Der Bus aus dem Fluss

Vor 40 Jahren, am 1.8.1976, stürzte die Reichsbrücke ein und riss einen Bus der Wiener Linien mit in die Fluten. Die Bilder vom Bus im Fluss gingen durch die Medien. Heute steht der „Bus aus dem Fluss“ im Verkehrsmuseum Remise.

Manchmal läuft schon am frühen Morgen alles schief. Verschütteter Kaffee, verbrannter Toast, verlegte Schlüssel. Wir kennen das. Doch was ein Buslenker der ehemaligen Wiener Stadtwerke-Verkehrsbetriebe am 1. August 1976 erlebte, ist heute noch vielen Wienerinnen und Wienern präsent. Um ca. 5.00 Uhr stürzt aus heiterem Himmel die Wiener Reichsbrücke über der Donau ein und reißt den Bus, der zum Glück noch ohne Fahrgäste unterwegs war, und einen PKW mit in die Fluten. Der PKW-Lenker kommt dabei ums Leben.

 Der 16,6 Meter lange „Donaubus" konnte nach einigen Tagen im Wasser per Schwimmkran geborgen werden und blieb nach der Restaurierung bis 1989 im Einsatz.
Der 16,6 Meter lange „Donaubus" konnte nach einigen Tagen im Wasser per Schwimmkran geborgen werden und blieb nach der Restaurierung bis 1989 im Einsatz.

Der Buslenker hatte Glück im Unglück. „Ich verspürte einen starken Schlag auf die Hinterräder und dachte erst an ein Schlagloch", geht aus einem Bericht hervor. Er wird mehrfach im Bus herumgeschleudert. „Erst als ich wieder aufwachte und rundherum Wasser sah wusste ich, was passiert war." Der 12,6 Tonnen schwere Gelenkbus stürzte zwar in die Donau, ging aber nicht unter, sondern schwamm regelrecht auf den eingestürzten Brückenteilen. Der Lenker konnte sich aus dem Bus befreien und wurde nach kurzer Zeit per Stromboot geborgen. Mit Prellungen und einem tiefsitzenden Schock kam er relativ glimpflich davon.

Der Brückeneinsturz als Medienspektakel

Ein Großaufgebot von Feuerwehr, Polizei, Rettung und Bundesheer war sofort zur Stelle aber auch Schaulustige und Presseleute versammelten sich in den frühen Morgenstunden am Donauufer. „Brückenschauen" lautete damals das Motto.

Schaulustige und Medien stürmen zum Donauufer um das Spektakel live mitzuerleben. Foto: Helmut Krcal CC BY-SA 3.0
Schaulustige und Medien stürmen zum Donauufer um das Spektakel live mitzuerleben. Foto: Helmut Krcal CC BY-SA 3.0

Der „Donaubus" erlangt Berühmtheit

Nicht nur der Buslenker, auch das Fahrzeug, das erst seit März 1975 in Betrieb war, überstand den Einsturz relativ glimpflich. Nach mehreren Tagen im Wasser konnte der Bus mit einem eigens konstruierten Schwimmkran geborgen werden. Der Bus wurde restauriert und war bereits am 3. Oktober 1976, nur wenige Wochen nach dem Unglück, wieder einsatzbereit. Noch bis 1989 war der „Donaubus" im Wiener Öffi-Netz unterwegs. Heute ist der Gelenkbus mit der Nummer 8084 eine lokale Berühmtheit und kann im Verkehrsmuseum Remise bestaunt werden. Anlässlich des 40. Jahrestages des Unglücks fuhr der Bus neuerlich über die Reichsbrücke.

Neue Brücke mit Platz für die U-Bahn

Die heutige Reichsbrücke blickt auf eine 140-jährige Geschichte zurück und ist bereits die dritte ihrer Art. 1876 wurde die erste Verbindung über die Donau als „Kronprinz-Rudolf-Brücke" eröffnet. Bald nahm der Verkehr zwischen den Donauufern zu und eine modernere, größere Brücke musste her, die 1937 eröffnete.

Gleich nach dem Einsturz 1976 galt es rasch zu Handeln. Innerhalb weniger Monate standen zwei temporäre Ersatzbrücken, eine für die Straßenbahn, eine für den Autoverkehr, bis im November 1980 schließlich der Neubau, wie wir ihn heute kennen, eröffnet wurde. Dieser wurde so konstruiert, dass auch eine U-Bahn die Donau überqueren konnte. Am 3.9.1982, also knapp zwei Jahre nach der Eröffnung der Brücke, fuhr die U1 zum ersten Mal über die 865m lange Reichsbrücke, die bis heute das Tor in die Donaustadt ist.

Noch diesen Herbst tauscht die zuständige MA 29 die Lager der Reichsbrücke und stellt so sicher, dass die Brücke auch in Zukunft die Leopoldstadt und Donaustadt verbindet.

40 Jahre nach dem Einsturz fährt der "Donaubus" wieder über die Reichsbrücke.
40 Jahre nach dem Einsturz fährt der "Donaubus" wieder über die Reichsbrücke.
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Kommentare (4)

  • Recht interessant gestaltet. Allerdings wäre ein Foto des Buslenkers (leider bereits verstorben) angebracht. Auch könnte man beifügen, wie aufwendig sich der Neubau der „neuen“ Reichsbrücke gestaltet hat. Da ich
    seit 1980 selbst bei den Verkehrsbetrieben (später Wiener Linien) beschäftigt war, weis ich ob der Probleme
    darum, aber lang ist es her. Mit freundlichen Grüßen Christine Calta

  • Ein sehr netter Film zur Erinnerung, gut geschnitten und mit der richtigen Musik vertont. Bravo!!!
    Leider war ich zur Zeit der Fahrt nicht in Wien, hätte es mir gerne live angeschaut 🙂

    Liebe Grüße Alexander

  • Liebe Erinnerung. Bin damals mit dem Bus noch selber gefahren. Der Kollege Emmerich (damaliger Buslenker) ist schon verstorben. Es war eine schöne Zeit bei den WVB.

  • Diesen Einsturz der Reichssbrücke hörte ich bis nach Stadlau am Genochplatz, ich weiss noch es war der 1. August 1976 sehr zeitlich in der früh. Ich war gerade 6 Jahre.

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