Faktencheck: So zuverlässig sind die Wiener Öffis

Faktencheck: So zuverlässig sind die Wiener Öffis

Worauf kann man sich heute noch verlassen? Eine Frage, die man immer wieder hört. Auch wenn es um die Öffis geht. Aber was stimmt nun? Ist das große Öffi-Chaos ausgebrochen, wie manche Medien gelegentlich meinen? Fahren U-Bahnen, Bim und Bus nur noch sporadisch? Wir haben uns die Zahlen dazu angesehen.

Klar: Auf die U-Bahn länger zu warten als geplant, freut niemanden. Das wissen wir und arbeiten täglich daran, dass möglichst alle Räder rollen. Doch was heißt Zuverlässigkeit bei den Öffis eigentlich? Sie errechnet sich aus den sogenannten Nutzkilometern – also die geplanten Kilometer, die je Linie pro Jahr zurückgelegt werden sollen. Stellt man diesen Wert den entfallenen Kilometern gegenüber, ergibt sich die prozentuelle Zuverlässigkeit. Denn sowohl für die Fahrgäste als auch für uns ist wichtig, ob die geplanten Fahrten auch stattfinden. Die Wiener Linien legen Tag für Tag mit ihren U-Bahnen, Autobussen und Straßenbahnen rund 212.000 Kilometer zurück – das entspricht etwa fünf Erdumrundungen. Dafür ergab sich 2016 ein Zuverlässigkeitswert von 99,21%. Anders gesagt: Nur 0,79% aller Fahrten finden nicht statt, aus unterschiedlichen Gründen. Dazu später mehr.

Die Zuverlässigkeit der U-Bahn-Linien im Vergleich.
Die Zuverlässigkeit der U-Bahn-Linien im Vergleich.

Über 99% Zuverlässigkeit

Bei den U-Bahn-Linien haben wir uns die Sache genau angesehen: Seit 2011 pendelt der Zuverlässigkeitswert minimal auf konstant hohem Niveau zwischen 99,12% und 99,29% (siehe Grafik). Und das obwohl die Züge im Vergleich zu 2011 im Jahr 2016 über 600.000 Kilometer mehr zurückgelegt haben. Umgerechnet heißt das: bei einer Zuverlässigkeit von 99,29% sind von 1.000 Fahrten nur 7 Züge ausgefallen bzw. konnten ihr Kilometerpensum nicht wie geplant erfüllen. Die Gründe, warum Züge nicht weiterfahren können, ausfallen oder auch kurzgeführt werden, sind vielfältig. Ein Fahrgast, der rasch medizinische Hilfe benötigt, Polizei- und Feuerwehreinsätze, eine defekte U-Bahn-Tür, eine Weiche, die sich nicht stellen lässt, ein verunreinigter oder beschädigter Zug bis hin zu Personen, die auf den Gleisen gehen und den Betrieb aufhalten. Man kennt es: Dann kommt es zu längeren Wartezeiten, unregelmäßigen Intervallen bzw. dazu, dass Züge nicht wie geplant fahren können und deshalb Kilometer entfallen.

Im Mittelpunkt stand in den letzten Monaten die U4. Sie lag in den letzten Jahren, wie auch die anderen Linien in ihrer Zuverlässigkeit stets bei einem Wert um 99%. Und das, obwohl viele Arbeiten der U4-Modernisierung seit 2014 im laufendem Betrieb passieren.

Viele Faktoren beeinträchtigen täglichen Betrieb

Die häufigsten Gründe für Ausfälle sind neben dem Faktor Fahrzeug auch Einflüsse von außen, die den Betrieb beeinflussen. Insgesamt zeigt sich, dass sich die externen Einflüsse über die Jahre immer stärker auf die Zuverlässigkeit auswirken. So haben sich die Ausfälle auf Grund von Polizeieinsätzen seit 2011 mehr als verdreifacht. Wenn etwa Fahrgäste in Streit geraten oder vergessene Gepäckstücke untersucht und entfernt werden müssen. Bei Sachbeschädigungen haben sich die Werte seit 2011 fast verdoppelt. Wenn etwa ein Zug durch Graffiti verunstaltet, eine Scheibe am Fahrzeug eingeschlagen oder die Elektronik der Tür, beim Versuch noch in die schließende Tür zu springen, beschädigt wird, muss der Zug eingezogen werden oder kann erst gar nicht auf die Strecke fahren.

Im gleichen Zeitraum hat sich die Anzahl der schadhaften Fahrzeuge merklich reduziert. Während 2011 im Schnitt noch rund vier Züge pro Tag und Linie eingezogen werden mussten, waren es 2016 nur noch drei Züge pro Tag. Und das bei einer jährlichen Leistung aller U-Bahn-Züge von mehreren Millionen Kilometern. So legt etwa ein moderner V-Zug durchschnittlich rund 75.000 Kilometer zurück, bis es zu einer Störung am Fahrzeug kommt. Oft sind es Kleinigkeiten, wie z.B. nicht funktionierende Funk- oder Notrufeinrichtungen, beschädigte Türen oder blockierte Bremsen, die sich nicht mehr lösen lassen. Aber klar ist: Sicherheit hat immer Vorrang. Wenn es ein Problem gibt, wird der Zug zur Reparatur eingezogen. In 2 von 3 Fällen steht zudem rasch ein Ersatzzug bereit, sodass die Störung kaum Auswirkungen auf den Linienbetrieb hat. Fazit: Von durchschnittlich rund 660 Fahrten (von Endstation zu Endstation), die an einem Werktag auf einer U-Bahn-Linie stattfinden, fahren 657 Züge planmäßig.

