Viele Betriebsgebäude werden heute anders genutzt als früher.

Was wurde aus ehemaligen Remisen und Bus-Garagen?

Nichts währt ewig. Viele unserer betrieblich genutzten Gebäude sind heute Wohnhäuser oder Supermärkte. Andere wurden abgerissen oder stehen leer. Eine Remise wurde sogar zum Museum. Wir zeigen Bilder von gestern und heute.

Nicht alle Betriebsgebäude, die die Wiener Linien seit den Anfängen des öffentlichen Verkehrs genutzt haben, sind heute noch von außen als solche erkennbar. Wo früher FahrerInnen ein und aus gingen, leben heute Menschen oder erledigen AnrainerInnen ihren Wochenendeinkauf.

Neben den Bahnhöfen wandelten sich auch unsere ehemaligen Garagen.

In Wien gibt es auch noch andere, ehemals von den Wiener Linien genutzte Gebäude, die heute ganz anders aussehen als früher.

Bei so vielen veränderten Nutzungen stellt sich die Frage: Gibt es heute eigentlich weniger Remisen und Betriebsgebäude als früher? Und warum? Einerseits wurden viele Standorte zusammengelegt - gerade die immer aufwändigere Technik wird am besten ausgelastet, wenn möglichst viele Straßenbahnen oder Busse auf einem Standort konzentriert sind. Die Wiener Linien kommen heute für rund 500 Straßenbahnen mit 10 Remisen aus, für die ebenso hohe Zahl an Bussen reichen drei Busgaragen, darunter eine sehr große, neu gebaute Anlage in Leopoldau. Die Wartungskapazitäten bei der U-Bahn sind mit einer neuen Halle in Heiligenstadt gerade erweitert worden, auch bei der U1-Verlängerung nach Oberlaa werden Abstellhallen gleich mitgeplant und -gebaut. Für Bus und Bim gilt aber: Wenn der Öffi-Verkehr weiter ausgebaut werden soll, braucht es in der Zukunft vielleicht sogar eine neue Remise oder eine zusätzliche Busgarage...

In unserem U-Bahn-Netz findet sich sogar eine Station, die es fast unverändert heute noch gibt, die Fahrgäste aber nicht mehr zum Ein- und Aussteigen nutzen können. Die Station Lerchenfelder Straße, zwischen Volkstheater und Rathaus, war früher eine Haltestelle der unterirdischen Straßenbahnstrecke unter der Auersperg- und Museumstraße. Bei der sogenannten "Ustrab" fuhren mehrere Linien durch den Tunnel. 1980 wurde auf U-Bahn-Betrieb umgebaut. An der Station hielt die U2, die mit kurzen U-Bahn-Zügen damals nur zwischen Karlsplatz und Schottenring fuhr. 2003 wurde die Station aufgelassen. Mit verlängerten Bahnsteigen für einen Betrieb mit normal langen Zügen wäre der ohnehin geringe Stationsabstand viel zu kurz geworden: Die Nachbarstationen sind nur einen Steinwurf entfernt. Fotos von damals können wir Ihnen zeigen. Für einen aktuellen Blick auf das, was unter der Erde von der Station übrig blieb, müssen Sie während der U-Bahn-Fahrt zwischen Rathaus und Volkstheater konzentriert aus dem Fenster schauen… An der Oberfläche haben die alten Einstiege ihre Funktion verloren, sie wurden neu mit Kunst gestaltet.

Einblicke in die Geschichte des öffentlichen Verkehrs in Wien erhalten Sie auch in der Remise - Verkehrsmuseum der Wiener Linien

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Kommentare (8)

  • Ich finde derartige Informationen für sehr interessant, speziell für ältere Personen wie mich (Baujahr 1939), die viele der gezeigten Objekte noch aus der Betriebszeit (Rahlgasse Schüerfahrausweise) kennen. Mich interessieren speziell die alten Remisen und auch die Nachnutzung. Hier muss Harald Marincig großes Lob gespendet werden für die großartige Sammlung an Fahrzeugen die durch seine Initiativen gerettet wurden, aber auch den vielen ehrenamtlichen Strassenbahnern aus der Fanszene. Aber auch danke für diese Infos, die ich mir gerade angesehen habe. Für weitere Informationen ersuche ich um Verständigung bei neuen und alten Sachen. Danke!
    Die ersten 21 Jahre meines Lebens habe ich in der Nähe des Bhf Wexstrasse (vis á vis in die Volksschule gegangen) gelebt und 1945 noch einige Tage eine Damprtramwaylok bei uns (Klosterneuburgerstrasse) fahren gesehen, auch die Totentransportwagen sind mir in Erinnerung und Lasttriebwagen als Zugfahrzeuge für die Personenwagen.
    Bin von Anfang an Bezieher des herrlichen Tramwaykalenders in A3 Format. Es wäre schön, wenn man ihn abbonieren könnte mit fixen Bezug (Abholung) bei einer Infostelle (vielleicht Westbahnhof U6 Ebene)?!

    • Ein Fixbezug unserer Kalender ist nicht geplant. Wir hoffen, Sie bleiben dem Kalender trotzdem treu 😉

  • Ab wann wurde dann der Bahnhof in der Aßmayergasse als Werkstatt und Oberbaulager, sowie Möbellager, genutzt ?

    • Hallo, die Aßmayergasse wurde im Jahr 1932 als Betriebsbahnhof geschlossen und zum Abstelllager. Als Oberbauwerkstätte wurde der Standort bis 1987 genutzt.

