U-Bahn Zug der Linie U4 in Fahrtrichtung Heiligenstadt kurz vor der Station Ober St Veit, Juli 2013

Von der Stadtbahn zur U-Bahn

Die U4 ist zwar nicht die erste U-Bahn der Welt, aber die älteste Strecke von Wien – seit mehr als 110 Jahren ist sie Rückgrat des öffentlichen Verkehrs.

Nach umfangreichen Planungen fällte der Reichsrat 1892 den Beschluss zum Bau der Wiener Stadtbahn, darunter die Wiental- und Donaukanallinie, die sich quasi als Nebenprodukt der laufenden Wienflussregulierungen und des Ausbaus des Donaukanals zu einem innerstädtischen Schiffsweg ergaben. Die künstlerische Ausgestaltung der Stationen wurde dem Jugendstilarchitekten Otto Wagner übertragen. Dieser entwarf eine „Corporate Identity“ der Stadtbahn – zwei Standardtypen von Stationsbauten, einer für Trassenführung in Hochlage, einer für die Tieflage. Allen gemeinsam sind die zentrale Eingangshalle und zwei symmetrisch angeordnete Stiegenanlagen, die zu den Bahnsteigen führen. Baubeginn war schließlich 1894. Der erste Abschnitt des Vorläufers der heutigen U4 wurde am 1. Juni 1898 eröffnet – natürlich mit Dampfbetrieb. Es handelte sich um die Strecke zwischen dem Bahnhof Hütteldorf und der Station Meidling Hauptstraße, wo sich bis in die 1970er Jahre Wiental- und Gürtellinie trennten. Die Eröffnung des zweiten Abschnitts zwischen Meidling Hauptstraße und dem damals schon bestehenden Bahnhof Hauptzollamt der Verbindungsbahn (heute: Landstraße/ Bahnhof Wien Mitte) erfolgte am 30. Juni 1899. Der dritte und letzte Abschnitt wurde am 6. August 1901 dem Verkehr übergeben.

Elektrifizierung

Nach Kriegsende im Herbst 1918 musste auch die (unter anderem nach militärischen Erfordernissen gebaute) Wiener Stadtbahn ihren Betrieb einstellen. Grund dafür war der grassierende Kohlemangel. Die längst fällige Elektrifizierung der Wiental- und der Gürtellinie wurde zu einer der ersten größeren Unternehmungen der jetzt sozialdemokratisch verwalteten Gemeinde Wien. Seit Oktober 1925 verkehrte auf der Trasse der heutigen U4 die Linie WD (Wiental-Donaukanal). Auf den Strecken wurden straßenbahnkompatible Fahrzeuge mit Oberleitung eingesetzt.

Stadtbahn bei der Station Hietzing, 1981
Stadtbahn bei der Station Hietzing, 1981

Grüne U4

1968 beschloss der Gemeinderat den Bau des Grundnetzes der Wiener U-Bahn, das die bisherige Stadtbahn-Linie WD mit der künftigen Signalnummer U4 umfassen sollte. Der erste Abschnitt von Heiligenstadt bis zur Friedensbrücke wurde 1976 eröffnet, fünf weitere folgten. Bis nach Hütteldorf fährt die U4 seit 20. Dezember 1981.

Linie U4 zw. Stationen Meidling und zukünftiger Station Längenfeldgasse auf alter Trasse, 1983
Linie U4 zw. Stationen Meidling und zukünftiger Station Längenfeldgasse auf alter Trasse, 1983

Übrigens: Die grüne Linie ist die einzige U-Bahn-Linie Wiens, die direkte Umsteigemöglichkeiten zu allen anderen U-Bahn-Linien hat. Unter dem Titel „NEU4“ investieren Stadt Wien und Wiener Linien bis 2020 insgesamt 335 Mio. Euro in die Modernisierung der grünen Linie. Die ersten Arbeiten laufen bereits, im Sommer 2016 wird die U4 dann zwischen Hütteldorf und Schönbrunn für Renovierungsarbeiten gesperrt. 

Die Linie U4 heute bei der Station Stadtpark.
U4 im Frühling.

Fakten zur U4:

  • Die U4 verbindet 11 Bezirke: 1, 3, 4, 5, 6, 9, 12, 13, 14, 15, 19.
  • Die Streckenlänge beträgt 16,3 km mit 20 Stationen.
  • Von einer Endstation zur anderen braucht man ca. 29 Minuten.
  • Untertags fahren die Züge alle 3 bis 5 Minuten, in Verkehrsspitzenzeiten  alle 3 Minuten, abends in Intervallen zwischen 7 und 8 Minuten

Für all jene unter euch, die besonders gerne mit der U4 unterwegs sind – hier könnt ihr die Strecke der grünen Linie mitfahren und zwar ganz gemütlich, von zuhause aus:

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