Mehr Verkehr, mehr Verzögerungen und Ausfälle

Etwas andere Voraussetzungen als bei der U-Bahn gibt es bei Bus- und Straßenbahnlinien. Diese sind ganz erheblich vom Verkehrsaufkommen auf den Straßen beeinflusst. Dennoch erreichten die 29 Straßenbahnlinien 2016 eine Zuverlässigkeit von 99,14 Prozent, bei den von den Wiener Linien betriebenen Buslinien waren es sogar 99,38 Prozent.

Zahlreiche Maßnahmen sorgen für ein rascheres Vorankommen der Öffis. Trotzdem werden sie besonders in der Hauptverkehrszeit oft blockiert.
Zahlreiche Maßnahmen sorgen für ein rascheres Vorankommen der Öffis. Trotzdem werden sie besonders in der Hauptverkehrszeit oft blockiert.

Gerade in den Hauptverkehrszeiten sorgen Stau, Unfälle oder Falschparker immer wieder für Probleme und Ausfälle. Und das, obwohl zahlreiche Maßnahmen wie bevorzugte Ampelschaltungen, Busspuren oder eigenständige Gleiskörper für Straßenbahnen an vielen Stellen in Wien für ein rascheres Vorankommen der Öffis sorgen.

Verkehrsstörungen: Anstieg um fast 50 Prozent

Linien wie der 49er, die sich im engen innerstädtischen Verkehr den Platz mit dem Autoverkehr teilen müssen und verhältnismäßig weniger eigene Gleiskörper (als Trennung von den Autospuren) haben, haben eine geringere Zuverlässigkeit. Dennoch kommt auch die Linie 49 auf eine Zuverlässigkeit von 97,87 Prozent. Alle anderen Linien weisen noch bessere Werte auf. Die Linie 26, die auf deutlich mehr eigenen Gleisanlagen vom Autoverkehr getrennt unterwegs ist, erreicht etwa 99,36 Prozent.

Insgesamt zeigen die Daten, dass das Ausmaß der Verkehrsstörungen in den letzten Jahren zugenommen hat. Von 2011 bis 2016 erhöhten sich bei den Straßenbahnen die Ausfälle auf Grund von Stau und hohem Verkehrsaufkommen um rund 50 Prozent! Der Rückschluss: Je mehr Verkehr und Autos auf den Straßen, desto schwerer kommt auch der öffentliche Verkehr voran. Aber natürlich gibt es auch hier viele andere Faktoren, die Tag für Tag den Betrieb stören. Der LKW-Kran, der eine Oberleitung der Straßenbahn beschädigt, genauso wie eine spontane Demonstration, ein Zusammenstoß mit einem PKW beim Ausparken oder auch ein technisches Problem am Fahrzeug.

Der 13A erreicht eine Zuverlässigkeit von 98,78 Prozent.
Der 13A erreicht eine Zuverlässigkeit von 98,78 Prozent.

Ähnlich verhält es sich bei den Autobuslinien: Bei den Bussen hinken jene Linien, die mit mehr Verkehr, engen Gassen und Stau-Hotspots konfrontiert sind, in der Zuverlässigkeit etwas hinter dem Durchschnitt hinterher. Dennoch erreicht zum Beispiel der 13A, der durchwegs im engen innerstädtischen Verkehr unterwegs ist, eine Zuverlässigkeit von 98,78 Prozent.

Wir haben noch eine Übersicht zur Zuverlässigkeit der Wiener Öffis (*) erstellt.

*) Daten bei Buslinien sind nur für Linien im Eigenbetrieb verfügbar

Nach oben

Kommentare (2)

  • Man könnte sogar sagen, die Kunden sind 100% zufrieden*.
    Geniale Argumentation!!

    *Hierbei wurde die Zahl der Bewertungen gewertet

  • Alternative Zuverlässigkeit im schnönsten Trumpschen Verfahren!

    Was den Fahrgast interessiert sind nicht die Nutzkilometer, sondern die Pünktlichkeit der Linien. Was hilft mir die Kilometerstatistik, wenn ich 15 Minuten auf eine Ubahn warten muss, wenn 20 Minuten kein 43er kommt, oder wenn in der Nacht ein Fahrer einige Minuten zu früh von der Haltestelle abfährt? In allen Fällen hat das keinen Einfluss auf die Nutzkilometer, aber auf den Fahrgast und seien Pünktlichkeit.

  • Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

    Tragen Sie Ihre Daten unten ein oder klicken Sie ein Icon um sich einzuloggen.

    Unser nächster Artikel
    Rund 11.000 Kameras sorgen für Sicherheit in den Wiener Öffis.

    Videoüberwachung in den Öffis

    24 März 2017