Der Walter der Pläne und Bauten

Blick fürs Ganze. Walter Zemen leitet die Großbaustelle NEU4. Das sei zwar komplex, aber gar nicht so kompliziert, behauptet er.

Eigentlich, sagt Walter Zemen, sei doch jeder von uns ein Projektmanager: Ein Urlaub, den man unternehme, selbst ein Kuchen, den man backe, sei schließlich ein eigenes Projekt, das einen Auftraggeber, ein Ziel, einen Preis und einen Zeitrahmen kenne. Dass Zemen selbst, der mit einer Baustellen- Warnweste bekleidet auf der Fußgängerbrücke in Hietzing steht, es derzeit mit größeren Dimensionen zu tun hat, lässt sich beim Blick ins leergeräumte Gleisbett der U4 erahnen. Über eine Rampe vom Hietzinger Kai ist gerade ein mit Sand beladener LKW eingefahren, Betonmischer und Bagger stehen in Sichtweite. Verschiedene Kopfbedeckungen schützen die Arbeiter heute vor allem vor der knallenden Sonne.

Walter Zemen leitet die Großbaustelle NEU4.
Walter Zemen leitet die Großbaustelle NEU4.

Bautechniker Zemen hat die Leitung des Projekts „NEU4“ inne, der größten Modernisierung in der Geschichte der Wiener U-Bahn. Stadt und Wiener Linien investieren 335 Millionen Euro, bis 4. September soll der Westarm zwischen Hütteldorf und Schönbrunn vollständig saniert und wieder befahrbar sein. „Als Projektleiter muss ich zwischen drei verschiedenen Perspektiven vermitteln“, sagt Zemen. „Manchen sind nur die Kosten wichtig, andere erwarten Qualität, die nächsten wollen, dass alles schnell vor sich geht.“ Um immer den richtigen Kompromiss zu finden, sei Realismus angesagt.

Jahrelange Vorplanung

2013 wurden Zemen und sein Team damit beauftragt, eine Machbarkeitsstudie für die beschlossene Modernisierung zu erstellen. In Zusammenarbeit mit der durchführenden Baufirma folgte ein genauer Ablaufplan, der jeden Arbeitsschritt mit den dafür benötigten Stunden beziffert. Hier findet Zemen zur Kuchen-Analogie zurück: „Das ist wie ein Rezept. Man muss aufpassen, dass man zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Maßnahmen setzt. Zum Beispiel muss ich mich um Ersatzverkehr kümmern, bevor ich die Strecke sperre. Und ich muss mir überlegen, wie ich die Anrainer im 24-Stunden- Betrieb am wenigsten störe.“

Jede Bauphase der NEU4-Modernisierung ist in Plänen festgehalten.
Jede Bauphase der NEU4-Modernisierung ist in Plänen festgehalten.

Bei aller guten Planung aber, stellt Zemen später im Baubüro fest, seien „Überraschungen“ nicht auszuschließen. Immerhin: Trotz etwa zwischenzeitlich heftiger Regenfälle habe man derzeit sogar einen mehrtägigen Puffer. Ob er eigentlich immer im Kopf habe, was an welcher Stelle der Baustelle gerade passiert? „Unmöglich“, sagt Zemen hinter den 20 Ordnern, die nebeneinander auf seinem Schreibtisch liegen, „aber dafür habe ich ja meine Pläne.“

Text: Mareike Boysen
Fotos: Stefan Joham
Dieser Artikel erschien im vormagazin 7/2016.
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