Warum wir 5 Mio. Euro in WC-Anlagen investieren

Warum wir 5 Mio. Euro in WC-Anlagen investieren

Wer muss, der muss – und dann muss es oft schnell gehen. In den Wiener U-Bahn-Stationen wurden allerdings viele der stillen Orte seit längerem nicht mehr im Sinne der Erfinder genutzt. Verunreinigte, defekte und in Folge versperrte WC-Anlagen haben zunehmend für Unmut gesorgt. Mit einem neuen Konzept und Investitionen von 5 Mio. Euro soll sich das nun ändern.

Wir haben uns viele Gedanken darüber gemacht, wie wir saubere und sichere WCs zur Verfügung stellen können, die von unseren Fahrgästen tatsächlich als solche genutzt werden können. Das Ergebnis ist eine Rundum-Erneuerung bestehender Anlagen. Eine internationale Ausschreibung läuft bereits. Auch der Betrieb soll künftig durch einen Spezialisten erfolgen. Denn die Wiener Linien sind zwar ExpertInnen für öffentlichen Verkehr, öffentliche WC-Anlagen zu betreuen und zu warten ist jedoch eine gänzlich andere Herausforderung.

Damit geben wir den Betrieb der WC-Anlagen in kompetente Hände, um für unsere Fahrgäste das bestmögliche Angebot zu schaffen. In der Ausschreibung ist deshalb auch klar definiert, was die künftigen WCs können sollen: Wir wollen hochwertige, saubere und barrierefreie WCs. Das lassen wir uns auch etwas kosten. Um diesen hohen einheitlichen Standard langfristig aufrechterhalten zu können, werden für die Nutzung aber künftig auch 50 Cent eingehoben.

Öffentliche Erleichterung

WCs sind ein sehr emotionales Thema. Man trennt sich dort von seinem Innersten, das sollte atmosphärisch nicht noch erschwert werden. Baulich stammen die Anlagen aber teilweise noch aus den 70er-Jahren. Einigen sieht man ihr Alter auch bereits an. Für Wartung und Reinigung sind diese Anlagen besonders herausfordernd, eine Modernisierung überfällig. Denn WC-Anlagen, die verschmutzt oder beschädigt sind, stellen für niemanden eine Erleichterung dar. 

Ziel ist deshalb ein einheitlicher Standard: wartungsfreundlich, ansprechend und aus diesem Jahrtausend. Wie die WCs im Detail aussehen werden, steht zwar erst fest, sobald der künftige Betreiber gefunden ist; Wir haben uns dazu aber bereits viele Gedanken gemacht, die wir in der Ausschreibung berücksichtigt haben.

 

Modern, sicher und sauber

Wir haben uns dazu aber bereits viele Gedanken gemacht, die wir in der Ausschreibung berücksichtigt haben.

Die neuen Aborte sollen mit spülrandlosen Tiefspülern ausgestattet werden. WC-ExpertInnen wissen, wovon wir sprechen – solche WCs sind einfacher und schneller zu reinigen und dadurch hygienischer als herkömmliche Modelle. Und Hygiene ist gerade am WC besonders wichtig, deshalb soll sich der Boden künftig regelmäßig selbst reinigen. Das freut die Nase. Aber auch fürs Auge sollte gesorgt sein: Die Wand über dem Waschbecken oder die Edelstahltür könnte dafür geschliffen und poliert werden und als Spiegel fungieren – vandalismussicher und ohne Verletzungsgefahr.

Nicht nur was den Spiegel betrifft, sollen diesbezüglich neue Maßstäbe gesetzt werden: Anstelle von Fliesen und Keramik sollen die WC-Anlagen mit vandalismussicheren Edelstahl-Elementen ausgestattet und Waschbecken und Handtrockner in die Wand integriert verbaut werden. Heruntergetretene Kloschüsseln und zerbrochene Waschbecken wären damit Geschichte. Alle Elemente sollen außerdem versteckt und diebstahlsicher verschraubt sein und auf waagrechte Flächen gänzlich verzichtet werden, damit auch den kreativsten ÜbeltäterInnen das Handwerk gelegt wird.

Großes Geld für kleines Geschäft

Die Investitionen variieren je nach Aufwand und Größe. Bei Standorten mit mehreren Kabinen und komplexeren Zu- und Abflüssen belaufen sie sich auf rund 400.000 Euro. Aber auch bei kleineren Anlagen kalkulieren wir mit bis zu 200.000 Euro je Standort. Insgesamt werden so über fünf Millionen Euro in moderne WC-Anlagen investiert. 

Bei der Entscheidung, welche Anlagen modernisiert werden, wurden neben der aktuellen Nutzungsfrequenz auch soziale Faktoren (Vandalismus, Zweckentfremdung), der Abstand zwischen den Anlagen (max. 3 Stationen zwischen 2 Anlagen) und die Entfernung zu anderen öffentlichen Toiletten in unmittelbarer Nähe berücksichtigt. Die Modernisierung erfolgt in zwei Schritten: In den nächsten Jahren werden zunächst die älteren WCs umgerüstet. Langfristig sollen alle WC-Anlagen einem einheitlichen, hohen Standard entsprechen.