  • Hallo

    Finde diesen Blog sehr interessant. Wo entstand das Foto auf dieser Seite ganz oben zu sehen ist ? Ich würde mir auch wünschen, Blogs über einzelne Bahnhöfe, in meinen Fall Favoriten, zu bringen mit Fotos. Bin seit 1988 am Bahnhof Favoriten, aber es sind so gut wie kaum Fotos von davor zu finden. Hätte gerne mehr über die Geschichte und Entstehung meiner Dienststelle erfahren.

    Mfg.

    • Schön, dass unser Beitrag gefällt! Das Headerbild zeigt die Garage Zedlitzgasse. Danke für die Anregung, wir behalten sie im Hinterkopf.

  • … bin erst vor kurzem auf dieses Internet-Adresse gestoßen. Gefällt mir sehr gut und ich kann auch etwas beitragen, was ich vor einigen Jahren geschrieben hatte.

    U6: Abschied in aller Stille vom Typ E6/c6 zwischen Siebenhirten und Floridsdorf
    (verfasst im Jänner 2009)

    Nun ist es geschehen: Die noch keineswegs alten U-Bahnwagen der Type E6 (Triebwagen) und c6 (Beiwagen) haben seit wenigen Wochen anscheinend ausgedient. Dabei haben manche von ihnen erst grad mal das zarte Alter von 16 Jahren erreicht. Dennoch haben sie seit ihrer Indienststellung eine merkwürdige Geschichte und schon in ihre äußeren Erscheinung hatten sie mehr von einer Straßenbahn, als von einem U-Bahn-Zug.

    Das hat aber am Gürtel bereits seit Stadtbahnzeiten eine gewisse Tradition. Schon die alten Tatzelwurm-Garnituren mit ihren roten Wagerln und geheimnisvollen Liniensignalen wie „G“ oder „WD“ sahen mehr nach „71er“ oder „D-Wog’n“ aus. An heißen Sommerabenden war es für mich als Student, der in der Nähe der Station Burggasse gewohnt hat, oft eine erfrischende Abwechslung, bei voll geöffneten Fenstern eine komplette Gürtelrundfahrt mit der Linie „GD/DG“ mitzumachen. Besonders spektakulär die Fahrt über den Viadukt von der Station Friedensbrücke, wenn man mit den rumpelnden Wagen aus beachtlicher Höhe kommend gleichsam „im Landeanflug“ in die Station Nussdorferstraße einfuhr. Eigentlich schade, dass es diese alten N1/n2 Garnituren nicht mehr gibt. In sicherheitstechnischer Hinsicht waren sie bis zum Jahr ihrer Ausmusterung 1983 überholt; in lüftungstechnischer Hinsicht hatten sie den heutigen Öffi-Garnituren jedoch manches voraus.

    Angeblich war es die historische Gürteltrasse von Otto Wagner, die der „Straßenbahn auf U-Bahngleisen“ das Design gegeben hat, denn für diese Strecke – so hieß es zumindest offiziell – waren richtige U-Bahn-Garnituren zu schwer. Spätestens ab der im April 1995 erfolgten Verlängerung der Gürtellinie nach Wien Siebenhirten auf der Strecke der Straßenbahnlinie 64 waren jedoch die verfügbaren E6/c6 Garnituren heillos überfordert. Weitere Wagen mussten bestellt werden und es setzte sich ein merkwürdiger Mischbetrieb durch, demgemäß zwischen den beiden Triebwagen am Zuganfang und –ende und den jeweils nachfolgenden Beiwagen in der Mitte ein Niederflurwagen vom Typ T zwischengeschoben wurde. Das brachte zwar Vorteile für Kinderwagen und Fährgäste, die sich ansonsten beim Ein- und Aussteigen schwer tun, der Mischbetrieb hatte aber auch seine technischen Tücken. Hierzu gehört auch die unterschiedliche Fahrzeugbreite, weshalb die schmaleren Wagen des Typs E6/c6 mit verbreiterten Einstiegsstufen (sog. „Ohrwascheln“) unterwegs waren. Vieles rund um die E6/c6 Garnituren erschien bis zu ihrer Ausmusterung improvisiert, manches passte nicht zusammen und irgendwie hatte ich immer den Eindruck, dass man auch dann noch bei der U6 sparen wollte, wenn man bereits ahnte, dass dies den Verkehrsbetrieben teuer zu stehen kommen könnte.

    Kaum sind nun diese Garnituren in aller Stille von der U6 verschwunden, gehen sie mir schon ab. Hatten die Beiwagen an den Stirnseiten doch den Vorteil weit zu öffnender Fenster – ein Luxus den man als Frischluftfanatiker in Zeiten brütender Hitze und dampfender Fahrgastmassen nicht hoch genug schätzen kann. Freilich hatten die weiß-roten Wagen nicht jene pittoreske Ausstrahlung der mit maximal 40 km/h dahinrumpelnden Stadtbahn-Wagerln. Freilich sind die Garnituren des Typs T und namentlich die neuen klimatisierten Züge des Typs T1 um vieles komfortabler. Und schließlich hat man den alten Zügen während der letzten Monate wohl auch ansehen können, dass sie in ihren letzten Tagen nurmehr lieblos gepflegt wurden. Dennoch und trotz alledem, werden sie mir fehlen und zwar einfach deshalb, weil man sich nach ca. 25.000 km gemeinsam verbrachter Zeit mit Schnee, Hitze, Regen, Wind oder einfach nur bei schönem Wetter schlichtweg aneinander gewöhnt hatte.

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