Meilenstein: 1972 – Der erste Silberpfeil wird ausgeliefert

Entworfen wurden die Silberpfeile vom Eisenbahndesigner Johann Benda, der unter anderem auch den eleganten Paradezug der ÖBB, den berühmten Transalpin, entwickelte.

Der internationale Trend zum eigenen Auto führte Anfang der 50er Jahre auch in Wien zu einer schlagartigen Zunahme von Automobilen. 1950 gab es in unserer Bundeshauptstadt 67.000 zugelassene Kraftfahrzeuge, 1960 schon 203.000 und 1970 sogar 415.000. Diese Eroberung der Straßenflächen blieb für den öffentlichen Verkehr nicht ohne Folgen. Das Verkehrsnetz wurde überlastet, Staus waren an der Tagesordnung, Straßenbahnen kamen nur mehr stockend voran. Unter Bürgermeister Bruno Marek und Verkehrsstadtrat Kurt Heller stellte der Gemeinderat im Jahr 1968 daher alle Weichen für den Bau eines U-Bahngrundnetzes.

Mit einem Kran musste der neue Silberpfeil auf einem Teilstück ohne Gleisverbindung gehoben werden.
Mit einem Kran musste im August 1973 der neue Silberpfeil auf einem Teilstück ohne Gleisverbindung gehoben werden.

Die ersten Garnituren für die neue U-Bahn wurden bei Simmering-Graz-Pauker entwickelt und bereits 1972 ausgeliefert. Da der der erste Streckenabschnitt der U1 noch keinen Anschluss hatte, musste für die Probefahrt ein Zug mittels Kran im August 1973 durch einen Schacht auf die Gleise gehoben werden.

Der damalige ÖBB-Paradezug “Transalpin” wurde so wie der “Silberpfeil” von Johann Benda entworfen. Foto: Dr. E. Scherer CC BY-SA 3.0
Der damalige ÖBB-Paradezug “Transalpin” wurde so wie der “Silberpfeil” von Johann Benda entworfen. Foto: Dr. E. Scherer CC BY-SA 3.0

Der Innenraum eines Wagens bietet 8 paarweise angeordnete vis-à-vis Sitze im Mittelteil und 8 bzw. 9 Plätze an den Wagenenden. Bis 1982 bestellten die Wiener Stadtwerke insgesamt 135 Doppeltriebwägen. Die Garnituren können nur in der Werkstätte voneinander getrennt werden und haben an beiden Enden einen Führerstand. Ein U-Bahn-Zug besteht meistens aus 3 Doppeltriebwägen à 36,8m und bietet 294 Sitz- und 546 Stehplätze. Bis 2008 waren in Zeiten, in denen weniger Fahrgäste unterwegs waren bzw. auf der U2, auch Kurzzüge mit zwei Doppelwagen unterwegs. Die ersten 135 Garnituren der Type U wurden ab 1987 durch 117 weitere Doppeltriebwägen der Type U11 ergänzt. Äußerlich gleichen diese dem Vorgängermodell und sind unter anderem mit wassergekühlten Drehstrommotoren und modernisierten Notbremseinrichtungen ausgestattet.

U-Bahn Züge vom Typ Silberpfeil im Bahnhof.
U-Bahn Züge vom Typ Silberpfeil im Bahnhof.

74 Doppeltriebwagen der ersten Generation wurden zwischen 2000 und 2009 modernisiert und tragen heute die Bezeichnung U2. Die Züge werden nach und nach mit Kunststoffsitzen, Videoüberwachung und Warnleuchten zur Signalisierung des Türschließvorgangs nachgerüstet. Für alle die jetzt neugierig geworden sind und sich gerne einmal in Ruhe einen Silberpfeil aus der Nähe ansehen würden noch ein Tipp: Im Verkehrsmuseum der Wiener Linien gibt es neben ca. 40 anderen Fahrzeugen auch einen umgebauten Silberpfeil zu bestaunen. Den Transport des Silberpfeils haben wir in diesem Video festgehalten.

U-Bahn-Zug wird mit Kran fürs Publikum in den U-Bahnschacht gehievt.
U-Bahn-Zug wird mit Kran fürs Publikum in den U-Bahnschacht gehievt.

Quelle: Die Wiener Linien (Prof. Harald Marincig); Die kommunalen Wiener Verkehrsbetriebe (Walter Farthofer); Das Wiener U-Bahn-Netz (Johann Hödl); 100 Jahre Wiener Linien

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