U-Bahn-Fahrer bei der Arbeit

„Plötzlich fangen’s alle zum Rennen an“

Wenn U-Bahnen verspätet sind, kann das zahlreiche Gründe haben. Zum Beispiel auch das Aufhalten des Zuges in der Station. Ein Fahrer erzählt.

Unsere Fahrgäste wollen pünktlich an ihr Ziel kommen. Einfacher gesagt als getan: Polizeieinsätze, Fahrgäste die Hilfe brauchen, technische Probleme oder sogar Schwäne, die sich auf unsere Gleise verirren: Die Liste der möglichen Ursachen für Verspätungen ist lang. Manche lassen sich nicht beeinflussen, andere schon. Eine davon ist das Blockieren der Türen beim Fahrgastwechsel in den Stationen.

"Bei der Durchsage fangen's alle zum Rennen an", erzählt Mario aus seinem Alltag als U-Bahn-Fahrer. Gemeint ist das allseits bekannte "Steigen Sie nicht mehr ein!", das viele als Aufforderung verstehen, ihre körperliche Fitness unter Beweis zu stellen, um das Schließen der Türen zu verhindern und doch noch einzusteigen. Das Resultat: Die Abfahrt des Zuges verzögert sich. Das führt zu Verspätungen und Ärger, denn auch in der nächsten Station warten Fahrgäste auf den Zug.

IN DER RUHE LIEGT DIE KRAFT

Zielsprints, Hechtsprünge oder Brachialgewalt – manche Fahrgäste ziehen alle Register, um die U-Bahn im letzten Moment noch zu erwischen. Nicht immer mit Erfolg. Je nach Fahrgast endet der Sprint mit einer eleganten Pirouette, einem leidenschaftlichen Fluch für den Fahrer oder einem Frustfoul an der U-Bahntüre.

Letzteres führt regelmäßig zu Verspätungen. "Defekte Türen müssen kontrolliert und gesperrt werden. Das dauert ein paar Minuten", erklärt Mario. Durchschnittlich ein Zug pro Woche muss deshalb eingezogen werden. "Bitte alle aussteigen, dieser Zug ist schadhaft" ist aber ein Satz, den niemand gerne hört. Denn eigentlich wollen doch alle das selbe: pünktlich ankommen. Dann muss die U-Bahn aber auch pünktlich abfahren.

WENN AUS 15 SEKUNDEN DREI MINUTEN WERDEN

Auch wenn die Türe unversehrt bleibt: Verzögerungen durch blockierte Türen summieren sich schnell. Zuerst sind es 15 Sekunden, dann eine Minute, wenig später drei. Immer mehr Menschen warten in der nächsten Station, drängen in die U-Bahn und sorgen so für eine weitere Verzögerung, weil der Türbereich blockiert ist. Verspätungen schaukeln sich auf, die U-Bahn fährt unregelmäßig und die Intervalle geraten durcheinander. Das muss nicht sein. Denn überraschend schließen sich die Türen nie. Signalton und Blinklichter zeigen deutlich, dass das Einsteigen nicht mehr möglich ist.

Manchmal hat man es eilig, oft macht man sich aber nur unnötig Stress. Mal in Ruhe einen Zug ziehen lassen, ein paar Minuten lesen, beobachten oder nachdenken – mit etwas mehr Gelassenheit, kommen alle schneller an ihr Ziel.

TIPPS UND TRICKS FÜR ZÜGIGES VORANKOMMEN

Auch Sie können einen Beitrag leisten, damit alle zügig vorankommen. In unserer Video-Playlist haben wir unsere Tipps zusammengefasst:

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Kommentare (2)

  • OK, es ist aber ein großer Unterschied, ob der Zug am Stephansplatz zur Hauptzeit oder in der Großfeldsiedlung am Abend steht! Denn am Stephansplatz (oder ähnlich frequentierten Stationen) muß einfach einmal Schluß sein, sonst gibts kein Weiterkommen. Aber wenn ich in der Großfeldsiedlung noch schnell reinspring (OHNE die Türe zu bremsen!!!!!), dann halt ich niemanden auf, denn die Türe geht weiter zu und registriert mich nicht.
    Viel wichtiger wäre es meiner Meinung nach, die Fahrgäste dahin zu bringen, daß sie ein ordnungsgemäßes Aussteigen zulassen, bevor eingestiegen wird. In etlichen Stationen (vor allem Praterstern!) muß man sich oft erst mit Brachialgewalt einen Weg erkämpfen, um den Wagen verlassen zu können, weil die Idioten draußen schon anfangen reinzudrängen, bevor die Tür überhaupt ordentlich offen ist!!!!!

    • Lieber Mike
      Sofern sich die Türe, trotz Einsteigeverbots, schließt dann .. naja ok. Aber bei einer Türe die beim Schließvorgang vl. noch 10 cm offen ist , egal in welcher Station, ist dies einfach unnötig. Egal ob man reinspringt, von innen Fuß oder Arm/Hand dazwischen hält damit die Türe sich ja nicht schließt oder diese aufgedrückt wird, so wie zbsp. „da kauft sich ja noch einer den Fahrschein und möchte auch mit…“ 2-3 Minuten kann man warten, und keiner kann ums Eck schauen ! Aber am traurigsten / schlimmsten sind Personen die Kinderwägen in die schließende Türe schieben !!! Ein rotes Blinklicht und eine sich schließende Türe ist an keine Sprache gebunden, hinzu kommt ja noch der Piep-Ton für Sehbehinderte Menschen.
      Wie bereits im Artikel erwähnt, die Türe muss dann bei einem defekt abgesperrt werden oder sie ist ausgehängt und zig Fahrgäste müssen aussteigen. In der nächsten Station bekommt das Fahrpersonal diverse (unfreundliche) Gestiken zu sehen obwohl diese Personen nicht einmal wissen oder gar nicht hinterfragen wieso da auf einmal ein Sonderzug daherkommt und sie noch einmal 2 Minuten (!) warten müssen, Hauptsache beschweren.
      Aus drei Minuten werden eben durch solche Akrobaten / Aktionen schnell mal 8 oder 10 Minuten. Es gibt Fahrgäste welche einen Regionalzug / – Bus erreichen wollen oder müssen, die haben kein so schönes Intervall.
      Leider ist hier die Rücksichtnahme auf andere Menschen sehr gering …
      Bei einem 8 oder 15- Minuten Intervall sagt kaum einer was, obwohl es da auch nicht notwendig ist.
      Als Beispiel möchte ich noch die „Fahrgasterkrankung“ hinzufügen, jeder meckert und raunzt herum wegen einer Verspätung, aber wenn man selber Hilfe benötigt wird man froh sein daß die U-Bahn (Bus und Tram genauso) stehen bleibt und auf die Rettung wartet bzw. diese angefordert wird !
      Im freundlichen Sinne … die nächste kumt eh glei !!!
      😀
      MFG

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