Finanzierung der Öffis – so funktioniert’s.

U-Bahn verpasst, aber die nächste kommt in drei Minuten. Wohnung am Stadtrand, aber der Bus fährt trotzdem alle 15 Minuten vor die Haustür. Wer finanziert das riesige Öffi-Netz der Wiener Linien?

Die Wiener Linien haben sich dieser Tage mit der Stadt Wien auf die Grundzüge der Investitionen in den öffentlichen Verkehr für die nächsten 15 Jahre verständigt. Grund genug, einen Blick darauf zu werfen, wie sie eigentlich aussieht, die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs in Wien. Da sind zuerst einmal die Fahrgäste. Mit dem Fahrscheinkauf leistet jedeR einen persönlichen und wichtigen Beitrag dazu, dass Wartung und Betrieb der Öffis finanziert werden können. Die Einnahmen aus den Tickets werden in verschiedensten Bereichen verwendet. Wo genau, erklärt Ihnen dieses Video: 

Wohin fließt das Geld der Wiener Linien?

Um das hohe Niveau der Öffis in Wien zu erreichen und zu halten, reichen diese Einnahmen bei weitem nicht aus. Da die Politik in Wien aber das will, was die Wiener Linien wollen und letztlich wohl auch die allermeisten Fahrgäste – nämlich einen qualitätsvollen öffentlichen Verkehr, den sich jedeR leisten kann – wird auch seitens der öffentlichen Hand kräftig investiert. Das bedeutet: Die Stadt Wien fördert Ausbau, Erhaltung und Betrieb der Öffis mit mehr als einer halben Milliarde Euro – pro Jahr! Und weil das natürlich nicht mit einfachem Handaufhalten und auch nicht mit der profanen Weitergabe der Kontodaten zur Überweisung geht, haben Finanz- und Öffi-Stadträtin Renate Brauner und die Wiener Linien gerade jetzt einen neuen Vertrag ausverhandelt, wo, wann und was seitens der Stadt in den kommenden 15 Jahren zugeschossen wird. Der bisherige Vertrag ähnlichen Inhalts läuft nämlich Ende 2016 ab.

Moderne und barrierefreie Fahrzeuge mit Klimaanlage und Videoüberwachung tragen zur hohen Akzeptant der Öffis bei.
Moderne und barrierefreie Fahrzeuge mit Klimaanlage und Videoüberwachung tragen zur hohen Akzeptant der Öffis bei.

So sehen die Fakten aus

Für die „Verkehrsinfrastruktur“ – also für Gleisneubauten, Wartung der Schienen, Erneuerung der Fahrleitungen, Signalanlagen, Bahnhöfe, Anschaffung neuer Fahrzeuge und und und... – wird es in Zukunft 170 Mio. Euro pro Jahr geben. Die werden für die Folgejahre natürlich inflationsangepasst und es gibt Spielraum für Sonderprojekte, die zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht voraussehbar sind.

Zweiter Punkt im neuen Vertrag sind die „Verkehrsdienstleistungen“, also der Betrieb von U-Bahn, Straßenbahnen und Bussen selbst. Dazu gehören auch die Betriebslenkung durch die Leitstellen, Reinigung, Winterdienst, Linien- und Haltestellenplanungen, Fahrplanerstellung, Videoüberwachung und und und... Dafür gibt es neben den Eigeninvestitionen der Wiener Linien in Zukunft 324 Mio. Euro als Richtwert für das Jahr 2017. Hier wird natürlich ebenfalls über die 15 Jahre Vertragslaufzeit inflationsangepasst.

Und außerdem können wir als Unternehmen ganz aktiv etwas dafür tun, dass die Stadt Wien noch mehr Geld in den Betrieb der Öffis investiert. Und zwar durch kontinuierliche Leistungssteigerungen. In dem neuen Finanzierungsvertrag sind nämlich ganz klare Ziele festgelegt. Werden Sie übertroffen, steigt der Zuschuss der öffentlichen Hand, werden sie verfehlt, gibt es weniger Geld von Seiten der Stadt Wien. Diese Ziele umfassen unter anderem Vorhaben in den Bereiche Sicherheit, Barrierefreiheit, Zuverlässigkeit, Sauberkeit und Pünktlichkeit. Und nicht zuletzt ist die Kundenzufriedenheit ein ganz wesentliches Kriterium. Die Höhe der Investitionen ist also auch davon abhängig, wie zufrieden Sie mit unserer Leistung sind. Dass wir effizient arbeiten können, haben wir bereits in den vergangenen Jahren bewiesen. Seit Abschluss der letzten Finanzvereinbarung mit der Stadt Wien im Jahr 2002 ist unser Angebot doch recht herzeigbar gestiegen.

