Remise: 150 Jahre Wiener Verkehrsgeschichte

Im Zuge der Sanierung des Museumsstandorts wurde aus dem reinen Straßenbahn-Museum ein „Museum des öffentlich Verkehrs“: Die Remise.

Seit mehr als 25 Jahren besteht das Wiener Straßenbahn-Museum. Im Zuge der dringend notwendigen Sanierung des Museumsstandorts in der geschichtsträchtigen und auch denkmalgeschützten Remise in Erdberg aus dem reinen Straßenbahn-Museum ein „Museum des öffentlich Verkehrs“.

Familienfreundliches Museum statt Depot für Fahrzeuge

Das Gelände des Verkehrsmuseums war bis 1990 noch ein Betriebsbahnhof für Straßenbahnen, errichtet wurde er um 1900. Von 1986 bis 2013 befand sich hier, im dritten Wiener Gemeindebezirk, das frühere Straßenbahnmuseum der Wiener Linien. Besucht haben das Straßenbahnmuseum vor allem LiebhaberInnen älterer Fahrzeuge und echte Straßenbahnfans. Besondere Schmuckstücke des Straßenbahnmuseums waren sicher die dunkelgrüne Pferdetramway aus dem Jahr 1868 und die Dampftramwaygarnitur (1885/1886). Doch die Remise beherbergte nicht nur alte Straßenbahnen und Busse: im Jahr 2009 drehten die Pussycat Dolls hier ein Musikvideo zu ihrem Song „Jai Ho (You are my destiny)“ aus dem Film „Slumdog Millionaire“.

Remise Erdberg im Jahr 1967, ein paar Jahre später entstand hier das Straßenbahnmuseum der Wiener Linien.
Remise Erdberg im Jahr 1967, ein paar Jahre später entstand hier das Straßenbahnmuseum der Wiener Linien.

Mit dem neuen Verkehrsmuseum gibt es eine inhaltliche Neuausrichtung, die Familien in den Mittelpunkt stellt. Dieser Schritt ist laut Christian Rapp, dem Kurator der Ausstellung, wichtig, da er die bisher rein technische Präsentation von Straßenbahnen als Verkehrsmittel in den Hintergrund stellt. Im Vordergrund der neuen Ausstellung stehen deswegen die vielfältige Geschichte der Exponate sowie ein Blick hinter die Kulissen des täglichen Öffi-Betriebs.

„Unser Ziel ist es, dass wir nicht nur Fahrzeuge ausstellen, sondern wir wollen auch in die mehr als 100-jährige Geschichte der Wiener Linien eintauchen. Wir wollen zeigen wie die Menschen früher gearbeitet haben, aber auch wie sich Wien entwickelt hat,“ so Hans Baierl, Mitverantwortlicher für die Neuausrichtung des Museums. Hier ein kurzer Einblick in die Umbauarbeiten von 2013-2014:

Alltagstechnik, die Fahrgäste jahrelang benutzt haben, ist prägender Teil der Ausstellung. So ist der Bus, der 1976 beim Einsturz der Reichbsbrücke auf der Brücke fuhr und mit in die Donau gestürzt ist, im Verkehrsmuseum zu finden. Neben den Themenbereichen Straßenbahn und Autobus darf natürlich auch die U-Bahn nicht fehlen. Die Entwicklung von der Straßenbahn über die USTRAB hin zur U-Bahn war und ist schließlich ein wichtiger Punkt der Verkehrsgeschichte Wiens – und damit auch der Stadtgeschichte. So wartet nun eine umgebaute Silberpfeil-Garnitur mit verglasten Schaufenstern, die einen Blick in die Fahrzeugtechnik erlauben, auf die BesucherInnen. Ein Video des nächtlichen Transports der U-Bahngarnitur in die Remise haben wir hier für euch zusammengestellt:

Multimedial und interaktiv

Unterschiedliche Themeninseln ermöglichen in der über 100 Jahre alten Remise eine spannende Zeitreise durch die Geschichte des öffentlichen Verkehrs in Wien. Von der Pferdetramway aus Kaiserszeiten, über den berühmten „Amerikaner“ der Nachkriegszeit, bis zur Eröffnung der Wiener U-Bahn 1978, waren die Wiener Linien nicht bloß ein Verkehrsanbieter, sondern ein prägendes Element im Wiener Stadtbild – auch heute noch. BesucherInnen können sich auf unterschiedliche Schwerpunkte wie öffentlicher Verkehr in der Zwischenkriegszeit, die harte Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg oder Öffis im Alltag der Wienerinnen und Wiener in den letzten Jahrzehnten, freuen. Dabei nahm vor allem die Straßenbahn eine zentrale Rolle ein, trug sie doch die Hauptlast zur Beförderung von Menschen und Gütern im Nachkriegs-Wien. Auch der aufkommende städtische Ausflugsverkehr mit den Öffis, etwa zu den Bädern oder in den Wienerwald, ist Thema in der Ausstellung.

In der Remise befinden sich viele historische Fahrzeuge, Straßenbahnen wie Busse, aber auch etliche Sonderfahrzeuge.
In der Remise befinden sich viele historische Fahrzeuge, Straßenbahnen wie Busse, aber auch etliche Sonderfahrzeuge.

Die Remise ist ein Museum zum Angreifen, Ausprobieren und Erleben für die ganze Familie. Alle Themenstationen beinhalten deswegen interaktive und multimediale Elemente. Ein Beispiel: Der multimediale U-Bahn-Simulator erlaubt BesucherInnen, die Strecken der fünf U-Bahn-Linien aus Sicht des Fahrpersonals zu erleben. Im ehemaligen Straßenbahnmuseum spielen natürlich diese Schienenfahrzeuge eine große Rolle, immerhin sind in Wien seit fast 150 Jahren Straßenbahnen im Einsatz. Welche logistische Meisterleistung das Wiener Straßenbahn-Netz bereits in der Vergangenheit, vor dem Bau der U-Bahn, war, erfahren BesucherInnen anhand eines Spiels. Folgende Annahme: Zu Allerheiligen findet ein großes Match im Stadion statt. Menschenmassen strömen Richtung Stadion und zu den Friedhöfen. Die BesucherInnen lernen, wie herausfordernd es ist, große Menschenmassen zu koordinieren und den Straßenbahnbetrieb „am Laufen“ zu halten. Bei einer weiteren Themeninsel können Museumsbesucher in die Rolle eines Schaffners schlüpfen. Auch ein Museumshop mit Produkten rund um den öffentlichen Verkehr darf dabei natürlich nicht fehlen.

Eingangsbereich und Museumsshop (Foto: Jim Bohne CC BY-NC-SA 2.0)
Eingangsbereich und Museumsshop (Foto: Jim Bohne CC BY-NC-SA 2.0)
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