Im Minutentakt – Stadionverkehr inside

Wir haben uns für Sie die Organisation des Stadionverkehrs beim EM-Qualifikationsspiel Österreich gegen Liechtenstein am 12. Oktober 2015 einmal aus der Nähe angesehen.

Wenn die Begeisterungsstürme im Wiener Ernst-Happel-Stadion verstummen, beginnt der große Besucherstrom zur U-Bahn. Zehntausende BesucherInnen wollen nach dem Fußballspiel oder dem Pop-Konzert rasch nach Hause. Die U2-Station Stadion wurde genau für diese Bedürfnisse gebaut, um zehntausende Menschen möglichst rasch, geordnet und sicher nach Hause zu bringen.
Gerade nach der Veranstaltung ist das eine besondere Herausforderung, weil die BesucherInnen binnen weniger Minuten und sehr konzentriert Richtung U-Bahn-Station strömen. Dann müssen die Abläufe sitzen, denn die U-Bahn verkehrt dann fast im Minutentakt.

Spielbeginn 18 Uhr. Schon gut zwei Stunden vor Spielbeginn sind tausende Fans am Weg zum Stadion. Die meisten nehmen die U2, die direkt beim Stadion hält. Aufgrund der frühen Beginnzeit wird der große Ansturm ca. 1 Stunde vor Spielbeginn erwartet. Knapp 50.000 Fans wollen an diesem Abend David Alaba und Co. auf die Beine sehen.

Unsere KollegInnen sind schon lange vor Spielbeginn auf ihrem Posten. Neben einem Einsatzleiter, der für die Wiener Linien den gesamten Stadionverkehr koordiniert und überwacht, sind knapp 30 weitere KollegInnen sowie gut 15 Beschäftigte einer Sicherheitsfirma im Stationsbereich im Einsatz.

Die Station Stadion ist eigens so gebaut, dass in kurzer Zeit möglichst viele Züge abgefertigt werden können, um die BesucherInnen rasch zum Stadion zu bringen. Insgesamt stehen drei Gleise zur Verfügung. Eigene Sonderzüge werden extra für den Stadionverkehr eingesetzt und bringen die Fans zum Stadion. KollegInnen am Bahnsteig erwarten den Zug, leiten die Fahrgäste zum Ausgang und sorgen für die rasche Abfertigung des Zuges. Denn der Zug wird rasch wieder benötigt, der Fanstrom zum Stadion schwillt noch stark an.

Knapp 900 Menschen fasst ein U-Bahn-Zug. Kaum sind die Türen offen, strömen die BesucherInnen auf den Bahnsteig. Unsere KollegInnen am Bahnsteig sorgen dafür, dass die Fußballfans rasch Richtung Ausgang kommen. Denn in Kürze muss schon wieder Platz sein für den nächsten Zug und dessen Fahrgäste.

Manch ein Fahrgast ist zwar in den Sonderzug zum Stadion gestiegen, möchte aber gar nicht zum Stadion, sondern weiter Richtung Seestadt fahren. Mittels Mikrofon werden die Fahrgäste informiert, von welchem Gleis die Züge Richtung Donaustadt weiterfahren.

Gleichzeitig in der Stationsüberwachung. Der Einsatzleiter verfolgt auf Bildschirmen das Geschehen in der Station und kann so Fanströme besser koordinieren. Erst zu Spielbeginn reißt der Fahrgaststrom ab. Danach kehrt etwas Ruhe ein, bis das Spiel zu Ende geht.

Einsatzbesprechung in der Pause des Länderspieles. Posten werden eingeteilt und noch mal auf die Herausforderungen hingewiesen. Nach Ende der Veranstaltung kommen geballt zehntausende BesucherInnen aus dem Stadion. Die meisten haben das gleiche Ziel. Die U2.

Das Spiel und die anschließenden Feierlichkeiten sind zu Ende, die Fankarawane bewegt sich Richtung Station. Österreich hat 3:0 gewonnen und die EM-Qualifikation gefeiert. Entsprechend gut ist die Stimmung an diesem Abend.

Die Eingänge zur Station. Ein Schleusensystem leitet die Menschen Richtung Bahnsteig. Anzeigen und unsere KollegInnen weisen auf Eingänge hin, wo der Andrang weniger groß ist. Wichtig ist die möglichst gleichmäßige Verteilung auf alle Eingänge. Das verkürzt die Wartezeit.

Alle wollen zur U-Bahn. Das Zutrittssystem sorgt auch bei großem Andrang für einen geordneten Zutritt. Dank Zählgeräten kann die Zahl der Personen in der Station kontrolliert werden. Das ist besonders wichtig, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig auf die Bahnsteige strömen und hier alles sicher abläuft. Da Züge praktisch im Minutentakt abfahren, geht es für die Wartenden zügig voran. Mit einem Sieg wartet es sich auch etwas leichter…

Geschafft! Nach etwa 10 bis 15 Minuten geht es hinein und weiter Richtung Bahnsteig.

Zug fährt ein, Türen öffnen sich. Nichts wie rein in den Zug und ab nach Hause.

Am Bahnsteig behalten die KollegInnen mit den gelben Jacken die Übersicht. Sie sorgen für die gleichmäßige Verteilung der BesucherInnen auf alle Eingänge des Zuges. Je schneller die Abfertigung funktioniert, desto schneller kommen die StadionbesucherInnen nach Hause. Jede Sekunde zählt, denn vor den Toren der Station warten noch Tausende, die auch nach Hause möchten. Ist der Zug voll, heißt es kurz warten. Am Nebengleis fährt gleich der nächste Zug ein.

Auch am Bahnsteig gibt es einen Kontrollraum. Auf dem Monitor lassen sich die Fahrgastströme beobachten und die richtigen Maßnahmen setzen. Verlässt ein Zug die Station Richtung Praterstern, kommt am dritten Gleis gleich der nächste Zug, der die nächsten Fahrgäste aufnimmt. Acht Sonderzüge sind an diesem Abend zusätzlich zum regulären Betrieb im Einsatz. Hier ist natürlich auch die Koordination wichtig, damit die Strecke immer frei und befahrbar bleibt.

Animation am Bahnsteig. Oft drängen sich zu viele Gäste in den nächstgelegenen Eingang. Die Folge: der Bereich ist rasch überfüllt, es bildet sich ein Rückstau. Weiter vorne oder weiter hinten im Zug ist noch genügend Platz. Über Mikrofon werden die Fahrgäste auf freie Eingänge hingewiesen.

Nach rund 45 Minuten sind auch die letzten StadionbesucherInnen in der U-Bahn, zehntausende Fans sind mit der U-Bahn rasch und sicher nach Hause gekommen. Allmählich kehrt wieder Ruhe ein. Bis zum nächsten Match oder Großkonzert im Ernst-Happel-Stadion…

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