Klimaschutz fährt öffentlich

Der Verkehr ist und bleibt der Knackpunkt: Um den Klimawandel zu stoppen müssen wir in Zukunft noch mehr auf Öffis setzen. Davon ist Wiener-Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer überzeugt.

In Paris war man sich einig: Emissionen reduzieren, erneuerbare Energien ausbauen und die Erderwärmung unter der 2-Grad-Marke halten. Jetzt müssen alle Länder wirklich ihre Hausaufgaben machen. Papier ist geduldig, die Umwelt musste aber bereits zu lange warten.

Straßenverkehr als „Schmuddelkind“

Der Weg muss im wahrsten Sinne des Wortes das Ziel sein. Immerhin ist der Straßenverkehr in Österreich nach wie vor einer der größten Klimasünder. Mehr als ein Viertel aller Treibhausgasemissionen gehen auf seine Rechnung. Den Klimawandel werden wir aber nicht auf der Landstraße zwischen schrumpfenden Ortschaften oder im Fernreiseverkehr auf der Autobahn einbremsen, sondern in den urbanen Zentren. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt bereits in Städten, Tendenz steigend. Auch Wien wächst – Wien ist sogar die derzeit am schnellsten wachsende Millionenstadt in Mittel- und Osteuropa.

Der weitere Öffi-Ausbau in den urbanen Zentren ist der Schlüssel für eine nachhaltige Zukunft. Jedes Auto, das in der Garage bleibt, ist ein wichtiger Schritt um den Klimawandel zu stoppen. Foto: Ninanuri, CC BY-SA 3.0
Der weitere Öffi-Ausbau in den urbanen Zentren ist der Schlüssel für eine nachhaltige Zukunft. Jedes Auto, das in der Garage bleibt, ist ein wichtiger Schritt um den Klimawandel zu stoppen. Foto: Ninanuri, CC BY-SA 3.0

Im Jahr 2030 werden etwa zwei Millionen Menschen in unserer Stadt wohnen und arbeiten. Eine klimafreundliche, urbane Mobilität ist deshalb der Schlüssel für eine lebenswerte Zukunft – und die ist auf Schiene. Wir investieren laufend in unser Netz, bauen das Angebot aus, schaffen neue Verbindungen und investieren in umweltfreundliche Fahrzeuge. Das macht sich bezahlt – für unsere Fahrgäste und für die Umwelt.

Jede Öffi-Fahrt rechnet sich

Insbesondere die U-Bahn ist dem motorisierten Individualverkehr um Längen voraus. Lediglich fünf Prozent der CO2-Äquivalent-Emissionen werden von der U-Bahn verursacht. Und das, obwohl sie ein Fünftel der Verkehrsleistung in Wien erbringt. Auch den Platz nutzt sie 20 Mal effizienter als der PKW-Verkehr. Das bringt nicht nur mehr Platz im öffentlichen Raum, sondern auch eine bessere Luft für alle. Wer auf Öffis umsteigt, spart dadurch pro Jahr bis zu 1.500 kg CO2 ein.

Mehr Öffis bedeuten auch mehr Elektromobilität. Über 80 Prozent unserer Fahrgäste sind bereits komplett elektrisch unterwegs. Denn mit U-Bahn und Bim haben wir zwei umweltfreundliche und hoch effiziente Schienenverkehrsmittel im Einsatz. 99 Prozent der elektrisch zurückgelegten Wege werden mit den Öffis bestritten. Auf den Gesamtverkehr gerechnet ist dadurch ein Drittel der Wienerinnen und Wiener bereits elektrisch unterwegs – Tendenz steigend.

U-Bahnen sind die Lebensadern der Stadt und komplett elektrisch unterwegs. Wer dem Klima etwas Gutes tun will, fährt öffentlich und lässt das Auto stehen.
U-Bahnen sind die Lebensadern der Stadt und komplett elektrisch unterwegs. Wer dem Klima etwas Gutes tun will, fährt öffentlich und lässt das Auto stehen.

Wien fährt anders

Wien hat bereits einen Modal Split, der andere Großstädte alt aussehen lässt: Schon jetzt werden 39 Prozent der Wege öffentlich zurückgelegt. 2016 gab es erstmals mehr JahreskartenbesitzerInnen als Autos in der Stadt. Das ist ein großer Erfolg – für die Wiener Linien, aber vor allem auch für die Wienerinnen und Wiener.

Wien hat sich deshalb ein klares Ziel gesetzt: Bis 2025 sollen 80 Prozent der Wege im Umweltverbund, also zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit den Öffis zurückgelegt werden. Mit der günstigen Jahreskarte und großen Öffi-Projekten, wie der U1-Verlängerung nach Oberlaa oder dem Linienkreuz U2/U5, hat die Stadt auch schon konkrete Schritte gesetzt. Diesen Weg gilt es fortzusetzen – nicht nur in Wien, sondern in allen Ballungszentren.

 

Günter Steinbauer

Dipl.-Ing. Günter Steinbauer
ist Vorsitzender der Geschäftsführung
der Wiener Linien und zeichnet für den
technischen Bereich verantwortlich.
Energieeffizienz und Klimaschutz sind
für ihn in allen Unternehmensbereichen
zentral. Denn für eine lebenswerte
Zukunft in der Stadt führt für ihn kein
Weg an einem starken Öffi-Netz vorbei.

 

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