Einmal das ganze Netz, bitte!

Der 16-jährige Christoph aus Oberösterreich hat unser ganzes Netz innerhalb von 103 Stunden befahren. In seinem Gastbeitrag schildert er die Vorbereitung, die gute Unterstützung durch Eltern und Freunde sowie die Überraschung beim Zieleinlauf der Gesamtnetzbefahrung.

Nach monatelanger Vorbereitungszeit ist es nun soweit: Mein Projekt, alle Wiener Linien im Bereich U-Bahn, Straßenbahn und Bus zu befahren, beginnt. Einerseits freue ich mich auf die folgenden fünf Tage, die ich als „Noch-Oberösterreicher“ in der Stadt Wien bzw. den Wiener Öffis verbringen darf, andererseits habe ich Bedenken, ob der von mir in mühevoller Kleinarbeit erstellte Fahrplan für dieses Vorhaben auch in der Realität problemlos funktioniert.

Die Befahrung des Wiener-Linien-Netzes führte den 16-jährigen Christoph auch auf den Urban-Loritz-Platz.
Die Befahrung des Wiener-Linien-Netzes führte den 16-jährigen Christoph auch auf den Urban-Loritz-Platz.

Startschuss am frühen Morgen

Es ist Dienstag, der 12. Juli 2016 und gemeinsam mit meinem Papa stehe ich seit 4:15 Uhr vor dem Bahnhof Hütteldorf, um auf den Bus 52A zu warten, der pünktlich um 4:35 Uhr seine planmäßige Fahrt antritt. Fast alleine sitze ich in den ersten Bussen, die mich an den westlichen Stadtrand bringen, bis die Stadt mit ihren Bewohnern langsam erwacht und sich die Öffis mit einigen verschlafenen Frühaufstehern am Weg zur Arbeit füllen. Durch glückliche Umstiege und Anschlussverbindungen kann ich im Laufe des Vormittags bis zu einer halben Stunde vor meinem Fahrplan sein, wodurch sich auch meine restlichen Zweifel in Luft auflösen.

Die Essensversorgung durch meine Eltern klappt besser als gedacht, sodass ich nach kurzer Mittagspause meine Fahrt fortsetzen kann. Verteilt über den Nachmittag baut sich mein Vorsprung zwar langsam ab, meine Energie bleibt jedoch ungetrübt vorhanden und ich habe immer noch Spaß an meinem Projekt. In Ottakring fahre ich drei Linien im Bus mit demselben Busfahrer, was sichtlich ein wenig Verwirrung auslöst. Grundsätzlich entwickeln sich jedoch während der Gesamtnetzbefahrung mehrere Gespräche mit Busfahrern, da ich an den Endstationen oft hartnäckig sitzen bleibe und nicht den restlichen Fahrgästen ins Freie folge.

Durch die Nacht mit den Eltern

Es beginnt zu dämmern und Papa stößt zu mir, um eine gemeinsame „Nachtschicht“ in einigen Straßenbahnen und Bussen zu absolvieren, die wir um 0:45 müde in Liesing beenden. Nach ungefähr zwei Stunden Schlaf im Hotel bin ich wieder halbwegs munter und fit für den zweiten Tag. Mama begleitet mich in den frühen Morgenstunden, in denen wir vorrangig den Süden und Westen der Stadt befahren. Obwohl wir durch eine verkehrsbedingte Verzögerung eine kleine Verspätung haben, machen wir uns keinerlei Sorgen, denn innerhalb der nächsten zwei bis drei Stunden können wir die verlorene Zeit wieder einholen. Die letzte Verspätung, wie sich später herausstellt!
Das Wetter ist einigermaßen stabil und meine Laune am Mittwochnachmittag bestens, als mich drei Klassenkollegen aus meiner Schule in Oberösterreich besuchen und ein paar Linien durch Hietzing mit mir mitfahren. Bis zum Abend hatte ich glücklicherweise 15 Minuten Vorsprung, den ich nach der Abendfahrt mit Papa in die Nachtpause mitnehmen darf.

Christoph in der Linie 79A.
Christoph in der Linie 79A.

Interviews sorgen für Abwechslung

Am Donnerstagmorgen stehe ich mit Mama um 4:35 Uhr in Kaiserebersdorf und wir beide sind sehr froh, als wir völlig durchnässt vom strömenden Regen in den trockenen Bus einsteigen. Im Laufe des Vormittags fährt mein GWK-Professor einige Linien in Bus und Straßenbahn mit und wir diskutieren vorrangig über die Stadt Wien und über deren Schienenverkehrsmittel. Am Nachmittag sorgen einige Interviews für Ablenkung und verhindern gleichzeitig eine eventuell aufkommende Langeweile. An diesem Abend widmen Papa und ich uns den Stadtrandbuslinien im Süden Wiens, zwischen Reumannplatz, Inzersdorf und Oberlaa. Gegen 1 Uhr geht auch diese Nachtschicht vorbei, doch nur drei Stunden später beginnt die letzte Etappe meines Projekts, welches mich noch am Vormittag nach Transdanubien führt.

