Straßenbahn der Linie 60 in Fahrtrichtung Rodaun.

Mit der Bim in die Heide – Eine Fahrt mit dem 60er

Eine Fahrt mit der Linie 60 bietet allerhand zu sehen – von touristischen Attraktionen über prächtige Villenbauten bekannter Architekten bis hin zu seltenen Entdeckungen rund um Flora und Fauna.

Die prächtige Hietzinger Villengegend durchfährt die Linie 60 ebenso wie sie beliebter Zubringer zum Krankenhaus Lainz ist. Doch vor allem Ausflügler frequentieren die für Liesing wichtige Nord-Süd-Verbindung. Denn die Endstelle in Rodaun ist nicht nur Ausgangspunkt für Wanderungen durch die Weingebiete im Süden Wiens. Auf der Perchtoldsdorfer Heide warten ganz besondere Tiere.

Die wenige Schritte von der Kennedybrücke entfernt liegende ehemalige private Stadtbahnhaltestelle des Kaisers wurde von Franz Josef I. Zeit seines Lebens lediglich zwei Mal benutzt. Doch umso reger das heutige Öffi-Treiben rund um den Bereich der Kennedybrücke. Er gilt längst als einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte des westlichen Wiens. Die Linie 10 verkehrt hier ebenso wie die Linie 58 und etliche Autobuslinien. Doch wer in das südlichste Wien will, steigt hier in die Line 60. Neben der Schnellbahn und der U6 ist die Linie 60 eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen in Liesing.

Das Palmenhaus im Schlosspark Schönbrunn.
Das Palmenhaus im Schlosspark Schönbrunn.

Erst einmal in Bewegung gekommen, geht es mit dem 60er jedoch zunächst ein schönes Stück durchs gutbürgerliche Hietzing. Noch bevor die erste Haltestelle erreicht ist, gewährt die Linie vor allem Blicke auf viele Touristen, die in Richtung Schönbrunner Schlosspark und Tiergarten pilgern.

An der ersten Haltestelle angekommen, zeigt sich mit dem Café Dommayer eines der traditionsreichsten Kaffeehäuser Wiens. Es erinnert auch an das legendäre Casino Dommayer, das sich unweit von hier befand und wo Johann Strauss Vater und Sohn, aber auch andere wichtige Walzerkapazunder wie Josef Lanner regelmäßig konzertierten.

Villen, Wein und Wotruba

Von der einstigen Pracht des Jahrhundertwende-Wiens zeugt auch der weitere Streckenverlauf durch die Lainzer Straße. Links und rechts stehen monumentale Villenbauten. Hier waren fast alle berühmten Architekten der Otto-Wagner-Schule wie Josef Plecnik tätig. Auch vermehrt der Sachlichkeit verpflichtete Bauten von Adolf Loos sind in dieser beschaulichen Gegend zu finden. Beliebter Umsteigeknoten ist die Station Hofwiesengasse. Von hier ist mit der Linie 62 das Krankenhaus Lainz zu erreichen.

Je weiter es nach Süden geht, umso mehr geht es um das leibliche Wohl in anderer Hinsicht. Am Maurer Hauptplatz angekommen, warten hier auch diverse Heurigenbetriebe. Und auch hier pilgern Architekturinteressierte hin. Denn mit dem Bus 60A geht es vom Maurer Hauptplatz weiter zur Wotrubakirche. Der Sakralbau gilt mit seinen Betonwürfeln als das Kühnste, was die Kirchenarchitektur zu bieten hat.

Die Wortrubakirche am Georgenberg im Stadtteil Mauer wurde 1974 vom Bilhauer Fritz Wortruba entworfen. (Foto: Thomas Ledl)
Die Wortrubakirche am Georgenberg im Stadtteil Mauer wurde 1974 vom Bilhauer Fritz Wortruba entworfen. (Foto: Thomas Ledl)

In 25 Minuten zum Naturjuwel

Jetzt ist auf der Linie 60 bereits bemerkbar, dass es immer mehr in Richtung Stadtgrenze geht. Von Station zu Station wird es zunehmend grüner. Von der Kaiser-Franz-Josef-Straße dauert es nicht mehr lange zur Endstelle in Rodaun, wo bereits ländliche Stimmung herrscht. Zu Fuß ist es von Rodaun nicht weit in die Perchtoldsdorfer Weinberge, doch wahre Naturfreunde wandern gute 15 Minuten zur Perchtoldsdorfer Heide, wo die wohl süßesten Tiere der Wiener Umgebung zu finden sind. Die dort beheimateten Erdhörnchen – das sogenannte europäische Ziesel – haben hier eines der wenigen verbliebenen Rückzugsgebiete. Auch die Flora dieser steppenartigen Zone bietet seltene und gefährdete Pflanzen wie etwa die Kuhschelle. Dabei sind es von der Kennedybrücke bis nach Rodaun nicht einmal 25 Minuten an Fahrzeit.

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Kommentare (3)

  • Also das Krankenhaus heisst schon lange nicht mehr Lainz, sondern Hietzing (um den schlechten Ruf loszuwerden)! Zu erwähnen ist, dass von Rodaun früher ein idealer Anschluss mit der Buslinie 259 gegeben war, den die angesprochenen Wanderer zahlreich genützt haben. Diesen hat die ÖBB-Postbus GmbH aber eingestellt! In Rodaun angekommen, steht man quasi vor dem „Nichts“. Positiv zu erwähnen ist, dass die Linie 60 täglich bis kurz nach 1 Uhr nachts fährt! Der Nightline fährt aus der Stadt aus leider nur mehr bis Maurer Hauptplatz (früher bis Maurer Lange Gasse). Bei einer relativ ungenutzten Station (Breitenfurter Strasse, Liesingbrücke) wurde kürzlich um tausende Steuerzahler-Euros Lifte eingebaut, obwohl die nächste Station nur wenig entfernt liegt. Eine wichtige Verbindung ist die Linie 60 allerdings, wenn man von der Stadt nach Hause in das Gebiet um Mauer oder Rodaun möchte, denn vor allem abends erreicht man diese Bezirksteile sonst nur mit Schnellbahn und Bus, die nur in langen Intervallen fahren. Und für Geschichtsinteressierte noch eine Anmerkung: Von 1887 bis 1967 führte die Strecke (unter Linie 360) bis Mödling! Die Einstellung erfolgte, weil sich das Land NÖ nicht an den Betriebskosten der Linie beteiligen wollte.

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