispiel 3: Wenn ich auf Routen klicke, sehe ich zwar die letzten Auswahlen für „von“ und „nach“, aber nicht mehr die fertigen Routen wie bei Qando. Da sah ich gleich die letzten Verbindungen und mit nur „EINEM“ Klick wurde schon die Route neu berechnet. Jetzt muss man viel mehr klicken.
    Beispiel 4: Ich suche nach einer Route und gebe an, dass ich um zB 11:30 (geht aber auch mit jeder anderen Zeit und egal mit welchem Ort) ankommen möchte. Das erste Ergebnis zeigt mir eine Route, wo ich erst um 11:34 ankommen werde. Das konnte Qando besser. Mit WienMobil komme ich immer zu spät!
    Beispiel 5: Es gibt keine Möglichkeit eine Route in den Kalender zu übernehmen.
    Nebenbei angemerkt: Es ist schon sehr komisch, dass die Wiener Linien ihre Verbindungen nicht alle selber betreiben können, aber wahrscheinlich ist das wieder irgendeine komische EU Verordnungen, dass so viele Fremdfirmen beauftragt werden müssen. Aber wenn die schon im Auftrag der Wiener Linien fahren: Wo sind die Echtzeitinformationen dazu? Wenn die schon in eurem Namen fahren, warum müssen sie nicht auch das gleiche Service anbieten? Statt den Betreibern die gleiche Busfarbe vorzuschreiben (mittlerweile sind sie nämlich alle rot-weiß – das bis vor wenigen Jahren so nicht der Fall), wären Fahrgastinformationen viel hilfreicher gewesen.

  • Man kann auch einfach wegfinder verwenden – die App ist wenigstens ausgereift und hat ein User Interface das kein Horror in der Bedienung ist. Gibt es übrigens schon lange VOR WienMobil unter dem Namen Nextstop (ein Schelm wer Böses denkt…)

      • WienMobil Lab gab es ein Jahr ca bevor man kurzerhand ohne nennenswerte Verbesserungen Version 2.0 draufgeschrieben hat und es plötzlich als verbessert und fertig bezeichnet hat. und Wegfinder bzw damals noch unter dem Namen Nextstop gibt es schon deutlich länger als eure schlechte Kopie – egal ob als Lab oder Möchtegern ausgereifte Variante 😉 lg

  • Wäre schön, wenn es auch eine Windows 10 – App dafür gäbe (wenn schon nicht für Mobile – kenne die Argumente dazu zur genüge! – so wenigstens als UWA, damit auf Tablets nutzbar!

  • Nach der letzten Aktualisierung der ioS WienMobil-App Versoin 2.0.5 vom 11.7.2017 lässt sich die App nicht einmal mehr öffen. Sie kehrt sofort zum ioS zurück (auch nach kompletten Neustart des iPhones).

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