Ein Selfie vor dem Kunstwerk "Aspern Affairs" von Stephan Huber ging sich für Christoph leicht aus. Mehr Infos zu Kunstwerken im Wiener Linien-Netz finden Sie unter https://www.wienerlinien.at/kunst
Ein Selfie vor dem Kunstwerk "Aspern Affairs" von Stephan Huber ging sich für Christoph leicht aus. Mehr Infos zu Kunstwerken im Wiener Linien-Netz finden Sie unter https://www.wienerlinien.at/kunst

Endspurt im Norden Wiens

Auch in Floridsdorf und der Donaustadt erwacht die Metropole langsam, während sich ein gemütliches Flair an diesem Freitag verbreitet. Gerade in den Bussen in der Peripherie herrscht eine geradezu familiäre Atmosphäre, Tagesgeschehen und Bezirksneuigkeiten werden lautstark besprochen. In den Abendstunden fährt auch diesmal Papa wieder mit, doch sollte diese „Nachtschicht“ etwas intensiver werden, denn ab Mitternacht steigen wir in die U-Bahn um und befahren bis in die Morgenstunden das Untergrundnetz von Wien. Ich denke, dass Papa sich die erste durchgemachte Nacht mit seinem Sohn doch etwas anders vorgestellt hat. Doch wir hatten auch so jede Menge Spaß und wechselten uns beim Schlafen je nach Linie ab. Ungefähr um 4:30 Uhr erreichen wir den Bahnhof Floridsdorf, von wo aus wir wieder in den Tagfahrplan einsteigen und die letzten Linien abfahren.

Geschafft!

Dabei vergeht die Zeit wie im Flug und mit insgesamt einer Stunde Vorsprung erreichen wir um 10:33 Uhr die U-Bahn Station Kaisermühlen-VIC, wo ich von Mama, zwei Wiener-Linien-Mitarbeitern und Direktor DI Eduard Winter empfangen und geehrt werde. Dies war bestimmt eines der größten Highlights meiner 103 -Stunden-Reise quer durch Wien, auf die ich nun zurückblicke.

Wiener-Linien-Direktor Eduard Winter gratuliert Christoph bei seiner letzten Station, Kaisermühlen-VIC, und überreicht eine Urkunde.
Wiener-Linien-Direktor Eduard Winter gratuliert Christoph bei seiner letzten Station, Kaisermühlen-VIC, und überreicht eine Urkunde.

Es war auf jeden Fall eine fantastische Erfahrung, wodurch ich meine Lieblingsstadt und deren öffentliche Verkehrsmittel besser kennenlernen konnte. Gerade das großartige Verkehrsnetz, die zahleichen Verbindungen und die unschlagbare Pünktlichkeit der Wiener Linien mit seinen kompetenten Fahrerinnen und Fahrern haben dieses Projekt erst möglich gemacht und dafür möchte ich mich sehr herzlich bedanken.

Danke für den Erfahrungsbericht, Christoph! 
Wir freuen uns, dass du die Gesamtnetzbefahrung erfolgreich abschließen konntest - 
und nun wirklich alle Linien in unserem Netz kennst. ;-)
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Kommentare (7)

  • Sehr cool! Mich würde noch eine Bericht zu den Vorbereitungen interessieren. Es ist immer die Rede von Plan und Vorsprung usw. Ich stell mir das gar nicht soooo einfach vor das so genau zu planen!

  • Ja sehr cool!
    Auch mich würden die Vorbereitungen interessieren. 🙂
    Und: gibt es berufliche Ambitionen im Bereich öffentlicher Verkehr seitens Christoph?

    • Ob er mal mit den Öffis beruflich durchstarten möchte, wissen wir leider nicht. Aber er hat ja die besten Voraussetzungen 😉

  • Tolle Leistung.
    Gibt es eine Gesamte Aufstellung mit welchen Linien und in welcher Reihenfolge gefahren wurde.
    Gruß Heinz aus Köln/Deutschland)
    Bin jedes Jahr ca. 3-4 Wochen in Wien (Verwandschaft).
    War als Kind von 1945 bis ca 1948 in Wien, ich komme aus Schlesien(Bielitz).
    Ich liebe Wien, ist doch Wien fast meine Heimat

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