Verlängerungen bei Straßenbahn- und U-Bahnlinien, die Renovierung von Stationen, mehr barrierefreie Fahrzeuge, die Nacht-U-Bahn und die E-Busse sind nur ein paar große Projekte, die seit 2002 umgesetzt wurden.
Verlängerungen bei Straßenbahn- und U-Bahnlinien, die Renovierung von Stationen, mehr barrierefreie Fahrzeuge, die Nacht-U-Bahn und die E-Busse sind nur ein paar große Projekte, die seit 2002 umgesetzt wurden.

Großprojekte und Meilensteine seit 2002

  • Modernisierung und Umbau Karlsplatzpassage
  • Modernisierung USTRAB-Stationen
  • Sanierung diverser Otto-Wagner-Stationen (U6, U4)
  • U1-Modernisierung Reumannplatz-Stephansplatz
  • neue Straßenbahnprojekte (Linie 25 neu, Verlängerung Linie 26 bis Hausfeldstraße, Verlängerung Linie D bis Hauptbahnhof Ost)
  • Umstellung U6 auf 100% barrierefreie Züge
  • Busse seit 2007 zu 100% barrierefrei
  • Nachrüstungsprogramm Einbau Lifte in U-Bahn-Stationen (seit 2004 sind alle U-Bahn-Stationen zu 100% per Lift oder Rampe barrierefrei erreichbar)
  • Direktanbindung U1 an neuen Hauptbahnhof
  • Einführung Nacht-U-Bahn
  • Reduktion Jahreskarte auf 365 Euro
  • Mobile Fahrplanauskunft qando
  • Neugestaltung Verkehrsmuseum Remise
  • Innovative Elektrobusse in der Innenstadt, Umstellung auf umweltfreundliche Mercedes-Busflotte seit 2014

 

U-Bahn-Verlängerungen seit 2002

  • 2006: U1-Verlängerung Kagran-Leopoldau
  • 2008: U2-Verlängerung Schottentor-Stadion
  • 2010: U2-Verlängerung Stadion bis Aspernstraße
  • 2013: U2-Verlängerung Aspernstraße bis Seestadt Aspern

Was in der neuen Vereinbarung nicht enthalten ist, ist die Finanzierung des U-Bahn-Baus. Hier bleibt es dabei, dass für jede weitere so genannte „Ausbaustufe“ zwischen der Republik Österreich und der Stadt Wien ein eigenes Abkommen unterzeichnet wird, wonach der U-Bahn-Bau zwischen Bund und Stadt jeweils zur Hälfte finanziert wird. Derzeit läuft der Ausbau der Linie U1 im Süden Wiens. Das Linienkreuz U2/U5 ist das nächste Großprojekt der Wiener Linien. Alle Infos dazu unter https://www.wienerlinien.at/u2u5

Wir werden auf alle Fälle weiterhin unser Bestes geben, wenn es um die Weiterentwicklung und den Betrieb der Öffis geht. Jedenfalls sind wir froh darüber, dass von Seiten der Stadt Wien auch in schwierigen Zeiten das Bekenntnis zu den öffentlichen Verkehrsmitteln ungebrochen ist und auch „mit Brief und Siegel“ im Rahmen eines neuen Vertrags in den kommenden 15 Jahren so viel investiert wird. Mindestens ebenso wichtig ist aber der Beitrag jeder/jedes Einzelnen durch den Kauf eines Fahrscheins – gerne auch online.

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Kommentare (1)

  • Toll, weitermachen! Ich bin viel im Ausland. Die Qualität der Wiener Öffis braucht keinen Vergleich zu scheuen. Ich bleibe gerne Jahreskartennutzer.

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