Ich muss dann mal – wohin?

Nach Umsetzung des Konzepts wird es im Bereich des Wiener U-Bahn-Netzes rund 40 WC-Anlagen geben, Standorte der Wiener Linien, der ÖBB sowie der Stadt Wien in gemeinsam genutzten Passagen oder im unmittelbaren Nahbereich der Station. Solche Standorte werden künftig auch in das Leitsystem der U-Bahn-Station integriert. Bei den Standorten der Wiener Linien – 6 davon mit Wartungspersonal, alle mit 50-Cent-Sperre - wird jedenfalls auch ein barrierefreies WC vorhanden sein, das wie bisher mittels Eurokey geöffnet werden kann und gemäß den neuesten Standards mit einem Notruf ausgestattet sein wird. 

Nach Umsetzung des Konzepts wird es im Bereich des Wiener U-Bahn-Netzes rund 40 WC-Anlagen geben
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Kommentare (19)

  • Vielleicht können Sie überlegen, ob man zumindest das Händewaschen kostenlos lassen kann.
    Alternativ könnten Sie natürlich auch ab und zu die Haltestangen und -Schlaufen reinigen…

  • 50 Cent sind in Ordnung. Aber bitte nicht zu komfortabel und dafür die Anzahl der Anlagen nicht verringern.

    • Die Anzahl wird definitiv verringert, dafür aber eben mit einer aktuellen Ausstattung, die auch vandalismussicherer ist.

  • War zu erwarten, schließlich ist es auf Autobahnraststätten und vielen Bahnhöfen etc mittlerweile auch so. Ganz, ganz früher hat man die WCs einmal als vertragliche Nebenleistungspflicht verstanden (so wie großteils noch heute in der Gastronomie) … ich sehe wirklich nicht ein, warum ich zB mit kleinen Kindern bei einem typischen Stadtausflug mehrere Euro in öffentliche WCs stecken sollte.

    Persönlich bin ich schon aus Prinzip nicht bereit, für die Benutzung öffentlicher WCs zu bezahlen, aber ich kann es mir zwischen Büro und Wohnung ja einteilen. Sandler und Betrunkene, bitte meine Direktheit zu entschuldigen, werden Euch dann halt vor die Tür, aufs Gleis oder sonstwohin pinkeln.

    • Die Erfahrungen haben gezeigt, dass die missbräuchliche Nutzung und Vandalismus stark zurückgehen, wenn eine 50 Cent Sperre besteht. WC-Anlagen sind ein ergänzendes Angebot, das laufende Mehrkosten verursacht. Sie müssen nicht nur regelmäßig gewartet, sondern auch täglich mehrmals gereinigt werden. An zentralen Standorten mit hoher Frequenz braucht es auch eigenes Personal vor Ort, um einen hohen Standard an Sauberkeit sicherstellen zu können.

      • Es wird schon so sein, dass Vandalismus zurückgeht, aber die Auswirkungen auf die Sauberkeit im Bahnhofsbereich und insb. dessen nähere Umgebung sind idR weniger positiv.

        Besonders kundenfreundlich ist es jedenfalls nicht, aber nachdem die Wiener Linien ja keine Konkurrenz haben müssen sie das auch nicht sein. (WC-Anlagen als „ergänzendes Angebot“ ist eine interessante Aussage, bisher habe ich sie für einen normalen Teil der Infrastruktur gehalten. Wie wäre es mit einer Rolltreppenbenützungsgebühr? 50 Cent für den Aufzug? Es gibt noch viele derartige „ergänzende Angebote, die laufende Mehrkosten verursachen“.)

  • Wie kann jemand der aus gesundheitlichen Gründen gezwungen ist sehr häufig eine Toilette aufzusuchen dann eigentlich noch durch Wien kommen?

  • Gebühr: OK. Aber auch bargeldlos muss möglich sein! Und ev. Jahreskarte-Besitzer ausnehmen oder verbilligt (JK mit Bankomat-Funktion!)

  • Gebühr: OK. Aber auch bargeldlos muss möglich sein! Und ev. Jahreskarte-Besitzer ausnehmen oder verbilligt (JK mit Bankomat-Funktion!)

  • als jahrelanger Benützer der Wiener Linien und Jahreskartenbesitzer halte ich sowohl die Reduzierung der WC-Anlagen als auch die künftig geplante Gebühr für eine Gemeinheit – das soziale Gewissen geht den Wiener Linien offenbar verloren.

  • In vielen Grosstädten wie London gibt es in UBahn Stationen funktierende und vor allem saubere Toiletten bzw. Pissoirs. Man braucht auch keine Angst zu haben auf dem Arbeitsheimweg ein Pissoir aufzusuchen. Die derzeitigen Ubahn Toiletten sind genauso eine Fehlplanung wie die neuen U2 Stationen ohne Rolltreppe

  • Die WC-Anlagen haben vor 20 Jahren schon den Wr. Linien gehört, wurden dann zwischenzeitlich ausgelagert. Man hatte viele, viele Jahre Zeit ein Konzept zu erstellen.

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